Erster Weltkrieg: Die Schlacht um Verdun "Ja, wie sie dalagen"

Ein kriegsmüder deutscher Soldat im Ersten Weltkrieg.

(Foto: Scherl)

Zwei Tote für jeden Meter Landgewinn: Die Schlacht von Verdun, die vor 100 Jahren begann, war eine der schrecklichsten der Geschichte. Akten eines Regiments lassen das Grauen erahnen.

Von Hubert Wetzel

Prolog

"Meine Lieben! Ich habe mir überlegt, soll ich Euch meine Leiden schildern oder nicht. Alles in mir steht noch unter dem Eindruck des Schreckens und Jammers. Von allen, die je nur einen solchen Schreckenstag mitgemacht haben, geht keiner mehr vor nach Verdun."Brief des Rekruten Franz Winhard, 8. Kompanie, Königlich Bayerisches 15. Infanterie-Regiment

Vor 100 Jahren begann die Schlacht um Verdun. Am Morgen des 21. Februar 1916 eröffneten mehr als 1200 deutsche Geschütze das Feuer und ließen Granaten auf die französischen Verteidiger regnen. Nie zuvor hatte der Mensch einen solchen Höllenbrand entfacht. Zehn Monate lang sollte er nicht mehr verlöschen.

Es gab schon vor Verdun schreckliche Schlachten, und es folgten noch blutigere. Doch in Verdun begann eine neue Art von Grauen. Verdun war die erste große Materialschlacht - eine Schlacht, in der verzweifelte Männer, zu nichts nutze als zu sterben, durch Dreck und Rauch krochen und versuchten, sich gegen rasende Maschinen zu wehren, die den Tod spien, ohne Unterlass, ohne Gnade, wie von einem eigenen Vernichtungswillen angetrieben. Und Verdun war die erste große Abnutzungsschlacht - eine Schlacht, die, so behaupteten später die Generäle, nur begonnen worden war, um wie ein Fleischwolf zu arbeiten, in den der Feind seine Soldaten warf und in dem diese zu blutigem Brei zermalmt wurden.

Eines der Regimenter, die bei Verdun kämpften, war das Königlich Bayerische 15. Infanterie-Regiment. Es zog am 23. Mai 1916 mit etwa 3000 Mann in die Schlacht. Fünf Tage später waren mehr als 1000 dieser Männer tot, verwundet oder vermisst. So war Verdun.

Was die Soldaten in diesen Tagen durchmachten, kann man heute noch in den Akten des Regiments nachlesen, die im Kriegsarchiv in München liegen. Man findet dort Kriegstagebücher, akkurat geführt in gestochener Schreibschrift, und Meldezettel, an denen noch der Lehm von Verdun klebt: nüchterne Angriffsbefehle und Gefechtsberichte, höfliche Hilferufe nach Wasser und Sanitätern; man findet handgezeichnete Stellungskarten, graue Notizblätter, auf denen Offiziere die Toten und Verwundeten zusammengezählt haben, und düstere Luftaufnahmen von Kraterfeldern. Ein einzelnes Regiment, einige Hundert Meter Front, ein paar Tage im Mai 1916 - damit befassen sich die Akten. Und doch enthalten sie, verschnürt zwischen staubschwarzen Pappdeckeln, den ganzen "Schrecken und Jammer" der Schlacht um Verdun.

Die Luftaufnahme zeigt das Gelände, in dem das 15.Infanterie-Regiment kämpfte. Der Graben des Forts Douaumont hebt sich deutlich von der zerschossenen Umgebung ab.

Marsch

Mitte Mai 1916 bereitet sich das Regiment auf den Einsatz bei Verdun vor. Es besteht aus drei Bataillonen zu je vier Kompanien und einer Maschinengewehr-Kompanie. Die Soldaten üben Angriffe.

"In jeder Kompanie sind durch einen Offizier drei Sturmtrupps in der Größe von einem Unteroffizier und acht Mann auszubilden. Empfehle außerdem Appelle mit allen Ausrüstungsgegenständen, die der Mann braucht, wenn wir plötzlich in die vordere Linie müssen, zum Beispiel kleines Schanzzeug, Gasmasken, Brotbeutel, Pistolen, Leuchtpistolen, Feldflaschen, Drahtscheren. Auch soll jeder Mann eine Schnur von zwei Metern Länge besitzen, um bei einem Angriff das große Schanzzeug über dem Rücken befestigen zu können." Befehl des I. Bataillons, 16. Mai

"I. und III. Bataillon holen beim II. Bataillon ab: je 400 Drahtscheren, 300 Spaten, 100 leichte Kreuzhacken, 70 schwere Kreuzhacken, 2000 Sandsäcke." Befehl des Regiments, 19. Mai

"Wetter schön. Übungen der Stoßtrupps. Mittags Vorführen der Flammenwerfer." Kriegstagebuch des III. Bataillons, 20. Mai

"Mannschaftsgefechtsstärke 15. Infanterie-Regiment: I. Bataillon - 891 Mann, II. Bataillon - 920 Mann, III. Bataillon - 945 Mann. Insgesamt: 2756 Mann." Meldung des Regiments, 21. Mai

"Gefechtsstärke der Maschinengewehr-Kompanie: 3 Offiziere, 152 Unteroffiziere und Mannschaften, 45 Pferde." Kriegstagebuch der MG-Kompanie, 17. Mai

Das 15. Infanterie-Regiment gehört zu einer bayerischen Division, die vor Verdun eine abgekämpfte preußische ablösen soll. Der Marsch an die Front führt zuerst durch den Ort Azannes, dann durch einige der berüchtigten Schluchten - kahlgeschossene, morastige Täler -, die das Gelände im Nordosten von Verdun zerschneiden. Ein Teil der Soldaten soll in das Fort Douaumont einrücken, eine große französische Festung, die die Deutschen besetzt halten. Auf dem Weg dorthin gibt es die ersten Verwundeten.

In den Akten findet sich diese auf Ölpapier gezeichnete Stellungskarte vom 29. Mai 1916: Die blaue Linie zeigt den Frontabschnitt, den das 15. Infanterie-Regiment halten muss - etwa 400 Meter.

"Um 4.50 Uhr Abmarsch nach Azannes, wo die Kompanie mit Handgranaten ausgerüstet wurde, danach Weitermarsch." Kriegstagebuch der 12. Kompanie, 23. Mai

"Die Brûle-Schlucht und der Ausgang der Hassoule-Schlucht liegen unter dem heftigsten Sperrfeuer, so dass die Mannschaften öfters liegen müssen. Auf dem Weg zum Fort treten große Verluste ein." Kriegstagebuch der MG-Kompanie, 24. Mai

"Die Anmarschstraßen in den Schluchten liegen voll von zusammengeschossenen Munitionswägen, toten Pferden, allenthalben auch gefallenen Soldaten. Es herrscht ein scheußlicher Verwesungsgeruch." Kriegstagebuch der MG-Kompanie, 27. Mai

"Durch das schlechte Wetter sind die Wege aufgeweicht. Die schweren Munitionswägen sinken bis zur Achse ein, so dass 8- bis 10-spännig gefahren werden muss. Pferde verenden vor Erschöpfung." Kriegstagebuch der MG-Kompanie, 28. - 31. Mai

"Der Marsch in die Stellung war furchtbar. Vier Stunden liefen wir, das heißt fielen wir in totaler Dunkelheit unter einem Hagel von Granaten von einem Granatloch ins andere. Rechts und links Leichen von Menschen und Tieren, die eine neue Granate meterhoch in die Luft riss und in tausend Fetzen zerriss, und der furchtbare Leichengeruch und Pulvergestank." Brief von Franz Winhard

Tod I

Der erste Tote des Regiments ist der Kommandeur, Oberst Joseph Abel. Er fällt gleich am 23. Mai in der Brûle-Schlucht.

"Unser Regimentskommandeur, Herr Oberst Abel, ist heute Abend durch einen Granatschuss getötet worden." Meldung des Regiments, 23. Mai

"In der begeisterten Erwartung der bevorstehenden Kämpfe traf ihn das tödliche Geschoss. Ein tragisches Geschick ließ es nicht zu, dass dieser Held sein schönes Regiment zum Siege führte." Kriegstagebuch des Regiments, 23. Mai

"An Oberleutnant Kübler, zur Zeit München, Lindwurmstr. 199: Oberst Abel am 23. 5. um 20.00 Uhr durch Granatschuss gefallen. Frau Oberst Abel sofort verständigen und nach Wünschen betreffend Überführung befragen." Schreiben des Regiments, 23. Mai

"An Leutnant Abel, 2. ChevaulegersRegiment: Das Regiment übermittelt Ihnen die traurige Kunde von der schweren Verletzung Ihres Herrn Vaters mit dem darauf folgenden Tod." Schreiben des Regiments, 24. Mai

Dreck

Auf den Landkarten der Generäle ist das Schlachtfeld sauber und übersichtlich. Schluchten, Wälder, Hügel, Gräben, Bunker, Festungen - alles ist genau eingezeichnet, mit Namen versehen, durch Höhenlinien und nummerierte Geländepunkte exakt bestimmt. In Wahrheit ist das Schlachtfeld eine schmierige, von Leichen und Unrat übersäte Lehmwüste, die von den Granaten ständig umgeformt wird. Wälder werden wegrasiert, Schluchten zu pockennarbigen Mulden zerstampft. Es gibt für die Soldaten kaum Deckung, keine tiefen, schützenden Gräben, nur hastig geschaufelte Rinnen und Granattrichter. Das Artilleriefeuer frisst die Meldeläufer, die Befehle überbringen sollen, und kappt die Verbindung zu den vorne eingesetzten Truppen. Die Offiziere wissen oft nicht, ob ihre Soldaten noch leben und wo genau die Front verläuft.

Bei Tag verstecken sich die deutschen Infanteristen, so gut es geht. Auf der Anhöhe im Hintergrund liegt das Fort Douaumont.

(Foto: SZ Photo)

"In der Stellung angekommen, legten wir uns todmüde in Granatlöcher. Von Schützengräben oder Unterständen keine Rede. Dort lagen wir vier Tage lang ganz nass und einen halben Meter tief im Dreck." Brief von Franz Winhard

"Zustand der Stellung: Von Punkt 1 bis zur Kiesgrube zusammenhängender Graben mit 0,6 bis 1 Meter Tiefe, von dort bis Punkt 13 mehr oder weniger ausgebaute Granatlöcher, von hier bis zum linken Flügel ist durch das Artilleriefeuer alles eingeebnet. Nach rückwärts fehlt von den vorderen Linien aus bei Tage eine Verbindung." Meldung des III. Bataillons, 29. Mai

"Annäherungswege zur vorderen Linie sind keine vorhanden. Angefangene Anbindungsgräben wurden bei Tage durch die Artillerie sofort zusammengetrommelt." Meldung des II. Bataillons, 29. Mai

"Es wurde wiederholt versucht, durch Meldegänger die Verbindung zur vorderen Linie aufzunehmen, nur in einem Falle gelang die Übermittlung eines Befehls." Meldung des I. Bataillons, 26. Mai

"In den Mittagsstunden liegt oft zwischen Fort und vorderster Linie ein derart heftiges Sperrfeuer, dass ein Verlass auf einzelne Meldegänger gänzlich ausgeschlossen ist. Eine andere Verbindung zu den Kompanien besteht nicht." Meldung des I. Bataillons, 26. Mai

"Verbindung mit vorderer Linie nicht möglich wegen des feindlichen Artilleriefeuers, und weil die Franzosen auf jeden einzelnen Mann mit MG schießen." Meldung des I. Bataillons, 26. Mai

"Am 27. 5., 10.00 Uhr, schießen sämtliche Truppen vorderer Linie weiße Leuchtkugeln ab, um den Verlauf der besetzten Stellungen zu kennzeichnen." Befehl des Regiments, 26. Mai

Angriff

Als das 15. Infanterie-Regiment am 23. Mai in Verdun ankommt, gerät es mitten in einen französischen Großangriff auf das Fort Douaumont. Die Franzosen sitzen bereits auf dem Dach der Festung. Die bayerischen Kompanien werden eilig in die gerissenen Lücken geschoben. Am 24. Mai erhalten sie den Befehl für einen ersten Gegenangriff, am 25. Mai für einen zweiten. Die Bayern drängen die Gegner zunächst zurück, doch dann erwischt sie das Abwehrfeuer der französischen Artillerie, ihre Sturmangriffe zerschellen an einem der sogenannten I-Werke - kleine Infanterie-Bunker, aus denen die Franzosen mit Maschinengewehren feuern.

"Seine Kaiserliche Hoheit der Kronprinz haben die Erwartung ausgesprochen, dass alle Truppen es als ihre Ehrenpflicht ansehen, ihre Stellung bis zum letzen Mann zu halten und verloren gegangene Teile unter allen Umständen wieder zu nehmen." Befehl der Division, 24. Mai

"Um 14.00 Uhr erfolgt der Befehl zum Angriff. Am helllichten Tag müssen die Kompanien in einen scharfen Eisenhagel des Sperrfeuers. In zwei MaschinengewehrBesatzungen fliegt beim Vorgehen eine Granate, tötet zwei Mann und verwundet die übrige Besatzung. Die Patronenkästen werden zerfetzt." Kriegstagebuch der MG-Kompanie, 24. Mai

"Die 7., 8. und 1. Kompanie haben um 8.00 Uhr nach Beginn des befohlenen Angriffs die Linie Punkt 5 - 6 - Kiesgrube Südrand erreicht; westlich anschließend an diese Linie werden Granattrichter gegen Punkt 326, östlich anschließend gegen Punkt 13 besetzt. Die 7. Kompanie erbeutete ein feindliches Maschinengewehr. Der Angriff gegen die Linie Punkt 325 - 326 - 5 durch die 10. und 11. Kompanie hat um 8.53 Uhr begonnen. Soweit zu beobachten war, kam die 11. Kompanie gut vorwärts, bei der 10. Kompanie kam es infolge des einsetzenden feindlichen Artilleriefeuers und MG-Feuers zu einigen Verlusten." Meldung des I. Bataillons, 25. Mai

"Die 10. und 11. Kompanie werden durch das heftige Sperrfeuer ganz zerstört und erleiden große Verluste, so dass nur einzelne Leute in die Stellung vorgelangen. Während des ganzen Tages liegt ein heftiges Trommelfeuer auf der Stellung. Zwei MG verlieren die gesamte Gewehrbesatzung bis auf zwei Mann." Kriegstagebuch der MG-Kompanie, 25. Mai

"Dem Feind muss durch Ausnutzung des Gewehres Abbruch getan werden. Kein Franzose darf wagen, auch nur seinen Kopf zu zeigen. Jeder Infanterist muss durchdrungen sein, dass er persönlich dem Vaterlande hilft, wenn er einen Gegner außer Gefecht setzt." Anweisung der Division, 13. Mai

"Ein weiteres Vorgehen am rechten Flügel war nicht möglich, da die Truppen sehr unter MG-Feuer aus dem I-Werk und starkem Artilleriesperrfeuer litten. Verluste scheinen erheblich." Meldung des I. Bataillons, 25. Mai

"Der Gegner eröffnete sofort ein äußerst heftiges Sperrfeuer leichten, mittleren und schweren Kalibers. Außerdem erhielten die Kompanien flankierendes MGFeuer aus dem I-Werk nördlich Punkt 323. In diesem äußerst heftigen Feuer kam der Angriff bald ins Stocken, die Kompanien mussten sich in die Granatlöcher ducken. Sie mussten den ganzen Nachmittag, in Granatlöchern schlecht gedeckt, aushalten, bis nach Einbruch der Dunkelheit das feindliche Artilleriefeuer nachließ." Gefechtsbericht des I. Bataillons, 25. Mai

"Die Verluste sind sehr stark: 1. Kompanie hat etwa noch 70 Mann, 4. Kompanie 50-60 Mann Gefechtsstärke. 1. und 4. Kompanie sind dringend ablösungsbedürftig." Meldung des I. Bataillons, 26. Mai

Trotz der vielen Toten und Verwundeten wird am 26. Mai ein dritter Angriff befohlen. Das Regiment soll das gefürchtete französische Infanterie-Werk bei Kartenpunkt 323 erobern, dessen Maschinengewehre schon so starke Verluste verursacht haben. Der Angriff scheitert. "Um 15.15 Uhr sollte der Sturm des II. Bataillons auf das I-Werk beginnen. Der Sturm unterblieb, da die erste Welle der Sturmkompanien im feindlichen MG- und Artilleriefeuer zusammenbrach." Meldung des I. Bataillons, 26. Mai

"Gegen Mittag: Angriff von Teilen der 7. Kompanie, verstärkt durch Stoß- und Flammenwerfer-Trupp des Sturmbataillons, auf I-Werk bei 323. Sie wurden bald zum größten Teil zusammengeschossen." Kriegstagebuch des Regiments, 26. Mai

"An eine Fortsetzung des Angriffs mit den zur Verfügung stehenden Kräften am morgigen Tage ist unter keinen Umständen zu denken. 6., 7., 8., 10. und 11. Kompanie sind nach Verlust ihrer Kompanie-Führer, auch wegen völliger Erschöpfung der Leute, zunächst gefechtsunfähig." Meldung des III. Bataillons, 26. Mai

"Die Stellung ist nach Kräften auszubauen und unter allen Umständen zu halten." Befehl des I. Bataillons, 26. Mai

"Die Kompanien sind auf 40 - 50 Mann zusammengeschmolzen." Meldung des Regiments, 27. Mai

Tod II

Über jeden Mann, der im französischen Feuer zerschmilzt, führt das Regiment penibel Buch. Laufend melden die Kompanien und Bataillone ihre Verluste: gefallen, verwundet, vermisst, Offiziere, Unteroffiziere, Mannschaften, selbst Pferde. Die Verlustlisten füllen dicke Mappen.

"An diesem Tage sind gefallen: Biber und Niggl Karl, verwundet wurden außer Vizefeldwebel Brand der Unteroffizier Rose, die Infanteristen Bartenschläger, Brigl, Heim, Egger, Rugler, Meggle, Kirmeier, Messerer, Neumeier, Rusch, Gefreiter Stadlbauer und Zollner." Kriegstagebuch der MG-Kompanie, 24. Mai

"Durch eine schwere feindliche Granate wurden um 15.00 Uhr getötet: 1.) Oberleutnant und Kompanieführer Reiser, 2.) Leutnant Hörchner, 3.) Leutnant Hausladen." Meldung der 12. Kompanie, 24. Mai

"Verlustliste I. Bataillon, 21. - 31. 5. 16: Offiziere - 3 verwundet, 1 vermisst; Unteroffiziere und Mannschaften - 44 tot, 251 verwundet, 14 vermisst; Pferde - 1 tot." Meldung des I. Bataillons, 31. Mai

"Verluste II. Bataillon seit 23. 5.: Leutnant Riepold tot, Leutnant Müller, Leutnant Hoffmann, Leutnant Wittenberger leicht verwundet; Unteroffiziere - 5 tot, 16 verwundet; Mannschaften - 71 tot, 205 verwundet, 85 vermisst." Meldung des II. Bataillons, 28. Mai

"Verluste III. Bataillon am 23., 24. und 25. 5. 16: 9. Kompanie - Leutnant Schmidt vermisst; Unteroffiziere und Mannschaften gefallen, verwundet und vermisst etwa 150 Mann. 10. Kompanie - Hauptmann Hierl gefallen, Leutnant Fiedler gefallen; gefallen, verwundet und vermisst etwa 140 Unteroffiziere und Mannschaften. 11. Kompanie - Leutnant Schiedermeir gefallen, Leutnant Knabe gefallen, Oberleutnant Winter leicht verwundet; gefallen, verwundet und vermisst etwa 130 Unteroffiziere und Mannschaften. 12. Kompanie - Oberleutnant Reiser gefallen, Leutnant Hörchner gefallen, Leutnant Hausladen gefallen; 1 Unteroffizier, 2 Mann gefallen, 3 Mann schwer verwundet, 12 Mann leicht verwundet, 3 Mann vermisst. Das Bataillon bittet um Ersatz von 10 Offizieren, 440 Unteroffizieren und Mannschaften." Meldung des III. Bataillons, 26. Mai

"Verluste MG-Kompanie: 1 Vizefeldwebel schwer verwundet, 1 Unteroffizier schwer verwundet, 2 Mann tot, 20 Mann verwundet, 1 Mann vermisst." Gefechtsbericht der MG-Kompanie, 23. - 25. Mai

"Verlustliste 15. Infanterie-Regiment vom 21. bis 31. 5. 16: Offiziere - 9 tot, 8 verwundet, 2 vermisst; Mannschaften - 198 tot, 825 verwundet, 81 vermisst." Meldung des Regiments, 31. Mai

"Ja, wie sie dalagen, den Fuß weg, Arme weg, ganz zerfetzt. Gott, das war furchtbar." Brief von Franz Winhard

Durst

Alles, was die Soldaten an der Front zum Leben und Kämpfen brauchen, muss durch das zerschossene, schlammige Gelände herangeschleppt werden. Tagsüber ist jede Bewegung lebensgefährlich, die Artillerie jagt selbst einzelne Soldaten mit Granaten. Die Männer verkriechen sich, so gut es geht. Nachts stolpern schwer bepackte Trägertrupps nach vorne. Die Franzosen beschießen ständig die Wege, viele Träger fallen. Den Frontkompanien mangelt es vor allem an Wasser.

"Es wird dringend um Wasser gebeten für das II. Bataillon." Meldung des II. Bataillons, 24. Mai

"Das I. Bataillon lässt durch 40 Mann mit je vier Feldkesseln Wasser für das II. Bataillon in das Fort Douaumont vorbringen." Befehl des Regiments, 24. Mai

"Das III. Bataillon schickt 50 Leute mit je vier Feldkesseln voll Wasser in das Fort." Befehl des Regiments, 24. Mai

"Es wird gebeten, täglich für acht Kompanien zu durchschnittlich 150 Mann Verpflegung und möglichst reichlich Wasser durch Bereitschaftsbataillon besorgen zu lassen. Für heute wurden bisher gebracht: 257 Kistchen Zwieback, 287 Büchsen Fleischkonserven, 8 Laibe Brot, 19 Pakete Gemüsekonserven." Meldung des I. Bataillons, 24. Mai

"Für 1000 Mann Wasser zu bringen, wird immer auf Schwierigkeiten stoßen." Meldung des Regiments, 25. Mai

"Für morgen ist Verpflegung und Wasser dringend benötigt, da die Leute seit zwei Tagen Wasser nicht mehr erhalten haben. Die vorne eingesetzten Kompanien benötigen täglich 700 Liter Trinkwasser." Meldung des I. Bataillons, 25. Mai

"Dann wurde es heiß, und Durst und Hunger fingen an, uns furchtbar zu plagen; Gott, was hätte ich für eine Halbe Bier, für ein Tröpflein Wasser, für das gräulichste Schmutzwasser gegeben. Da dachte ich so lebhaft an Jettis Pfannenkuchen mit Marmelade und die gute Limonade. Wir krochen heraus, sobald es dunkel war, suchten die Feldflaschen der Toten zu bekommen. Wir gruben in die Granatlöcher, ob nicht ein wenig Schlammwasser darinnen wäre. Mit welcher Begier tranken wir den Schlamm, der von Leichen nur so roch." Brief von Franz Winhard

"An Feldflaschen wurden dem Regiment 2000 zugewiesen. Jeder Mann wurde mit einer zweiten Feldflasche ausgestattet." Meldung des I. Bataillons, 29. Mai

"Das Verpflegungskommando der 9. und 10. Kompanie geriet unterwegs in heftiges feindliches Artilleriefeuer und erlitt schwere Verluste; es kam daher nur ein Teil der Verpflegung im Fort an." Kriegstagebuch des II. Bataillons, 29. Mai

"Dem Trägerkommando müssen stets ein Krankenträger und vier Mann angehören, die im Falle der Verwundung eines Trägers dessen Last ins Fort schaffen." Befehl des Regiments, 2. Juni

Feuer

Verdun ist eine Artillerieschlacht. Fast pausenlos toben die Geschütze. Der Lärm auf dem Schlachtfeld ist infernalisch, Granatsplitter zerreißen die Körper der Soldaten, der Luftdruck der Explosionen lässt ihre Lungen platzen. Die Propaganda nährt später den Mythos vom Verdun-Kämpfer, dem Infanteristen im Schützengraben mit Stahlhelm, Handgranate und hartem Blick. Doch die wahren Herrscher über die Trichterfelder sind die Artillerie-Beobachter, die mit ihren Ferngläsern in Fesselballons, in Flugzeugen und auf den Anhöhen sitzen und den Orkan der Geschosse lenken.

Störungsfeuer soll den Gegner zermürben. Vor Sturmangriffen wird stundenlang Trommelfeuer geschossen, um die feindlichen Gräben und die Truppen darin zu vernichten. Sperrfeuer zerhackt die Wellen der angreifenden Soldaten und schneidet die vorne liegenden Kompanien über Tage hinweg von Nachschub und Verstärkung ab. Soldaten, die an die Front gehen, Verwundete, die sich durch den Dreck zurückschleppen, Kranken- und Essensträger müssen oft durch zwei oder drei tödliche Sperrfeuerriegel.

"Um das lange Ausharren in schwerem feindlichen Feuer, das als das Ärgste empfunden wurde, zu erleichtern, wird das Verstopfen der Ohren mit Watte empfohlen." Anweisung der Division, 13. Mai

"In den Morgenstunden des 26. 5. erreichte das Feuer die denkbar größte Stärke. Um 8.00 Uhr war ich mit 9 Mann die einzige Besatzung in der Stellung. Die Stellung war völlig eingeebnet. Den ganzen Tag herrschte heftiges Feuer schweren Kalibers. In den Nachmittagsstunden beschoss die feindliche Artillerie planmäßig das Feld, um die Trichter einzuebnen." Gefechtsbericht von Leutnant Karl Hartwich, 9. Kompanie, 27. Mai

"Ein Trommelfeuer ging auf uns los, dass es einen von einem Loch ins andere riss. Tag und Nacht Granatfeuer, oft dass es in der Sekunde 10 - 20 Geschosse heranhagelte, uns verschüttete und wieder aufgrub. Unser Leutnant hat geweint wie ein Kind." Brief von Franz Winhard

"Um 4.00 Uhr setzte plötzlich das heftigste Trommelfeuer ein. Der Graben wurde vollständig eingeebnet, ein großer Teil der Kompanie verwundet, die übrigen immer wieder verschüttet, so dass sie zuletzt kaum noch die Kraft hatten, sich gegenseitig auszugraben." Gefechtsbericht des III. Bataillons, 29. Mai

Tod III

Was es heißt, in den mörderischen Sturm des Sperrfeuers zu geraten, müssen die 2. und 3. Kompanie des Regiments erfahren. Sie erhalten am 24. Mai, ihrem ersten Einsatztag, den Befehl, südöstlich des Forts Douaumont eine Lücke in der Front zu schließen. Die Soldaten, insgesamt wohl etwa 260 Mann, marschieren los, Hornist und Trommler vorneweg. Die Männer verirren sich bei Tageslicht in dem unbekannten und unübersichtlichen Gelände. Sie werden entdeckt und zunächst durch französisches, später auch fehlgeleitetes deutsches Artilleriefeuer aufgerieben, bevor sie die vorderen Stellungen überhaupt erreicht haben.

"Um 13.00 Uhr erreichte die 2. und 3. Kompanie Befehl, in die Hassoule-Schlucht abzurücken. Dort erhielten sie Befehl, östlich an Fort Douaumont vorbei vorzustoßen und eine Lücke am westlichen Rand des Caillette-Waldes auszufüllen." Kriegstagebuch des I. Bataillons, 24. Mai

"Die Kompanien marschierten durch die Hassoule-Schlucht. Feindliche Flieger in sehr geringer Höhe haben die Bewegung erkannt, daraufhin erfolgte äußerst heftiges Sperrfeuer auf die Schlucht, wobei die Kompanien bereits Verluste erlitten. Bis hierher stand ein Unteroffizier als Führer zur Verfügung." Gefechtsbericht von Leutnant Alphons Lau, 3. Kompanie, 30. Mai

"Orientierung im Gelände äußerst schwierig. Verlässliche Führer sind sehr wichtig, da Verlaufen sonst unvermeidlich." Bericht des Regiments über die "Erfahrungen aus den Kämpfen um Verdun", 28. August

"Infolge Unkenntnis des Geländes wurde der Hardaumont-Wald als der Caillette-Wald angesehen. Noch vor Erreichen der Höhe östlich des Forts setzte das feindliche Sperrfeuer mit äußerster Heftigkeit ein. Trotz der schweren Verluste stürmte die 3. Kompanie vor, so dass der linke Flügel die erste deutsche Linie erreichte. Der Führer des Zuges stellte sich dort mit acht Mann sofort zu weiterem Angriffe zur Verfügung. Am rechten Flügel erkannte der Führer der zweiten Welle, dass die Kompanie in falscher Richtung das Angriffsziel suchte. Im heftigen feindlichen Feuer stürmte der rechte Flügel durch die Mulde südöstlich des Forts und kam äußerst geschwächt bis circa 60 Meter vor den Gegner. Ein Versuch, mit dem Rest von 15 Mann vorzustoßen, wurde durch eigenes Sperrfeuer und die durch dasselbe erlittenen Verluste unmöglich gemacht." Gefechtsbericht von Leutnant Lau, 30. Mai

"Sperrfeuerzonen rasch durchschreiten, nicht liegen bleiben und abwarten wollen, bis Feuer nachlässt." Bericht des Regiments über die "Erfahrungen aus den Kämpfen um Verdun", 28. August

Die preußischen Soldaten, denen sich die Bayern anschließen sollten, schauen dem Totentanz eher wütend als mitleidig zu. Später beklagen sie sich über das "feueranziehende Verhalten" der Bayern und schicken die Überlebenden wieder weg.

"Um 2.00 Uhr erhielt der Führer der rechten Teile der Kompanien Befehl, zurückzugehen und die bayerischen Kompanien in der Kasematten-Schlucht zu sammeln, da für diese keine Verpflegung zur Verfügung stand, zudem mit den wenigen Leuten ein weiterer Auftrag nicht mehr durchgeführt werden konnte. Um 5.00 Uhr ging auch dieser Teil der Kompanien in die Hassoule-Schlucht zurück, nachdem schon der linke Teil zurückbefohlen worden und dort eingetroffen war. Verluste: 2. Kompanie - 2 Offiziere, 64 Unteroffiziere und Mannschaften; 3. Kompanie - 2 Offiziere, 94 Unteroffiziere und Mannschaften." Gefechtsbericht von Leutnant Lau, 30. Mai

"Zu 2. und 3. Kompanie fehlt seit gestern Morgen jegliche Verbindung, alles Suchen blieb ergebnislos." Meldung des I. Bataillons, 25. Mai

Irgendwann am Abend des 25. Mai erreicht eine auf einen Notizzettel gekritzelte Meldung das Regiment. Sie stammt von Leutnant Gottlob Müller, Zugführer in der 3. Kompanie, gerade 21 Jahre alt. Von den beiden Kompanien, so berichtet er, sind nur noch Reste übrig.

"2. und 3. Kompanie hat sich am Hang der Hassoule-Schlucht bereitgestellt. Bis jetzt hat das gemeinsame Sammeln 96 Mann ergeben. Es sind drei Züge formiert. Müller."

Schmerz

Die Toten sind tot. Hitze, Durst und Granaten können ihnen nichts mehr anhaben. Schrecklich ist dagegen vor Verdun das Los der Verwundeten. Es ist fast unmöglich, sie zu bergen, sie quälen sich zu Tode, verbluten in Granatlöchern oder ertrinken, wenn es regnet, im Schlamm. Zu der bayerischen Division gehört die Sanitätskompanie 2, deren Krankenträger jeden Tag versuchen, wenigstens einige Verwundete von der Front zum Verbandsplatz im Fort Douaumont und dann weiter nach hinten zu schaffen.

"Wer verwundet ist, soll das Bewusstsein haben, dass alles Menschenmögliche getan wird, um ihn zurückzubringen." Bericht des Regiments über die "Erfahrungen aus den Kämpfen um Verdun", 28. August

"Die Schmerzensrufe und das Gestöhne der Verwundeten, die elend zugrunde gehen. Wer nicht so verwundet ist, dass er allein heimspringen kann, ist verloren, an ein Zurücktragen ist nicht zu denken." Brief von Franz Winhard

"Zum Bergen zahlreicher Verwundeter aus der Gefechtslinie ins Fort erbitte ich 40 Krankenträger." Meldung aus dem Fort Douaumont, 25. Mai

"Abmarsch von 30 Tragen ins Fort Douaumont. Sie geraten in plötzlich mit unerhörter Heftigkeit einsetzendes Sperrfeuer französischer Artillerie. Ein Mann der Kompanie fällt, fünf werden schwer, vier leicht verwundet. Die übrigen bewerkstelligen danach den Abtransport der Verwundeten. Je vier Mann tragen auf den Schultern einen Verwundeten durch vollständig durch Granaten aufgepflügtes Gelände, dessen zäher Lehmboden durch den Regen nur äußerst mühevoll zu passieren ist." Kriegstagebuch der Sanitätskompanie 2, 26. Mai

"Die Bergung der Verwundeten stößt leider auf große Schwierigkeiten. Bei Tag war sie bisher wegen des feindlichen Feuers - MG schießen auf jeden einzelnen Mann, der sich zeigt - unmöglich, bei Nacht dadurch sehr erschwert, dass die Verwundeten in den vielen Trichtern zerstreut liegen und nur schwer gefunden werden." Kriegstagebuch des Regiments, 27. Mai

"Da schlagen die Granaten mitten in die Reihe, die Hälfte verschüttet, zerrissen. Noch stehen röchelnde Köpfe heraus, und auf die musst du treten. ,Hilfe! Sanitäter!' Aber keiner hilft, kann helfen." Brief von Franz Winhard

"Es liegen noch Verwundete vom 24. 5. im Freien, die bisher nicht aufgefunden worden sind. Verstärkung des Sanitätspersonals, das zum großen Teil gefallen oder verwundet ist, ist dringend notwendig." Meldung des I. Bataillons, 27. Mai

"Verluste 23. 5 - 14. 6.: Unteroffiziere und Mannschaften: 6 tot, 35 verwundet." Verlustliste der Sanitätskompanie 2

"Das 15. Infanterie-Regiment fordert einen Ersatz von einem Sanitätsunteroffizier und 20 ausgebildeten Krankenträgern mit vollkommener Ausrüstung an." Meldung des Regiments, 1. Juni

Ersatz

Ende Mai bekommt das Regiment den ersten Ersatz. Doch die wenigen Rekruten reichen längst nicht. Nach einer Woche an der Front brauchen die Kompanien mehr als 1200 Mann, um ihre dezimierten Reihen aufzufüllen.

"Das Regiment schickt morgen einen Offizier zur Übernahme von 245 Rekruten." Befehl der Division, 29. Mai

"Nachts treffen 80 Rekruten ein (9. Kompanie und 10. Kompanie je 10, 11. Kompanie 20), hiervon müssen 40 sofort für Transportkommando und Krankenträgerkommando abgestellt werden." Kriegstagebuch des III. Bataillons, 30. Mai

"Zur Erhaltung des Regiments auf der planmäßigen Stärke werden für die nächsten fünf Tage an Ersatz angefordert: 15 Offiziere, 20 Unteroffiziere, 1200 Mannschaften." Meldung des Regiments, 31. Mai

Kreuze

Das 15. Infanterie-Regiment ist noch bis Mitte Juli 1916 bei Verdun im Einsatz. Schritt für Schritt kämpft es sich in diesen Tagen südlich des Forts Douaumont vorwärts. Immer wieder greifen die Kompanien an, immer wieder werden die Toten und Verwundeten ersetzt. Einige Offiziere erleiden Nervenzusammenbrüche. Am Ende hat das Regiment 2555 Soldaten verloren, zwei Mann für jeden Meter, den es vorangekommen ist. Für die Generäle sind die hohen Verluste ein Beleg für den Schneid der Truppe. Die Überlebenden erhalten Orden aus schwarzem Blech.

"Im Namen Seiner Majestät des Kaisers verleihe ich dem 15. Infanterie-Regiment 50 Eiserne Kreuze 2. Klasse, die sofort an Unteroffiziere und Mannschaften, die sich in den letzten schweren Kämpfen ausgezeichnet haben, zu verleihen sind." Befehl von General Oskar von Xylander, I. Bayerisches Armeekorps, 14. Juni

"Im Namen Seiner Majestät des Kaisers verleihe ich dem 15. Infanterie-Regiment 100 Eiserne Kreuze 2. Klasse." Befehl von General von Xylander, 5. Juli

"Im Namen Seiner Majestät des Kaisers verleihe ich dem 15. Infanterie-Regiment 70 Eiserne Kreuze 2. Klasse." Befehl von General von Xylander, 18. Juli

"Die schweren Tage bei Douaumont wurden durch den unübertrefflichen Angriffsdrang des 15. Infanterie-Regiments zu einem Gewinn für uns." Tagesbefehl von General Ewald von Lochow, Kommandeur der Angriffsgruppe Ost, 15. Juli

Epilog

Von den vielen sinnlosen Schlachten des Ersten Weltkriegs war Verdun vielleicht die sinnloseste. Die alte Festungsstadt an der Maas hatte einen klangvollen Namen, in einem modernen Stellungskrieg aber war ihr strategischer Wert gering. Militärisch gesehen, gab es dort für die Deutschen nichts zu gewinnen und für die Franzosen nichts zu verlieren, was den furchtbaren Preis gerechtfertigt hätte, den Angreifer und Verteidiger bezahlten. Als die Schlacht im Dezember 1916 endete, waren etwa 300 000 Deutsche und Franzosen tot, Hunderttausende mehr an Leib und Seele verwundet. Ein Großteil des Geländes, das die deutschen Truppen eingenommen hatten, darunter das Fort Douaumont, hatten die Franzosen längst wieder zurückerobert.

"Ich könnte noch unendlich viel erzählen, spare es mir aber auf, bis ich heimkomme." Brief von Franz Winhard

Franz Winhard kam nicht heim aus Verdun. Er fiel am 11. Juli 1916. In der Personalakte des Regiments wurde sein Name durchgestrichen. Ein Beamter schrieb Datum, Zeit und Ort des Todes dazu sowie den Nachsatz: "Wurde nicht beerdigt."

Die Zitate aus den Akten wurden nur leicht bearbeitet, um sie lesbarer und verständlicher zu machen. So wurden zum Beispiel viele der militärtypischen Abkürzungen ausgeschrieben (Kompanien statt "Kpnien") und die Zeitangaben sowie einige Wörter der heutigen Schreibweise angepasst (15.15 Uhr statt "3 h 15 Nachm.", dass statt "daß").