Dieses Kürzel war Vorschrift bei Feldpost, damit abgefangene Briefe feindlichen Truppen nicht verrieten, wo die Einheit stationiert war. Als derzeitigen Wohnsitz gab er den "Standort Lublin" an. All das bedeutet: Steidtmann war an diesem 31. Oktober vermutlich nicht im Urlaub.

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Wo er sich drei Tage später aufhielt, wird nun zu klären sein. Der Historiker Christopher R. Browning sagte dazu auf Nachfrage, es sei "vollkommen unglaubhaft, dass der Führer einer Kompanie in Lublin drei Tage vor dem 'Erntefest' abreisen sollte, gerade als seine Kompanie sich aufmachte, an einem großen Einsatz teilzunehmen."

Auf der Suche nach Zeugen

All dem wird die Staatsanwaltschaft Hannover in den kommenden Wochen auf den Grund gehen, jedenfalls so weit dies heute noch möglich ist. In jedem Fall aber wird sie Erich Steidtmann befragen lassen und versuchen, noch lebende Zeugen ausfindig zu machen.

Auch Steidtmanns Rolle im Warschauer Ghetto wird wohl noch einmal genauer untersucht werden. Er hatte 1963 in seiner ersten Befragung zu Protokoll gegeben, er habe sich dort "als Stoßtruppführer zur Ausräucherung und Einzelliquidierung von Widerstandsnestern freiwillig gemeldet".

Es könnte also zu einem weiteren Kriegsverbrecherprozess in Deutschland kommen. Zuletzt wurde in Aachen der frühere SS-Mann Heinrich Boere, 88, zu lebenslanger Haft verurteilt. Er hatte gestanden, 1944 in den besetzten Niederlanden drei Zivilisten erschossen zu haben. In München steht derzeit John Demjanjuk, 90, vor Gericht, der im Vernichtungslager Sobibor am tausendfachen Judenmord beteiligt gewesen sein soll. Auch gegen Zeugen aus diesem Prozess, wie der Angeklagte mutmaßliche Wachmänner, wird derzeit ermittelt.

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  1. Ein verhängnisvoller Brief
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(SZ vom 22.04.2010/pfau)