Der Verband macht sich nicht einmal die Mühe, seine eigentlichen Absichten zu kaschieren. Würde die Stiftung neu besetzt, würde die Bundesregierung ihre Kontrolle aufgeben, würde das Deutsche Historische Museum als institutionelle Mutter der Stiftung verschwinden - dann ließe sich mit dem Vertriebenen-Thema wieder ordentlich Politik machen. Nationalkonservative Politik, Entschädigungspolitik, revanchistische Politik. Schon der Vorschlag, am Tag vor den Auftakttreffen der Parteien zu Jahresbeginn gesät, entfaltet diese Wir-kung.
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Was also zu tun ist? Nichts, rein gar nichts. Die Bundesregierung muss auf den Vorschlag nicht reagieren. Denn nicht die Kanzlerin zaudert, Erika Steinbach zaudert, weil sie ihren Namen nicht zur Abstimmung vorlegen lässt. Stattdessen spricht sie von einem Kompromissvorschlag, der in Wahrheit eine politische Kriegserklärung ist. Erika Steinbach sieht, dass sie nicht vermittelbar ist, und richtet deshalb nur noch größere Zerstörung an. Die politischen Extreme in der Koalition sollen ordentlich gegeneinander in Stellung gebracht werden. Der öffentliche Vorstoß macht jede Einigung im Stillen unmöglich.
Eigentlich bedeutungslos
Wenn es aber keine Einigung gibt, was dann? Dann wird der Bund der Vertriebenen Erika Steinbach irgendwann doch noch für den Stiftungsrat nominieren. Das Bundeskabinett wird die Personalie mit den Stimmen der FDP ablehnen und damit der Union die Chance belassen, gegen die rechte Klientel das Fähnchen der Aufrechten zu schwingen. Ändern würde das nichts an der Tatsache, dass der Stiftungsrat ohne Erika Steinbach auskommen muss, notfalls ohne die Vertriebenen-Funktionäre insgesamt.
Das wird kein Schaden sein. Die eigentlich bedeutungslose Personalie beschäftigt schon viel zu lange die Politik. Die Historisierung dieser schwierigen Phase der europäischen Geschichte wird auch ohne den Funktionärs-Kader der Betroffenen gelingen. Vermutlich wird es dem Thema und der Bewahrung der Erinnerung auch an das Unrecht mehr dienen, wenn der Bund der Vertriebenen seinen überzüchteten Proporzklüngel nicht in die Arbeit der Stiftung mit einbringt. Flucht und Vertreibung lassen sich auch ohne die Steinbach'schen Gremien darstellen. Versöhnung kann nur ohne sie gelingen.
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(SZ vom 07.01.2010/jab)
Youtube-Hit aus USA
Gut, dass Frau Steinbach standhaft bleibt. In Polen wurde sie von den Medien und den Politikern zur Unperson gemacht, die sie nicht ist, um bei der Bevölkerung mit diesem Feindbild zu punkten. Jetzt müsste Polen diesen Bild von Steinbach revidieren und zugeben, dass sie ihr Unrecht getan haben. Nur so ist echte Versöhung möglich.
Was hat diese Frau schon getan? Im Bund der Vertriebenen hat sie ultrarechte Personen und Revanchisten isoliert und aus dem Bund gedrückt und mit Peter Glotz ein Zentrum gegen Vertreibungen gegründet. Sonst bleibt mir von ihrer Arbeit nichts in Erinnerung.
Schade, dass es nicht mehr Politiker gibt, die für ihre Überzeugen eintreten.
Wer sechzig Jahre lang von "Versöhnung" redet, ohne diese offensichtlich je erreicht zu haben, kann es wohl nicht so ernst meinen. Ich persönlich kann auf diesen zum hohlen Ritual verkommenen "Versöhnungsprozess" und jegliche Stiftungen zu diesem Thema, deren einziger Zweck die Selbstbeweihräucherung unserer politischen Klasse ist, gut verzichten.
Ob die deutschen Verbrechen "singulär" waren oder schlimmer oder weniger schlimm als die z.B. Ausrottung eines Drittels der Weltbevölkerung im 16. und 17. Jahrhundert, hauptsächlich durch Spanier, ist mir auch egal.
Alle, die sich hier derart ereifern, sollten sich selbst etwas weniger wichtig nehmen.
Nein, die Wahrheit an sich bleibt Wahrheit. Egal, ob sie von einer Person oder von 15 Millionen vertreten wird. Wer aber schon bei der Verkündung der eigenen Position sich auf falsche Zahlen beruft, macht sich nicht gerade glaubwürdiger.
Ich möchte trotzdem wissen, ob wir wirklich die einzigen Scheusale in der damaligen Zeit waren; wenn ja, umso schlimmer, wenn nein, wäre es an der Zeit, auch darüber zu reden. Nicht beschönigend, nicht gegenrechnend, nur der Ehrlichkeit der Diskussion wegen.
ich verstehe sehr gut, daß sie die problematik aus der heutigen sicht beurteilen, was nicht nur legitim ist, sondern wahrscheinlich sogar notwendig
akzeptieren sie aber bitte auch, wenn man eine andere, nämlich historische perspektive wählt, die dazu dient, die dinge aus ihrer zeit heraus zu verstehen bzw. verständlich zu machen
in diesem fall müßten sie sich damit auch befassen, wie die politische situation in den annektierten ländern, die konstellation der internationalen beziehungen, die erfordernisse der staatsräson im ausgehenden 18. jahrhundert in ostmitteleuropa ausgesehen hat und eben nicht mit den maßstäben des 20./21. jh. gesehen werden kann, auch wenn die annexionen aus der heutigen sicht als völkerrechtswidrig angesehen werden können
im übrigen hat man den polen nicht ihrer "identität, kultur und heimat" beraubt, denn dies wäre unter den prämissen der militärpolitik und besatzung ihrer zeit gar nicht angemessen
außerdem bitte ich sie, mich nicht falsch zu verstehen, denn ich gehöre zu den letzten, die das unrecht von ns-diktatur, krieg und gewalt durch deutsche im letzten jh. rechtfertigen oder beschönigen wollen, ebenso wenig stelle ich die folgen des krieges in frage und sehe die verantwortung für flucht und vertreibung bei den eigentlichen verursachern, zudem bin ich der ansicht, daß es geradezu ein geschenk für die deutschen zu bewerten ist, wenn sie sich heute wieder bei offenen grenzen und unter freundlichen bedingungen in ehemaligen deutschen gebieten aufhalten können und dort auch gastfreundlich behandelt werden, was ich ständig erleben darf
in dieser hinsicht unterscheiden wir uns wohl nur darin, daß ich auch menschen verstehen kann, die sich mit dem verlust von heimat nicht abfinden können, auch wenn ich keinen vertriebenenhintergrund habe
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