Die EU will vom 3. Oktober 2005 an mit der Türkei über einen Beitritt verhandeln. Allerdings muss erst der Streit um Zypern beigelegt werden. Daher ist die Freude des türkischen Präsidenten Erdogan über das historische Angebot noch gedämpft.

Nach dem historischen Beitrittsangebot der Europäischen Union an die Türkei hängt ein Erfolg des EU-Gipfeltreffens in Brüssel von einer Lösung des Streits um die Anerkennung Zyperns ab.

Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan, dpa

Will nachverhandeln: der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan. (© Foto: dpa)

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EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sagte: "Heute Abend hat die Europäische Union der Türkei mit einem ausgeglichenen Angebot ihre Tür geöffnet... Die Türkei sollte dieses sehr gute Angebot annehmen." Davon konnte der amtierende EU-Ratsvorsitzende und niederländische Ministerpräsident Jan Peter Balkenende den türkischen Regierungschef Recep Tayyip Erdogan in einem nächtlichen Gespräch allerdings nicht überzeugen.

In der Nacht erklärte Erdogan in Brüssel, es seien weitere Verhandlungen notwendig, ehe seine Regierung über das Angebot der EU-Staats- und Regierungschefs entscheiden könne. Diese haben ihre Beratungen über das Mandat für die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Türkei fortgesetzt.

Annan soll helfen

Die EU will am 3. Oktober nächsten Jahres Beitrittsverhandlungen mit der Türkei aufnehmen, allerdings unter dem Vorbehalt, dass die türkische Regierung das EU-Mitglied Zypern bis dahin zumindest de facto anerkennt. Hilfestellung in der Zypernfrage wird von UN-Generalsekretär Kofi Annan erwartet, der heute am Gipfel in Brüssel teilnimmt.

Ein von Annan unterbreiteter Plan zur Wiedervereinigung der seit 30 Jahren geteilten Mittelmeerinsel war im April dieses Jahres an der Ablehnung der griechischen Bevölkerungsgruppe Zyperns gescheitert. Zypern ist seit 1974 geteilt, seitdem sind im Nordteil der Insel 40.000 türkische Soldaten stationiert.

Bundeskanzler Gerhard Schröder würdigte den EU-Gipfelbeschluss zur Aufnahme von Verhandlungen mit der Türkei als "Entscheidung von ungeheurer Tragweite". Jetzt gebe es ein klares Datum. Das Ziel sei der Beitritt. Der Beschluss werde den Modernisierungsprozess in der Türkei gewaltig unterstützen und ökonomisch einen "enormen Boom" auslösen. Die Gipfelteilnehmer haben mit der Türkei erstmals einem muslimisch geprägten Land die Chance auf einen Beitritt zur Europäischen Union gegeben.

Die drei Kandidatenländer auf dem Balkan kommen heute auf die Tagesordnung. Wegen der ausführlichen Debatte über die Türkei entschieden die EU-Staats- und Regierungschefs, erst am zweiten Tag ihres Gipfels über Beitrittsverhandlungen mit Kroatien zu sprechen. Das gleiche gilt für Bulgarien und Rumänien. Für diese beiden Länder, mit denen die Verhandlungen bereits abgeschlossen sind, soll der Gipfel einen Beitritt zur EU am 1. Januar 2007 beschließen.

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(dpa/AP)