Erwiderung auf "Rede zur Lage der Nation" Obama-Fans konstruieren neues Watergate für Rubio

Er sprach über die Wirtschaftskrise der USA, kritisierte Steuer- und Schuldenpolitik von Präsident Obama. Doch diskutiert wird nach der Rede des republikanischen Nachwuchspolitikers Marco Rubio vor allem über eines: einen hastigen Schluck aus der Wasserflasche.

Von Martin Anetzberger

So richtig durstig war Marco Rubio wohl nicht, als er in seiner Erwiderung auf Barack Obamas "Rede zur Lage der Nation" nach einer kleinen Wasserflasche griff und einen ebenfalls kleinen Schluck nahm. Der aufstrebende Senator aus Florida, der als nächster Präsidentschaftskandidat der Republikaner gehandelt wird, hätte sich in seiner wichtigen Rede ohnehin nicht getraut, mehr als eine Zehntelsekunde am Wasser zu nippen. Doch das Geräusch, das in dem Video zu hören ist - ein kurzes Schmatzen-, verriet eher: Rubio war nervös, sein Mund deswegen trocken, und er brauchte das Wasser schlicht, um wieder besser sprechen zu können.

Ein ganz normales Phänomen, das viele Menschen kennen, die schon einmal vor mehreren Leuten reden mussten. Und Rubio sprach nicht vor mehreren, sondern vor extrem vielen Zuschauern im Fernsehen. Schließlich war sein Auftritt die republikanische Antwort auf Obamas State of the Union Address. Er hatte nur das Pech, dass die Flasche derart weit von ihm weg stand, dass er sie mit einem Blick zur Seite ins Visier nehmen musste. Dann beugte er sich umständlich nach vorne rechts und versuchte dabei unentwegt in die Kamera zu schauen - was ihm nicht gelang. Und nach einem hastigen Schluck stellte er das Gefäß schnell wieder weg und sprach weiter.

Das Video der Lappalie verbreitete sich schnell im Internet, vor allem über den Kurznachrichtendienst Twitter, wo viele User den Republikaner unter dem Hashtag #watergate verspotten, angelehnt an die Watergate-Affäre, die US-Präsident Richard Nixon 1974 zum Rücktritt zwang. Wenige Tweets setzen sich mit den Inhalten von Rubios Rede auseinander, in der er die Finanzpolitik des US-Präsidenten kritisierte. Steuererhöhungen und auf Pump finanzierte Ausgaben, die Obama vorschlage, schadeten den Familien in der Mittelschicht, sagte Rubio.

"Rubio trank, als wäre er auf Ecstasy"

Für Obama-Fans und Rubio-Gegner eine willkommene Gelegenheit, verbal auf den kubanisch-stämmigen Politiker einzuschlagen und seine Inhalte zu ignorieren. "Rubio trank, als wäre er auf Ecstasy", schreibt einer. Ein anderer User twittert: "I think we know who Dry Throat is" - eine Anspielung auf einen Informanten der Watergate-Journalisten, der als Quelle Deep Throat in die Geschichte einging. Manche warfen Rubio gar vor, sein Mund sei trocken geworden, weil er ein Lügner sei.

Doch es gibt auch Stimmen, die die unsachlichen Angriffe auf Rubio kritisieren. Oliver Grimm, amerikanischer Korrespondent der österreichischen Zeitung Die Presse, warf die Frage auf: "Die Obama-Fans verhöhnen Marco Rubio dafür, während seiner Rede Wasser getrunken zu haben. Scheuen sie die inhaltliche Auseinandersetzung?"

Und Marco Rubio: Er vertrat offensichtlich die Meinung, in seiner Rede alles Wesentliche gesagt zu haben und veröffentlichte auf seinem Twitter-Account daher lediglich ein Foto: das Corpus Delicti seiner persönlichen #watergate-Affäre.