Noch mehr Geld für Afrika? Warum die westliche Hilfsindustrie oft die Bedürftigen nicht erreicht und manche Länder sogar lähmt.
Wenn es zu schwierig wird, sucht man gerne nach schlichten Lösungen. Ein schönes Beispiel dafür ist das Thema Entwicklungshilfe und Afrika. Da gibt es Musiker wie Bono oder Bob Geldof, die einfach viel mehr Geld für den Kontinent fordern, dann würde alles besser werden.
Die effizienteste Hilfe ist immer noch die Wirtschaftsförderung. Eine neu errichtete Fabrik beseitigt die Armut weit schneller als das zehnte Brunnenprojekt. (© Foto: AFP)
Anzeige
Und da gibt es die, die aus leidvoller Erfahrung das Ende der bisherigen Politik und eine radikale Kürzung der Zahlungen wollen. Dazu gehören Cap-Anamur-Gründer Rupert Neudeck oder der einstige deutsche Botschafter in mehreren afrikanischen Ländern, Volker Seitz. Die sagen: Schluss mit der Forderung nach mehr Entwicklungshilfe. Bringt in der jetzigen Form eh nichts.
Beide Positionen zeigen lediglich, dass mit der Entwicklungshilfe etwas im Argen liegt. Die Zahlen sind ja auch ernüchternd. Es wird geschätzt, dass in den vergangenen 50 Jahren rund eine Billion US-Dollar vom Norden in den armen Süden geflossen sind, der allergrößte Teil davon nach Afrika. Dennoch geht es den meisten Ländern südlich der Sahara heute schlechter als zu Beginn der Unabhängigkeit. 30 der 39 ärmsten Staaten der Welt liegen in Afrika, die Lebenserwartung der Menschen sinkt, und das tägliche Pro-Kopf-Einkommen liegt heute ebenfalls deutlich niedriger als noch vor einem halben Jahrhundert.
Doch auch an diesen Zahlen scheiden sich die Geister. Die einen sagen, es wurde eben mit viel zu wenig Geld geholfen, die anderen legen Studien vor, die nachweisen sollen, dass ausgerechnet die Länder am ärmsten dran sind, die die meiste Entwicklungshilfe bekommen haben. Und der Grund dafür sei einfach: Wer es gewohnt ist, Hilfe von außen zu bekommen, werde keine Eigeninitiative zeigen, sich selbst zu helfen.
Die interessanteste Kritik an der westlichen Hilfsindustrie aber kommt seit Jahren von Afrikanern. Intellektuelle wie Axelle Kabou, George Ayittey oder Andrew Mwenga haben immer wieder die größten Fehler benannt: Die Entwicklungshilfe setzt viel zu oft an den falschen Stellen an.
Wer auf staatlicher Ebene in Kenia, im Kongo oder in Angola die Zusammenarbeit koordinieren muss, braucht sich nicht zu wundern, wenn ein Großteil des Geldes durch korrupte Regierungen verschwindet. Wer glaubt, von außen den Herrschern befehlen zu können, was sie mit dem Geld machen sollen, wird ebenso schnell an seine Grenzen stoßen. Und blickt man auf die Landkarte, dann wird man nur wenige Staaten wie zum Beispiel Botswana entdecken, die sich wirklich um das Wohl aller Bürger kümmern.
Die effizienteste Hilfe ist immer noch die Wirtschaftsförderung. Eine neu errichtete Zuckerfabrik in Mosambik beseitigt die Armut weit schneller als das zehnte Brunnenprojekt. Und wer möchte, dass sich eine breite Mittelschicht entwickelt, der sollte lokale Unternehmer mit Krediten fördern, anstatt den nächsten Workshop mit Regierungsmitgliedern zu organisieren. Denn nur dort, wo die Wirtschaft auf einer breiten Basis wächst, können sich die Menschen aus der Armut befreien.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Thema
- Entwicklungshilfe RSS
- Entwicklungshilfe soll umgebaut werden Niebel und der "Höllenritt" 08.03.2010
- Entwicklungshilfeministerium Niebel rekrutiert die alten Kameraden 18.02.2010
- FDP-Minister Niebel "Entwicklungsministerium kein Weltsozialamt" 04.01.2010
- Minister Dirk Niebel "Ich werde mehr tun als meine Vorgängerin" 04.12.2009
- G-8-Gipfel in Italien 20 Milliarden Dollar für arme Bauern 10.07.2009
- Entwicklungsministerium in der Kritik "Ein Armutszeugnis" 17.02.2010
- Microsoft-Gründer Gates, Berlusconi und die "Liste der Schande" 28.01.2010
(SZ vom 09.03.2010)
Welchen Vorschlag machen Sie denn ? Mit Ihrem Hinweis auf Interpol ist der Bevölkerung dort nicht geholfen !!!
Übrigens: Korruption an höchsten Stellen gibt es nicht nur in Afrika !
Und: Wenn ich schon mal Fleisch esse, dann aus regionaler Produktion mit Futtermitteln aus der Region !
Afrika hat wenig - aber offenbar genug Geld für Kriege: 211 Milliarden Euro haben bewaffnete Konflikte einer Studie zufolge von 1990 bis 2005 gekostet, 23 von 53 Staaten waren darin verwickelt. Etwa die gleiche Summe ging in dieser Zeit an Entwicklungshilfe an Regierungen auf dem Kontinent (Quelle: Der Spiegel). Anders ausgedrückt: Die Entwicklungshilfe "hilft" den Afrikanern bei ihrer Selbstzerstörung. Den Rest erledigen Aids und andere Seuchen. Klingt sarkastisch, ist aber leider wahr.
geflossen ,die alle in den tiefen Taschen der regierenden Kaste verschwunden sind und keinen Fortschritt fuer die leidende Bevoelkerung gebracht haben dann sollte ueberhaupt kein Geld mehr an die jeweilige Regierung geleistet werden sondern nur noch Sachleistung oder projekt-bezogene Hilfe geleistet werden.
Alles andere wird genau da versickern wo die schon gezahlte Hilfe gelandet ist.
Es gibt keinen afrikanischen Politiker der nicht im grossen Stil lebt,ein Haus in London oder Paris sein eigen nennt,Mercedes faehrt und dafuer sorgt dass seine Familie und Anhaenger gut leben waehrend die Bevoelkerung 'den Kit aus den Fenstern' kratzt.
So was bringt den Kontinent nicht vorwaerts sondern foerdert mehr Gewalt und Unruhen .
Man sollte Afrika endlich das zumuten, was man hierzulande von offizieller politischer Seite den Hartz-4-Empfängern zumutet: Fördern und Fordern.
Gefördert wurde genug, jetzt wird gefordert und zwar die bedingungslose Einhaltung der Menschenrechte. Funktioniert das nicht, so wie aktuell in Nigeria, gibt's keinen Cent.
..immer schön leihen, verleihen, Zinsen erheben, Abhängigkeiten erschaffen.
Warum Entwicklungshilfe als Kredit? Warum den armen Leuten den Aufbau nicht ermöglichen ohne dass diese alles zurückzahlen müssen?
Wenn überhaupt dann aber bitte nur mit Mikrokrediten a la Yunus. Lasst in Gottes Namen die westlichen Kredithaie von Deutsche Bank bis Goldman und wie sie alle heißen aussen vor.
Paging