Von Thorsten Denkler, Berlin

Wahlkampf im Bundestag: Die Europadebatte gerät zum ersten Rededuell der möglichen Kanzlerkandidaten Kurt Beck und Angela Merkel. Es wird auch eine Jagd auf die Linke.

Mitten in der Europadebatte um die Verträge von Lissabon, da war er plötzlich und völlig unerwartet da: Der Wahlkampf. Traditionsgemäß gehören diese Debatten rund um die EU zu den eher lauen Veranstaltungen im Hohen Haus. Es sind zwar alle anwesend, die meisten Abgeordneten, die Kanzlerin und ihre Minister. Aber es sind sich meist auch alle einig.

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Weniger staatstragend, dafür um so angriffslustiger: SPD-Chef Kurt Beck. (© Foto: Reuters)

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Spannung versprach an diesem sonnigen Donnerstagmorgen einzig der erste Auftritt von SPD-Chef Kurt Beck vor dem Bundestag. Der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz sollte kurz nach Angela Merkel sprechen. Ein erstes Rededuell, könnte man sagen.

Sollte Beck Kanzlerkandidat werden wollen, dann war es die Aufwärmrunde im Kampf um die deutsche Meisterschaft. Vielleicht hat ihn heute die Nähe zum Kanzlersessel angespornt. Der ist kaum zehn Meter von Becks Platz auf der Länderbank entfernt. Sehr nah. Und doch sehr fern.

Zunächst aber sitzt Beck da wie bestellt und nicht abgeholt. Ein kurzer Händedruck der Kanzlerin vor Beginn der Debatte, mehr Freundlichkeiten haben die beiden nicht auszutauschen. Becks Sitznachbar Günther Beckstein feixt lieber mit dem Bundesratsminister von Baden-Württemberg, Wolfgang Reinhart, als sich mit seinem Kollegen Ministerpräsidenten auszutauschen.

Angela Merkel legt vor. Viel Mühe gibt sie sich nicht, das erwartete Duell anzuheizen. Staatstragend spricht sie von den Erfolgen der Europäischen Union, von den Vorzügen des Lissabonner Vertrages, dass Europa damit näher an die Menschen gebracht werde. Unterhaltsam ist die Stelle, an der Merkel sagt, dass der Vertag nicht nur das Parlament in Brüssel stärken werde, sondern auch das in Berlin - und in Mainz.

Ein Witz soll das wohl nicht sein. Dennoch Gekicher in den Reihen der Abgeordneten. Merkel versteht nicht ganz: "Ich hätte auch München sagen können." Beck kontert später, dass sei schon ganz in Ordnung, dass sie seine Landeshauptstadt Mainz als Beispiel genommen habe. Auf dem Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz habe schließlich 1832 das Hambacher Fest stattgefunden, auf dem der europäische Gedanke schon vorweggenommen worden sei. Das war, "als die Bayern noch mit ihren Truppen gegen alle aufmarschierten", sagt Beck. Und grinst über die gelungen Pointe.

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