Mit dem Ja der Iren ist der Vertrag von Lissabon politisch durchgesetzt. Die Europäische Union erweist sich damit als reformfähig. Das hat eine Bedeutung weit über den Vertragstext hinaus.
In letzter Sekunde haben sich die Iren besonnen. Im zweiten Anlauf haben sie mit ihrem Ja zum Vertrag von Lissabon die Europäische Union von jenem Abgrund zurückgerissen, an den sie sie mit ihrem Nein vor über einem Jahr selber gestoßen hatten.
(© Montage: sueddeutsche.de)
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Damit ist die Reform der EU, die vor acht Jahren mit großem Optimismus und mit viel Elan angegangen worden war und die sich dann immer mühseliger voranschleppte, politisch erfolgreich abgeschlossen. Die Europäische Union hat sich, was mancher schon nicht mehr glauben mochte, als reformfähig erwiesen. Das hat eine Bedeutung weit über den Vertragstext hinaus.
In allen siebenundzwanzig Mitgliedsländern haben nun entweder die Parlamente oder wie in Irland die Wähler dem Lissabon-Vertrag ihren Segen gegeben. Die Gegner einer immer engeren europäischen Zusammenarbeit haben damit die demokratische Auseinandersetzung um die Zukunft der EU verloren.
Aber noch gibt es eine Gefahr für den Lissabon-Vertrag. Er kann erst in Kraft treten, wenn alle Länder ihre Zustimmungsurkunden in Rom hinterlegt haben.
Das scheinen der tschechische Präsident Vaclav Klaus Havel und der ihm in seiner Europafeindlichkeit verbundene britische Oppositionsführer David Cameron nutzen zu wollen, um die Reform zu verhindern. Sie haben verabredet, dass Klaus seine Unterschrift unter die von der tschechischen Volksvertretung längst beschlossenen Ratifizierung Lissabons so lange hinauszögert, bis der Konservative Cameron - wie er hofft - im April die Regierung in London übernimmt.
Für den Fall seines Wahlsieges hat Cameron versprochen, die schon hinterlegte britische Ratifizierung wieder einzukassieren, falls der Vertrag bis dahin noch nicht formal in Kraft ist. Es ist aber zweifelhaft, ob diese Intrige nach dem klaren Ergebnis in Irland noch funktioniert. Klaus und Cameron würden sich in einer Weise isolieren, die ihr politisches Ende sein könnte. Woran keiner von beiden letztlich interessiert sein dürfte.
Testfall Europas
Es gibt sehr verschiedene Gründe, warum die Iren aus ihrem Nein ein Ja gemacht haben. Die Finanzkrise dürfte eine wichtige Rolle gespielt haben. Ohne das Sicherungsseil EU wäre die grüne Insel ins Bodenlose gestürzt. Das ist eine Lehre für die Zukunft. Ausschlaggebend aber war wohl die Erkenntnis nach dem Nein des vergangenen Jahres, dass nicht nur die Stellung Irlands in der EU gefährdet war, sondern die Europäische Union als Ganze. Nach einem erneuten Nein aus Dublin hätte die EU nicht vor einem Scherbenhaufen gestanden - sondern sie wäre der Scherbenhaufen gewesen.
Denn Lissabon ist mehr als ein Vertrag. Lissabon ist der international mit Aufmerksamkeit beobachtete Testfall Europas: Ist es in der Lage, sich so zu reformieren, dass es die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts annehmen und auf der Weltbühne die Rolle einer großen Macht spielen kann?
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und dann wird Tony Blair endlich EU-Ratspräsident und kann zweieinhalb Jahre den nächsten illegalen Angriffskrieg planen und führen. Selbstverständlich gegen den bösen Iran. Und dann gibt es keine Dummheiten mehr, dann werden endlich teutsche Bomben und Granaten wieder für "Recht und Demokratie" "Terroristen und Demokratiefeinde" zerfetzen und verstümmeln.
HURRA!!! ICH LIEBE DIE EU!!!!!
Es hat Jahrzehnte gedauert, aber endlich sind wir moralisch und politisch wieder bei "ab 5:45 wird jetzt zurückgeschossen" angekommen und zwar Europaweit!
ach frustrierend, diese europäische pseudodemokratie...da sagen die iren nein und weil es keinem in der eu so recht passt lässt man sie noch mal abstimmen...hätten sie wieder nein gesagt, hätten se nächstes jahr noch mal ran gemusst, solange bis ein ergebnis rausgekommen wäre, welches den eu-diktatoren gefallen hätte...im grossen und ganzen kann man hier nicht von freiheit und demokratie reden...kaum ein normal bürger weiss um was es da geht geschweige den was in diesem "reform"-vertrag eigentlich geschrieben steht...aber das werden alle ja noch zu sehen bekommen...gell ^-^
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Dass die "Gegner einer immer engeren europäischen Zusammenarbeit" in ALLEN (!) 27 Mitgliedsländern eine demokratische Auseinandersetzung verloren haben, ist doch schlichtweg falsch, oder irre ich mich? In wie vielen Ländern gab es denn Plebiszite zu dieser Frage? Und wie sehr hat die EU und das Thema "LIssabon" den Wahlkampf beeinflusst?
Meiner Meinung nach kann man dann auch nicht von einer demokratischen Durchsetzung reden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Mehrheit der EU-Bevölkerung diesem Vertrag nicht zustimmen würde.
Den Iren ist nun lange genug eingebläut worden, dass die EU sie gerettet hat und sie daher Lissabon brauchen.
Komischerweise fand diese Rettung (wenn überhaupt) auch ohne den Lissabon-Vertrag statt.
Also geht's doch auch ohne.
Den Elefantenfriedhof EU mit Verheugen etc. werden die USA, China, Russland oder Brasilien noch weniger ernst nehmen als die nationalen Regierungen, die wenigstens ein bisschen Kompetenz haben und viel schneller entscheiden können als der Moloch EU.
Paging