Menschen, die als Kinder missbraucht wurden, haben ein Recht auf tätige Reue. Eine Stiftung könnte jenseits der Strafgerichte helfen, den lange vertuschten Missbrauch zu sühnen.
Ein Projekt der rot-grünen Bundesregierung wird zu Recht in Erinnerung bleiben: der vom deutschen Staat und deutschen Unternehmen geschaffene und mit einer Stiftung verbundene Entschädigungsfonds für die Zwangsarbeiter der NS-Zeit - für Menschen also, denen schweres Leid zugefügt wurde, die vom Schicksal gezeichnet und dennoch vergessen waren, jedenfalls bis zur Jahrtausendwende.
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Hilfe für die Opfer sexuellen Missbrauchs: Eine Stiftung könnte neben einer Entschuldigung auch Entschädigung bieten. (© Foto: dpa)
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Die Stiftung ist weit mehr als eine Organisation zur Vergabe allenfalls symbolischer Schadenersatzzahlungen. Sie ist ein Zeichen von Verantwortung der Nachfahren jener, die einst Täter waren, eine Anerkenntnis von Schuld und Unrecht gleichermaßen.
Das Leid der NS-Zwangsarbeiter kann und soll historisch nicht mit dem Leid der Opfer von Missbrauch und Misshandlungen in Schulen und Internaten der Kirche, des Staates oder sonstiger privater Träger verglichen werden.
Doch eine Stiftung, wie auch immer geartet, könnte einen Beitrag dazu leisten, die jahrzehntelang vertuschten sexuellen und sadistischen Vergehen an Kindern und Jugendlichen jenseits der Strafgerichte zu sühnen, so gut es eben geht.
Wohlgemerkt: Kaum eines der Opfer hat bislang Geld gefordert. Anders als insbesondere die Osteuropäer unter den Zwangsarbeitern - die hochbetagt und unter erbärmlichsten Bedingung leben mussten -, sind die meisten Missbrauchten wohl nicht in größter finanzieller Not.
Aber neben einer Entschuldigung steht auch ihnen eine Entschädigung zu. Sie haben ein Recht auf tätige Reue. Die Peiniger kann man nicht mehr zur Rechenschaft ziehen, die Taten der Kinderschänder sind in den allermeisten Fällen straf- und zivilrechtlich verjährt.
Deshalb stehen jetzt all jene Institutionen in der Pflicht, in denen Mitarbeiter ihre Schutzbefohlenen einst misshandelten, Täter schützten und Verbrechen vertuschten. Sie müssen den Opfern ein Angebot machen. Und manches spricht dafür, dass eine gemeinsame Stiftung aller betroffenen Institutionen einen solchen Schritt hin auf die Opfer etwas leichter machen könnte.
Keine Institution, auch nicht die katholische Kirche, müsste länger das Gefühl haben, stärker als andere an den Pranger gestellt zu werden. Und bevor jede Schule, jedes Internat, jede Gemeinde mühsam auf eigene Faust ein Programm entwickelt, sollten sich alle zusammentun. Auch könnte ein gemeinsamer Fonds dafür sorgen, dass wirklich jeder einst Missbrauchte Hilfe und Unterstützung erhält - und Entschädigungen nicht in das Belieben einer einzelnen Institution gestellt sind.
Und wichtiger noch: Der Staat, mithin die Bundesregierung, könnte sich an einer solchen Stiftung finanziell beteiligen, so, wie sie es beim Zwangsarbeiterfonds auch tat.
Der Allgemeinheit steht es gut an, Verantwortung für die Rechte von Opfern zu übernehmen. Und aus dem Stiftungskapital könnte man zudem äußerst nützliche Projekte finanzieren: Präventionskampagnen und Hilfen für Opfer familiärer Gewalt.
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(SZ vom 18.03.2010/liv)
Youtube-Hit aus USA
Die Opfer von Missbrauch und Misshandlungen haben wirtschaftliche Schäden im mittleren sechsstelligen Bereich erlitten, viele stehen vor existenzieller Not! Jahrelange Therapien kosten fünf- bis sechsstellige Summen, vom sog. Fortkommensschaden ganz zu schweigen.
Ich bin als Kind auf einem Internat schwer misshandelt, sexuell missbraucht und sexuell gefoltert worden. Mir wurden blutig Knochen gebrochen und ich bin bis heute schwer behindert deswegen - habe mein halbes Leben in Kliniken, Krankheit und Depression verbracht, konnte keinen Schulabschluss mehr machen und keine Berufsausbildung. Heute stehe ich wirtschaftlich vor existenzieller Not, kann meine Familie nicht ernähren, bin wieder in der Klinik - wie so oft in meinem Leben - monatelang.
Im Vergleich zu meinen Geschwistern, die allesamt Akademiker geworden sind (es lag also nicht an der Förderung seitens des Elternhauses) oder meinen Klassenkameraden damals, die heute in hochbezahlten Jobs gutes Geld verdienen – was mir wegen der Unrechtstaten für ein wirtschaftlicher Schaden entstanden ist, kann man nicht mit ein paar tausend Euro gutmachen. Abgesehen von den jahrzehntelangen körperlichen und seelischen Schmerzen...
jorin80: Super GAU
"...Ausserdem haben anscheinend die Opfer jahrelang geschwiegen - warum eigentlich kommen sie erst jetzt mit ihren Anklagen? ..."
Leider fällt mir kein druckreifes Wort ein für Ihren widerlichen Kommentar.
Nur eine Frage an die SZ: Wieso wird so etwas veröffentlicht?
So nicht, Frau Höll. Schauen Sie sich doch mal gründlich an, wie un-verschämt, schamlos, rücksichtslos die Zwangsarbeiter-Stiftung verschleppt und verzögert hat. Ach ja, und dann gab es auch noch das schöne, neue "Ich war's nicht, es war mein Papa"-Museum in Berlin.
Eine Stiftung? Ja. Ausgestattet von den Tätern! Ich möchte endlich ma eine Steuer-Bilanz der Kirchen sehen. Einnahmen ./. Ausgaben. Inclusive der erheblichen staatlichen zuwendungen, die zusätzlich zur Kirchensteuer ins Säckel des Papstes fließen.
Und vom Staaat erwarte ich:
1. Abschaffung der Verjährung. Keine Verlängerung, eine Abschaffung. Verlängerung heißt, so zeigt die Erfahrung, daß es 30 statt 20 Jahre dauert, bis "die Kirche" zu ihren Verantwortungen steht.
2. Es gibt doch "Offizial Delikte". Heißt: Es MUß ermittelt werden, auch ohne (persönliche) Anzeige. Warum nicht in diesen Fällen? Wieso das Sonderrecht der Kirche, selber zu entscheiden, ob die Staatsanwaltschaft eingeschaltet wird. Neee, das ist aber auch komisch, daß sie sich sooooo selten für die Einschaltung der Behörden entscheiden, gelle?
3. Was ist "Strafvereitelung im Amt", wenn die kirchlichen Amtsträger vertuschen, sobald ihnen der Mit-Bruder näher ist als das Opfer? DAS sollte strafbewehrt sein!
4. 2002, glaube ich, hat Benedict nochmals betont, daß eventuelle Mißbrauchsfälle primär kirchenintern zu untersuchen seinen. Absurd! Opfer-verachtend! Und: Geht dis wirklich noch zurück auf das unerträgliche NS.Konkordat? Bitte recherchieren. Und DANN
über "eine Stiftung" nachdenken.
Bis dahin: Austreten aus der Kirche, lautstark, das Geld den bekannten Opfern oder einem Treuhänder überweisen.
P.S. Gerne hätte ich noch den Bogen zu Williamson geschlagen. Oder den Bostoner Mißbrauch-Fällen. Dem irischen Untersuchungsbericht, von dem die Kirche mit Vorliebe als "Verleumdung" spricht.
Aber das werde ich ja bestimmt bald alles viel präziser in der SZ lesen. Oder?
Wenn bei solchen Vorkommnissen Geld ins Spiel kommt, dann ist der Weg nicht weit soche Vergehen zuzulassen oder sogar zu stimulieren, wenn nicht sogar falsch beschuldigen, um daraus finanziellen Nutzen zu ziehen. Im Intimbereich ohne Zeugen ist das nicht schwer.
Strafe für die Institution? Das ist doch reine Theorie!
Den Opfer sind Schäden an der Seele entstanden, die sich vermutlich auch z.T. finanziell manifestierten. Sei es durch notwendige Therapien oder/und Verminderung ihrer Möglichkeiten der Entfaltung.
Sie haben das Anrecht auf Schmerzensgeld und ein Zeichen, das jenseits des - meiner Ansicht nach zum großen Teil geheuchelten - Bedauerns und Versprechen greifbar und schmerzhaft für die Institutionen ist und sie in Zukunft eher ermuntern wird, so weit möglich weiteren Mißbrauch zu verhindern bzw. nicht weiter zu ermöglichen.
Zum Verhalten der irischen Kirche:
http://www.nzz.ch/nachrichten/international/irlands_qualvolle_suche_nach_der_wahrheit_1.5245604.html
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