Der Mord an der Menschenrechtlerin Estemirowa zeigt: Russland versinkt in der Gewalt. Präsident Medwedjew will Recht und Gesetz stärken - wird damit jedoch kaum Erfolg haben.
Nicht die Europäische Union und nicht die USA waren die Ersten, die sich empörten über den Mord an Natalja Estemirowa.
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Der Mord an Natalja Estemirowa ist Sinnbild für die gefährliche Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit. (© Foto: dpa)
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Es war Russlands Präsident Dmitrij Medwedjew, der den Ton setzte für die internationale Bestürzung - ein kleiner Trost, immerhin. Und ein Zeichen, dass auch in Russland die Gesetze des Rechtsstaates außer Frage stehen.
Doch das allein ist zu wenig, um wirklich Hoffnung zu geben in einem Land, in dem ähnliche Taten noch immer ungesühnt sind. Der Mordfall Anna Politkowskaja muss noch einmal aufgerollt werden, auch der Tod des Menschenrechtsanwaltes Stanislaw Markelow ist ungeklärt.
Warum also sollte es anders sein bei Natalja Estemirowa, die ermordet wurde in einer Region, in der die Grenzen zwischen Gesetzeshütern und Gesetzesbrechern ohnehin zu oft schon verwischt worden sind?
Der Nordkaukasus ist noch immer eine Zone der Willkür, der gewaltsame Tod Estemirowas ein trauriges Symbol dafür. Entführt in Tschetschenien, wo der Kreml den Anti-Terror-Kampf für beendet erklärt hat, aufgefunden in Inguschetien, das Moskau eigentlich als Nächstes befrieden wollte.
Doch ausgerechnet dessen neu installierter Präsident Junus-Bek Jewkurow liegt nach einem Anschlag schwerverletzt im Krankenhaus.
Der Mord an Estemirowa ist Sinnbild für die gefährliche Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit, und es wäre fatal, sollte er die anschwellende Opferzahl der vergangenen Monate überdecken. Tschetschenien, Inguschetien oder Dagestan: Tote bei Gefechten werden nun im Tagesrhythmus gezählt.
Und so oft auch die Protagonisten etwas anderes verkünden: Tschetscheniens Herrscher Ramsan Kadyrow hat offenbar genau so wenig die Kontrolle über seine Republik und seine Kombattanten wie Moskau über den gesamten russischen Kaukasus.
Der Kreml hat sich jahrelang einer Internationalisierung des Konflikts verweigert, Tschetschenien dünnhäutig als innere Angelegenheit reklamiert und ein Klima der Gewalt gedeihen lassen. Die ist so leicht jetzt nicht mehr einzudämmen.
Wenig Aussicht auf Erfolg
Wo Entführung, Folter und Mord die brutalen Werkzeuge zur Durchsetzung von Interessen sind, da riskieren auch Menschenrechtler wie Natalja Estemirowa ihr Leben.
Russland muss nun die Aufklärung ihres Falles vorantreiben, aber das allein reicht längst nicht aus. Es muss ebenso all die anderen ungeklärten Mordfälle im Land lösen wollen und dafür die Justiz insgesamt stärken.
Erst am Donnerstag wurde Russland vom Europäischen Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg verurteilt, weil in Tschetschenien ein Mann von Vermummten verschleppt wurde und sich die russischen Behörden zu wenig um die Aufklärung des Falles bemühten.
Medwedjew möchte das Recht endlich festigen. Aber die Aussichten, dass er damit schon bald Erfolg haben wird, stehen schlecht. Für den Kaukasus gilt das umso mehr - vor allem so lange, wie Moskau auf Kadyrow vertraut.
- Menschenrechtlerin Estemirowa beigesetzt - Trauermarsch aufgelöst 17.07.2009
- Treffen mit Medwedjew Merkel verurteilt Mord an Menschenrechtlerin 16.07.2009
- Tschetschenien Wer kritisiert, stirbt 16.07.2009
- Freisprüche im Fall Politkowskaja Russisches Recht 19.02.2009
- Mord in Moskau Politkowskaja-Anwalt erschossen 19.01.2009
(SZ vom 17.07.2009/dmo)
Kapitalabzug aus Südeuropa
Die Aufklärung von Terrortaten ist in Ländern mit kaputtem Rechtssystem und Rechtsverständnis wirklich ein Problem, siehe z.N.:
"Alles ist anders, nicht geklärt"
welt.de/welt_print/article832492/Alles_ist_anders_nichts_geklaert.html
Seltsam, dass mir da Winnenden auch in den Sinn kommt. Auf RIA nowosti (de.rain.ru) lässt sich zwar verfolgen, an was die Journalistin gerade arbeitete - aber das muss man in unseren medien nicht zum Besten geben, es wäre zerstörerisch für das eigene Weltbild.
hat im Kaukasus alle Systeme überlebt, auch den Sozialismus.
Die einfachste Sache der Welt bei solchen tragischen Ereignissen, ist die Erklärung einer solchen Tat als politisch motiviert. Frau Estemirowa hatte auch Militärs und Geschäftsleute wegen ihrer Machenschaften im Visier, deutlich gesagt: Korruption. Wenn nun einer der Geschäftsleute seine Handlanger nach ihr ausgeschickt hat, war`s dann wirklich politisch, oder ging es um die ganz persönliche Sicherung der Gewinne aus den Geschäften?
Niemand weiss es, aber es ist eben gerade mal der russische Präsident in Deutschland.
"Der Mord an der Menschenrechtlerin Estemirowa zeigt: Russland versinkt in der Gewalt."
Da kann man unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung Morden und Foltern. Und dann sehen wir uns mal den grossen Vorkämpfer der Demokratie an: Sie haben Guantanamo bis heute nicht geschlossen und Journalisten haben keine Zugang zu den Gefangenen, nicht einmal das IRK.
Fazit: Selbst wenn BinLaden sterben würde, würden die Geheimdienste einen Rob zum Ersatz einsetzen um ihr Spiel weiterzutreiben.
Traurig ist, dass engagierte Journalisten ihr Leben dabei verlieren. Den Fall in Russland kennen wir, gibt es solche auch im Westen. Eine sehr interessante Frage.
Kompletter Käse.