US-Präsident Obama will die Türkei alsbald in der EU sehen - doch mit dem Verhalten beim Nato-Gipfel hat Ankara Zweifel geweckt, ob das Land in die Union gehört.
Die Europäische Union ist kein christlicher Club. Sie soll es auch nicht sein. In der Präambel des Vertrages von Lissabon ist lediglich vom kulturellen, religiösen und humanistischen Erbe Europas und den sich daraus ergebenden Werten die Rede. Der Ratschlag des US-Präsidenten Barack Obama, die Türkei alsbald in die EU aufzunehmen, hat in Deutschland dennoch ein zum Teil irritierend giftiges Echo gefunden.
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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), der türkische Staatspräsident Abdullah Gül (l.), und US-Präsident Barack Obama (r.) stecken beim Nato-Gipfel die Köpfe zusammen. (© Foto: ddp)
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Gleich mehrere Parlamentarier der CDU und CSU fanden den Hinweis originell, man mische sich ja auch nicht die Auswahl neuer US-Bundesstaaten ein. Kleinkrämerisch klingt das und gar nicht nach dem globalen Anspruch, den die EU so gerne erhebt. Ob die Türkei Mitglied der Union wird, ist von internationaler Bedeutung. Zu entscheiden hat Obama da nichts. Das europäische - und deutsche - Selbstbewusstsein sollte aber gerade noch ausreichen, seine Meinungsäußerung zu ertragen und sich mit ihr kritisch auseinanderzusetzen.
Obama argumentiert in seinem Werben für eine Türkei in der EU geopolitisch, wenn er fordert, die USA und Europa müssten an die Muslime als Freunde, Nachbarn und Partner herangehen. Aus Washingtoner Sicht ist das nachvollziehbar, der Europäischen Union aber hilft es nicht weiter. Die Türkei bewirbt sich bei der EU als Mitglied, nicht als Botschafter der muslimischen Welt. Die Zweifel daran, ob dies der türkischen Regierung klar ist, hat sie in den vergangenen Tagen beim Nato-Gipfel in Baden-Baden und Straßburg nach Kräften geschürt.
Im Streit über die Berufung des Dänen Anders Fogh Rasmussen zum neuen Nato-Generalsekretär ging es ihr darum, Stärke und Wichtigkeit zu demonstrieren, zum anderen machte sich die türkische Führung noch einmal zum Sprachrohr muslimischer Empörung über dänische Mohamed-Karikaturen. Mit ihrer zeitweiligen Blockade hat sich die Türkei indes einen Bärendienst erwiesen, wie der Verlauf der Diskussion in Deutschland zeigt.
In unnachahmlicher Geschicklichkeit hat die türkische Regierung nämlich die Beitrittsskeptiker mit den stärkstmöglichen Argumenten munitioniert. Zum einen können sich jene bestätigt fühlen, die vor den Risiken für eine erweiterungsmüde EU warnen. Die Türkei hat sich als, gelinde gesagt, schwieriger Partner erwiesen. Ähnlichkeiten mit dem EU-Neuling Polen sind natürlich rein zufällig, wecken aber doch unangenehme Erinnerungen.
Zum anderen hat die Türkei wieder einmal jene Zweifler bestärkt, die nicht an eine uneingeschränkte Wertegemeinschaft mit den Türken glauben, etwa, wenn es um Pressefreiheit geht. Als EU-Mitglied jedenfalls wird die Türkei in solchen Fragen keinen Mittelweg zwischen Saudi-Arabien und Dänemark beschreiten können.
Die Führung in Ankara sollte nicht vergessen, dass nicht Geo-, sondern Innenpolitiker über die Aufnahme der Türkei entscheiden werden. In Deutschland haben Sozialdemokraten und Grüne in der neu entflammten Debatte ihr Bekenntnis zur Erweiterung um die Türkei bekräftigt. Sie haben dabei nicht zu Unrecht auf die beträchtlichen Fortschritte in der Türkei verwiesen. Den Türken nützt dieser Zuspruch freilich nichts. Sie müssen die Kritiker oder zumindest die Skeptiker überzeugen. Das Gegenteil aber geschieht gerade. Dank des Verhaltens der Türken kommt dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy sein Non noch leichter über die Lippen. Nichts anderes meint auch die Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende Angela Merkel, wenn sie nebulös von privilegierter Partnerschaft spricht. Für Wahlkämpfer in Deutschland und anderswo bleibt der Türkei-Streit stets ein willkommenes Geschenk.
Nicht, weil sie muslimisch ist, muss die Türkei EU-Mitglied werden, sondern, weil sie zu Europa gehört. Wenn diese Einsicht auf beiden Seiten reift, folgt der geopolitische Nutzen von ganz allein.
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(SZ vom 7.4.2009/vw)
@Felix Fabri: :)
Warum wedeln hier alle mit einem falschen Hasen?
Noch nicht begriffen,die Türken wollen gar net mehr......
Die Amis denken halt eine Spur weiter als wir Europäer..!
Mfg
Selbstverständlich ist die Türkei europäisch, denn ziemlich genau 4,6% ihres Territoriums liegen in Europa. Selbstverständlich knüpft die Türkei an die antik-jüdisch-christlichen Traditionen des aufgeklärten Europas an: Da ist die Gleichberechtigung der Frau, das Recht auf Bildung, die Abschaffung der Folter, die freie Entscheidung des Einzelnen für oder wider eine Religion, die freie Errichtung von Gotteshäusern christlicher oder jüdischer Provenienz, vor allem die verbreitete, geradezu großzügige Umgangsweise mit Juden, Christen und vor allem Armeniern und Kurden lassen diesen Staat und sein völlig fehlender Nationalismus, der frei von jedem Chauvinismus ist, als einen Beitrittskandidaten erster Ordnung erscheinen. Seite an Seite mit Polen werden diese beiden Staaten für Toleranz, Liberalität und vor allem für die freie Presse streiten. Willkommen im Mittelalter!
Sicher muak. Und Bitte immer schön beachten : die Türkei ist garnicht in Europa. Sondern zu 99% in Asien. Wieso, werden sich nach dem EU-Beitritt der Türkei, Länder wie Israel, Tschad, Kongo und Nordkorea fragen, sind wir noch nicht in der EU?
Antwort an,muak: Das die Tuerkei gerne zu Europa gehoeren moechte ist mir klar,nur dafuer muss man auch etwas tun. Zum Beispiel ueber den eigenen Schatten springen zu koennen,oder Kritik ertragen . Beides sind Eigenschaften die man in der Tuerkei nicht hat,die Rosinen der EU- siehe Polen herausholen und den Rest blockieren,dass kann jeder. Das es gerade Sozialdemokraten und Gruene sind die einen EU Beitritt der Tuerkei befuerworten ist mir auch klar,sie haben keine Beziehung zu Religionen,etwas was in der Tuerkei eine grose Rolle spielt. Der Auftritt der Tuerkischen Regierung war schlicht blamabel,ich erinnere nur an die Rede des Tuerkischen Praesidenten,nach einer Brandkatastrophe in Deutschland vor einem Jahr. Haette ein Deutscher Repraesentant,so einen Reden in der Tuerkei gehalten,er waehre geluencht worden. Zum Schluss,eine Tuerkei unter Kemal Attatuerk waehre eine Bereicherung fuer die EU. Nur er ist leider viel zu frueh verstorben 1938,so das sein grosses Werk nicht vollendet werden konnte,der jetzige tuerkische Praesident,kann sich mit Silvo Berlusconi die Hand reichen.
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