Von Daniel Brössler

In der Debatte um einen möglichen EU-Beitritt der Türkei beklagt die FDP innenpolitische Stimmungsmache - und verlangt Klartext von der Kanzlerin.

Der Koalitionsvertrag zwischen Union und FDP bleibt auch Monate nach seiner Verabschiedung ein wundersames Werk. Die Mitglieder der Koalition können immer aufs Neue darin lesen, und doch etwas ganz anderes verstehen. So verhält es sich auch mit der Frage des türkischen Beitritts zur EU.

Angela Merkel Erdogan Türkei EU-Beitritt dpa

Schwieriger Besuch in der Türkei: Kanzlerin Merkel mit Premier Erdogan (© Foto: dpa)

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"Die 2005 mit dem Ziel des Beitritts aufgenommenen Verhandlungen sind ein Prozess mit offenem Ende, der keinen Automatismus begründet und dessen Ausgang sich nicht im Vorhinein garantieren lässt", steht dort.

Begleitend zum Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Türkei haben gleich mehrere Vertreter der Union erläutert, wie sie das lesen: Der baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus ließ über Spiegel Online wissen, nachbarschaftliche Beziehungen seien zwar wichtig, dazu sei "aber keine Vollmitgliedschaft der Türkei erforderlich". Andere Unions-Ministerpräsidenten äußerten sich ähnlich.

Und aus dem Europa-Parlament meldete sich der CSU-Abgeordnete Markus Ferber mit dem Hinweis, auch "über die Zeitachse" werde es in der Türkei keine Entwicklung geben, die eine EU-Mitgliedschaft ermöglichte.

Bei der FDP herrscht Wut über solche Worte. Für Parteichef und Außenminister Guido Westerwelle zählt es zum Kernbestand der eigenen Politik, sich der Türkei gegenüber aufgeschlossen zu zeigen und den offenen Ausgang der Verhandlungen zu betonen.

Das tat er auch bei seinem Türkei-Besuch im Januar, als er versicherte, er komme "nicht als Tourist in kurzen Hosen".

FDP: Stimmungsmache wie bei einem Pawlowschen Reflex

Der europapolitische Sprecher der FDP im Bundestag, Michael Link, hofft nun auf ein Machtwort der ebenfalls nicht als Freundin einer türkischen Vollmitgliedschaft bekannten CDU-Chefin.

"Wir würden uns wünschen, dass die Kanzlerin den Koalitionsvertrag auch in der eigenen Partei durchsetzt", sagte Link.

Wie bei einem Pawlowschen Reflex werde mit dem Thema Türkei Stimmung gemacht. "Die Kritiker der Beitrittsverhandlungen verkennen, dass die Türkei enorm an strategischer Bedeutung gewonnen hat", sagte Link. "Und sie verkennen, dass wir eigentlich schon längst eine privilegierte Partnerschaft mit der Türkei haben."

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(SZ vom 31. März 2010/odg)