Tod von Benno Ohnesorg Auch Horst Mahler war IM

Am Tatort, Krumme Straße, Berlin-Charlottenburg, wo er Ohnesorg erschossen hatte, gab es keine ordentliche Spurensicherung. Beweismittel verschwanden, das Pistolenmagazin des Schützen wurde sofort ausgetauscht. Zweimal stand der Schütze vor Gericht. Nicht wegen Mordes, nicht wegen Totschlags, sondern wegen fahrlässiger Tötung. Zweimal wurde er freigesprochen. Wichtige Indizien blieben unbeachtet. Zeugen wurden nicht befragt, Beweismittel nicht zugelassen oder sie verschwanden.

Man muss schon fragen, ob das Verschwinden der Beweismittel und die merkwürdigen Zeugenaussagen anderer Polizisten alles Zufälle waren", sagte Otto Schily, der einst im Kurras-Prozess Ohnesorgs Vater als Nebenkläger vertrat. Das Mandat hatte ihm damals der heutige Rechtsextremist Horst Mahler vermittelt.

Im Zuge der neuen Ermittlungen stellte sich heraus, dass Mahler ebenso wie Kurras Inoffizieller Mitarbeiter der Stasi war. Drei Jahre nur, aber immerhin. Andererseits: Was war Mahler in seinem Leben nicht? Er war SPD-Mitglied, DDR-Sympathisant, erst RAF-Mitglied, dann RAF-Renegat, Maoist, Liberaler, Deutschnationaler, und derzeit sitzt er in München wegen Volksverhetzung ein.

Er ging Zickzack wie der Polizist Kurras, der früher immer den Anti-Kommunisten gemimt hatte. Die Strafverfolger haben jetzt Zeugen vernommen, die Kurras belasten.

Eine aus der früheren Tschechoslowakei stammende Hauswartsfrau sagte aus, Kurras habe ihr mal die Situation beschrieben, in der er Ohnesorg erschossen hatte: Er habe seine Waffe gezogen und auf dessen Hinterkopf gezielt und abgedrückt. Alte TV-Aufnahmen, die neu analysiert wurden, zeigen eine männliche Person, die sich unbedrängt mit einer Waffe in der Hand Ohnesorg nähert. Kurras' Behauptung, er habe in Notwehr geschossen, gilt als widerlegt.

Im Berliner Landesarchiv entdeckten die Ermittler Aussagen von Zeugen, die einst Kurras belastet hatten, aber in beiden Prozessen spielten ihre Aussagen keine Rolle.

Warum verschwand die Akte?

Trotz neuer Indizien und neuer Ermittlungen ist es ungewiss, ob dem Todesschützen wirklich noch einmal der Prozess gemacht wird. Ob er verhandlungsfähig wäre, stünde dahin. Wichtiger noch: Die alten Verfahren gegen ihn waren damals rechtskräftig abgeschlossen worden. Der sogenannte Strafklageverbrauch schützt ihn weitgehend in der alten Sache. Dass die Stasi ihm einen Mordauftrag erteilt haben könnte, ist nach Aktenlage auszuschließen.

Etwas anders verhält es sich mit dem Vorwurf des Landesverrats. Zwar wurde der Agent Stasi-intern abgeschaltet, aber im Jahr 1987 legte das Ministerium für Staatssicherheit dann eine neue Akte für Kurras mit dem Titel "Vorstoß" an. Generalleutnant Gerhard Neiber, der Stellvertreter Erich Mielkes war, hatte "aus operativen Gründen/Interesse" einen "Sicherungsvorgang angeordnet", den er dann im Februar 1989 dem früheren Führungsoffizier von Kurras übergab.

Die Akte wurde im November 1989 mit dem Vermerk "Wegfall der operativen Gründe" vernichtet. Die operativen Gründe sind nicht klar. Neiber starb 2008. Hat Kurras noch so spät Geheimnisse verraten, oder war es der Stasi peinlich, den Verräter Kurras eingesetzt zu haben?