Ermittlungen gegen Zwickauer Terrorzelle Brisante Funde

Die Geschichte der Beate Zschäpe, die in dem Papier auf Grundlage von 17 Sachakten ausgebreitet wird, ist in wichtigen Details neu. Bislang war nur bekannt, dass sie die Garage in Jena angemietet hatte, in der Mundlos und Böhnhardt Ende 1997 vier Rohrbomben bauten. In einem Gutachten des Landeskriminalamts Thüringen steht nicht nur, dass in der Bomben-Werkstatt Zigarettenreste gefunden wurden, die von Zschäpe stammen. In der Garage wurde auch eine Diskette entdeckt, auf der über ein "Türkenschwein", das "heut noch stirbt - so ein Pech", hergezogen wird: "Alidrecksau, wir hassen dich." Auf einer im Schutt des Zwickauer Hauses gefundenen Festplatte waren Ausschnitte eines Bekenner-Videos in ähnlicher Diktion: "Ali muss weg." In Zschäpes Wohnung fanden die Ermittler auch das Brettspiel "Pogromly" mit "SS"-Feldern und antisemitischen Spielkarten.

Die Ermittler folgern, das Trio sei Ende Januar 1998 nicht nur untergetaucht, um sich einer Verhaftung zu entziehen, sondern um eine Organisation im Untergrund zu bilden, die "organisiert ideologisch motivierte Mordtaten" begehen sollte, um ein "Klima der Angst" für Ausländer zu schaffen.

Der Beschuldigte Holger G., der ebenfalls in Untersuchungshaft sitzt, sagte aus, es habe Diskussionen mit "den dreien" im Untergrund gegeben, und diese hätten erklärt, "mehr zu machen". Das Trio habe sich bewaffnen wollen - also nicht nur die Männer. Die Bundesanwaltschaft geht von einer "Gruppenideologie" aus und sieht eine "hohe Wahrscheinlichkeit", dass Zschäpe gemeinsam mit Mundlos und Böhnhardt die terroristische Vereinigung "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) gegründet hat. Aus dem Umstand, dass sie all die Jahre im Untergrund dabeigeblieben ist, obwohl ihr eigenes Ermittlungsverfahren bereits im Juni 2003 wegen Verjährung eingestellt worden war, schließen die Ermittler, dass die 36-Jährige weiterhin die Ziele der NSU verfolgt habe. Obwohl ihr keine Strafverfolgung mehr drohte, habe sie bis zuletzt im Untergrund "mindestens neun Aliaspersonalien" gehabt.

Das Papier der Ermittler liefert auch einen Einblick in das letzte Heim der Terrorbande in der Zwickauer Frühlingsstraße. Bei der Untersuchung der Wohnungen wurden Bewegungsmelder mit Beleuchtung vor der Keller- und der Haustür entdeckt, in einem Blumenkasten in der Küche war eine Überwachungskamera versteckt. Zwei weitere Kameras waren in der Wohnung, in der eine Maschinenpistole und ein Repetiergewehr mit abgeschnittenem Schaft griffbereit gewesen sein sollen.

Nach dem Tod der beiden Killer und nach dem Brand soll Zschäpe die Bekenner-Videos verschickt haben. Die Ermittler rekonstruierten, dass die Umschläge zwischen dem 5. und dem 6. November in Chemnitz, Leipzig und Eisenach eingesteckt wurden. An diesen Tagen war Zschäpe in diesen Städten. Die Ermittler sehen in den Videos "den letzten propagandistischen Akt der NSU". Auf allen Briefsendungen klebte eine Gedenkmarke "1100 Jahre Limburg a. d. Lahn". Die Terroristen der Roten Armee Fraktion frankierten ihre Post immer mit Briefmarken, die Frauenmotive zeigten.