In Deutschland ist eine zweite Anklage zu den Terroranschlägen vom 11. September erhoben worden. Unter Verdacht steht in Abdelghani Mzoudi wieder ein Student aus der Hamburger Gruppe um den mutmaßlichen Todespiloten Atta.
Der 30 Jahre alte marokkanische Staatsangehörige Abdelghani Mzoudi soll sich der Anklage zufolge wegen Beihilfe zu 3066 Morden vom 11. September 2001 in den USA und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verantworten.
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Der Beschuldigte ist nach dem bereits verurteilten Mounir El Motassadeq der zweite Hamburger Student, der sich wegen der Anschläge von New York, Washington und Pennsylvania in Deutschland verantworten muss.
"Bis zuletzt in Vorbereitungen eingebunden"
Die Anklage gegen Mzoudi wurde nach Angaben der Bundesanwaltschaft am Freitag vor dem Oberlandesgericht Hamburg erhoben. Dieses muss nun über die Eröffnung des Hauptverfahrens entscheiden. Vor dem selben Gericht war Motassadeq im Februar 2003 ebenfalls wegen der Taten vom 11. September zu 15 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden.
Die Ermittlungen ergaben laut Bundesanwaltschaft, dass Mzoudi nicht nur engen Kontakt zu der Hamburger Zelle um Atta hatte, sondern der islamistisch-terroristischen Vereinigung selbst angehörte.
Bis zuletzt soll Mzoudi in die Attentatsvorbereitungen eingebunden gewesen sein.
Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe geht von folgendem Ablauf aus: Die Hamburger Zellenmitglieder sollen sich spätestens im Frühsommer 1999 zu den Anschlägen gegen Amerika entschlossen und den Plan entwickelt haben, Flugzeuge zu entführen und damit Tausende zu töten.
Im November 1999 begaben sich laut Ermittlungen dann die späteren Todespiloten Mohamed Atta, Marwan Alshehhi und Ziad Jarrah in das Ausbildungslager der Al Qaida nach Afghanistan.
Abstimmung mit bin Laden
Ebenfalls dabei war der zwischenzeitlich in Pakistan festgenommene Ramzi Binalshibh. Die zweite Gruppe der Hamburger Zelle folgte demnach ab Frühjahr 2000 mit Mzoudi, dem nunmehr flüchtigen Zakariya Essabar und dem inzwischen verurteilten Motassadeq.
Bei dem Aufenthalt hätten die Gruppenmitglieder die Anschläge mit Osama bin Laden und dessen Gefolgsleuten abgestimmt.
Nach Rückkehr aus Afghanistan reisten die späteren Todespiloten Atta, Jarrah und Alshehhi laut Anklage zur Flugausbildung nach Florida. Der ursprüngliche Plan, Ramzi Binalshibh zum vierten Piloten ausbilden zu lassen, scheiterte wegen Verweigerung des Visums, auch Zakariya Essabar wurde die Einreise in die USA verwehrt.
Zimmer besorgt
Mzoudi habe Essabar seine Kreditkarte und Pin-Nummer zur Verfügung gestellt, damit er sich von seinem Konto das Geld für die geplante Pilotenausbildung überweisen konnte.
Weiter soll Mzoudi den Mitstudenten Alshehhi und Binalshibh ein Zimmer in einem Studentenwohnheim besorgt haben, in dem sie sich bis zum geplanten Abflug Ende Mai 2000 in die USA unbemerkt aufhalten konnten.
Nach Abschluss der Flugausbildung seien die Attentate zwischen den Gruppenmitgliedern in den USA und Deutschland koordiniert worden, ermittelte die Bundesanwaltschaft.
Seit Anfang 2000 hätten Atta und Alshehhi die Wohnadresse Marienstraße 54 in Hamburg verwendet. Dort wohnte der jetzt angeklagte Mzoudi.
Die Ermittlungen gegen Mzoudi begannen bereits im Oktober 2001. Auf Grund umfangreicher Ermittlungen und der Zeugenaussage über den Aufenthalt Mzoudis in Afghanistan wurden ein Jahr später Haftbefehl erlassen und der Beschuldigte in Untersuchungshaft genommen.
Der Haftbefehl hatte aber zunächst nur auf Unterstützung einer terroristischen Vereinigung gelautet.
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(sueddeutsche.de/AP)