Erika Steinbach ist für die Versöhnung mit den östlichen Nachbarn ungeeignet. Weil sie das weiß, richtet die Präsidentin des Vertriebenen-Verbands noch größeres Ungemach an.
Erika Steinbach hat ihr wahres Gesicht gezeigt. Es gleicht kaum dem von ihr selbst und ihrem Vertriebenen-Verband modellierten Bild einer versöhnungsbereiten und vorausschauenden Funktionärin am Scharnier zwischen Geschichte und Politik.
Der Streit um ihre Nominierung für den Stiftungsrat erschwert die Versöhnungsarbeit mit Polen: BdV-Präsidentin Erika Steinbach (© Foto: dpa)
Anzeige
Zu sehen ist nun: Erika Steinbach und der Bund der Vertriebenen reißen gerade vernarbte Wunden auf, sie benutzen ein Schlüsselkapitel europäischer Geschichte für enge Vereinsinteressen. Und sie kapern den politischen Betrieb der Bundesrepublik mit einem einseitig interpretierten Thema, polarisieren die Nation mit Lust und zwingen dem Land eine Geschichtsdebatte auf, die Jahre europäischer Versöhnungspolitik beschädigt.
Die Besetzung eines Gremiums für eine Stiftung, die sich mit einem schwierigen Kapitel der deutschen und europäischen Kriegsgeschichte im Jahre 65 nach Ende dieses Krieges befassen wird, sollte eigentlich keine großen Schwierigkeiten bereiten.
In 65 Jahren vernarbt jede Wunde an einem Baum, und neue Rinde entwickelt sich. Für die Politik sind 65 Jahre eine segensreich lange Phase, weil es immer weniger unmittelbar Betroffene gibt und die verbliebenen Zeitzeugen mit dem Alter Abstand und damit hoffentlich auch Gelassenheit entwickelt haben. Historisierung ist also eine grundsätzlich positive Entwicklung, weil sie zur Befriedung beiträgt. Der Name der Stiftung - Flucht, Vertreibung, Versöhnung - steht in geradezu brillanter Klarheit und Kürze für diese Versachlichung und Entpolitisierung. Wenn da nicht der Bund der Vertriebenen wäre.
Persona non grata
Dessen Präsidentin Erika Steinbach ist für die Versöhnungsarbeit mit den osteuropäischen Nachbarn ungeeignet. Sie mag diese Wahrnehmung von sich nicht teilen, aber es ist nun einmal eine Tatsache, dass Steinbach in Polen als persona non grata angesehen wird und sie deswegen keinem Stiftungsrat angehören kann, der sich die Versöhnung mit Polen zum Ziel setzt.
Bisher war es für Erika Steinbach ebenso unumstößlich, dass sie als Vertreterin ihres Verbandes den Anspruch auf den Sitz im Stiftungsrat nicht preisgibt. Es ging dem Bund der Vertriebenen um die Person, nicht um die Sache. Nun hat sich diese Lesart geändert. Plötzlich ist die Person Steinbach doch nicht mehr wichtig, dafür stellt der Verband neue Bedingungen, die geradezu den Atem rauben. Mit Hinterlist schreibt der Bund der Vertriebenen einen Forderungskatalog, der sich an die ursprüngliche Position des nationalkonservativen Flügels der Union anlehnt.
Damit schlichtet er keinen Streit, er sät neuen. Denn dem Stiftungsgesetz liegt ein mühsam ausgehandelter Kompromiss zwischen allen politischen Lagern zugrunde - plus komplizierte Konsultationen mit den europäischen Nachbarn. All dies würde nun in Frage gestellt, ginge die Politik auf die Steinbach'schen Forderungen ein und schriebe ein neues Gesetz.
Lesen Sie weiter, was passiert, wenn der BdV Erika Steinbach doch für den Stiftungsrat nominiert.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Zoff im Bundesgerichtshof: Eine Personalie führt zu heftigen Verwerfungen – die Akte Karlsruhe. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Thema
- Erika Steinbach RSS
- Causa Erika Steinbach Verfahrene Situation 06.01.2010
- Die FDP und Erika Steinbach Das Umfaller-Gen ist noch intakt 06.01.2010
- Erika Steinbach "Das ist Erpressung" 05.01.2010
- Causa Steinbach Vertriebene bieten Verzicht an 04.01.2010
- Steuern, Steinbach, Afghanistan Neues Jahr, alte Konflikte 03.01.2010
- Vertriebenen-Stiftung Steinbach ist weg, die Probleme beginnen 19.02.2010
- Vertriebenenstiftung Die alte Schnecke Politik 11.02.2010
Lohnzettel auf Facebook
Parteispender 2010
Putin, der "Alpha-Rüde"
Politiker und ihre Pannen
Gut, dass Frau Steinbach standhaft bleibt. In Polen wurde sie von den Medien und den Politikern zur Unperson gemacht, die sie nicht ist, um bei der Bevölkerung mit diesem Feindbild zu punkten. Jetzt müsste Polen diesen Bild von Steinbach revidieren und zugeben, dass sie ihr Unrecht getan haben. Nur so ist echte Versöhung möglich.
Was hat diese Frau schon getan? Im Bund der Vertriebenen hat sie ultrarechte Personen und Revanchisten isoliert und aus dem Bund gedrückt und mit Peter Glotz ein Zentrum gegen Vertreibungen gegründet. Sonst bleibt mir von ihrer Arbeit nichts in Erinnerung.
Schade, dass es nicht mehr Politiker gibt, die für ihre Überzeugen eintreten.
Wer sechzig Jahre lang von "Versöhnung" redet, ohne diese offensichtlich je erreicht zu haben, kann es wohl nicht so ernst meinen. Ich persönlich kann auf diesen zum hohlen Ritual verkommenen "Versöhnungsprozess" und jegliche Stiftungen zu diesem Thema, deren einziger Zweck die Selbstbeweihräucherung unserer politischen Klasse ist, gut verzichten.
Ob die deutschen Verbrechen "singulär" waren oder schlimmer oder weniger schlimm als die z.B. Ausrottung eines Drittels der Weltbevölkerung im 16. und 17. Jahrhundert, hauptsächlich durch Spanier, ist mir auch egal.
Alle, die sich hier derart ereifern, sollten sich selbst etwas weniger wichtig nehmen.
Nein, die Wahrheit an sich bleibt Wahrheit. Egal, ob sie von einer Person oder von 15 Millionen vertreten wird. Wer aber schon bei der Verkündung der eigenen Position sich auf falsche Zahlen beruft, macht sich nicht gerade glaubwürdiger.
Ich möchte trotzdem wissen, ob wir wirklich die einzigen Scheusale in der damaligen Zeit waren; wenn ja, umso schlimmer, wenn nein, wäre es an der Zeit, auch darüber zu reden. Nicht beschönigend, nicht gegenrechnend, nur der Ehrlichkeit der Diskussion wegen.
ich verstehe sehr gut, daß sie die problematik aus der heutigen sicht beurteilen, was nicht nur legitim ist, sondern wahrscheinlich sogar notwendig
akzeptieren sie aber bitte auch, wenn man eine andere, nämlich historische perspektive wählt, die dazu dient, die dinge aus ihrer zeit heraus zu verstehen bzw. verständlich zu machen
in diesem fall müßten sie sich damit auch befassen, wie die politische situation in den annektierten ländern, die konstellation der internationalen beziehungen, die erfordernisse der staatsräson im ausgehenden 18. jahrhundert in ostmitteleuropa ausgesehen hat und eben nicht mit den maßstäben des 20./21. jh. gesehen werden kann, auch wenn die annexionen aus der heutigen sicht als völkerrechtswidrig angesehen werden können
im übrigen hat man den polen nicht ihrer "identität, kultur und heimat" beraubt, denn dies wäre unter den prämissen der militärpolitik und besatzung ihrer zeit gar nicht angemessen
außerdem bitte ich sie, mich nicht falsch zu verstehen, denn ich gehöre zu den letzten, die das unrecht von ns-diktatur, krieg und gewalt durch deutsche im letzten jh. rechtfertigen oder beschönigen wollen, ebenso wenig stelle ich die folgen des krieges in frage und sehe die verantwortung für flucht und vertreibung bei den eigentlichen verursachern, zudem bin ich der ansicht, daß es geradezu ein geschenk für die deutschen zu bewerten ist, wenn sie sich heute wieder bei offenen grenzen und unter freundlichen bedingungen in ehemaligen deutschen gebieten aufhalten können und dort auch gastfreundlich behandelt werden, was ich ständig erleben darf
in dieser hinsicht unterscheiden wir uns wohl nur darin, daß ich auch menschen verstehen kann, die sich mit dem verlust von heimat nicht abfinden können, auch wenn ich keinen vertriebenenhintergrund habe
Paging