Was Breitscheidel in den 18 Monaten verdeckter Recherche erlebt und erfährt, wirft einige Fragen nach der Effizienz des Systems auf. Er ist etwa auf eine Praxis gestoßen, die es, wie er sagt, "Unternehmen in diesem Land möglich macht, kostenlos an Arbeitskräfte zu kommen".
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Breitscheidel beschreibt das am Beispiel eines deutschen Briefdienstleisters: Ein privater Arbeitsvermittler bekommt von der Arbeitsagentur im Erfolgsfall bis zu 2000 Euro Provision für jeden vermittelten Hartz-IV-Empfänger. Für den Briefdienstleister ein lohnendes Geschäft, weil er an der privaten Agentur beteiligt ist. Nach drei Monaten werden diese Mitarbeiter wieder entlassen. Solange müssen sie mindestens im Unternehmen beschäftigt sein, damit die Vermittlungsprovision gezahlt wird.
Arbeiter zweiter Klasse
Breitscheidels erste Station als Zeitarbeiter war die Adam Opel AG. An die war er nur wenige Wochen von einer Zeitarbeitsfirma entliehen worden, um in Rüsselsheim Scheinwerfer einer letzten Qualitätskontrolle zu unterziehen.
Das heißt, gearbeitet hat Breitscheidel zwar auf dem Gelände der Adam Opel AG, dort aber im Lager, dessen Betrieb von einer Firma namens SCR betreut werde. Die wiederum habe eine weitere Firma namens Formel D mit der Qualitätskontrolle beauftragt, welche Teile ihres Personals für diese Aufgabe von der Zeitarbeitsfirma Nova bezog, mit der Breitscheidel einen Arbeitsvertrag hatte.
Die Konditionen: 7,15 Euro brutto. Zum Vergleich: Das niedrigste Einstiegsgehalt bei Opel soll 13,50 Euro betragen. Plus Zuschläge. Für Zeitarbeiter gibt es Nacht- oder Feiertagszuschläge nicht. Gearbeitet wird auf Zuruf. Meistens nach dem Muster: Anruf und in einer halben Stunde Treffen am Werkstor. Bezahlt werde nur für tatsächlich geleistete Stunden, schildert Breitscheidel.
Für die Zeitarbeitnehmer bei Opel gibt es keine Pausenräume, keine Umkleideräume und in der Kantine wird der doppelte Preis für ein Essen verlangt, etwa sieben Euro, wie Breitscheidel schreibt. Zeitarbeiter: Arbeiter zweiter Klasse.
Überraschend gesteht Breitscheidel zum Schluss der Buchvorstellung, er habe gar nichts gegen Zeitarbeit. Allerdings müsse der Grundsatz gelten: gleiches Geld für gleiche Arbeit. Weil eine Vollzeitstelle in der Zeitarbeit heute nicht zum Leben reiche. Breitscheidel musste immer wieder zur Arbeitsagentur und dort seinen Lohn per Aufstockung auf den Hartz-IV-Satz anheben lassen.
Fast belustigend wirken da Breitscheidels Erlebnisse in der Landwirtschaft. Einer Stellenbeschreibung für einen Erntehelfer entnimmt er, dass er 3,21 Euro die Stunde verdienen soll. Einstellungsvoraussetzung sei ein eigenes Auto, um zu den Feldern zu kommen.
Auf einem Erdbeerfeld ist ebenfalls das eigene Auto Pflicht, aber hier wird er nicht mal nach Stunden bezahlt, sondern nach geernteten Schälchen. Jede Schale bringt 25 Cent. Stundenlohn etwa 2,50 Euro. Wie er davon das Auto finanzieren soll, konnte ihm keiner erklären.
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(sueddeutsche.de/odg)
Youtube-Hit aus USA
Zwischen Abitur und Studium habe ich selbst für eine Personaldienstleistung gearbeitet. Seit dieser Zeit habe ich den Glauben an Deutschland verloren. Eines der wenigen Dinge, die mir heute noch Tränen in die Augen treiben können.
Wenn Opel und andere Ausbeuter so mit Leiharbeitern umspringen, haben sie es verdient, pleite zu gehen.
nicht mehr und nicht weniger!
@SandraBeltane: "wie kann man eine Gruppierung wählen,.., was uns heute an den Rand des Abgrunds gebracht hat."
Ich würde nicht Rand sagen, es ist der Abgrund!! Nur die meisten Leute, vorallem die die noch Arbeit haben, wissen das noch nicht wirklich, dass sie eigentlich schon am fallen sind!
Bei meine Hartz4-Prozessen hab ich den Überblick verloren, ich schätze es mitlerweile um die 20 Sozialgerichtsverfahren seit 4 Jahren. Würde ich die Verfahren nicht betreiben, hätten sie mich unteranderem auch trotz kaputten Knien und zwei Bandscheibenvorfällen zum Möbelpacken schicken wollen und viele andere Späße.
Die meisten Hartz4ler unterwerfen sich wie auch der Autor Breitscheidel, was ich nicht tue und das ist der Einzige Weg - sich wehren - Widersprüche, Einstweiligen Rechtsschutz und Klagen.
Natürlich wäre es noch besser, wenn die Rest-Gesellschaft (ohne Hartz4ler) endlich aufwachen würde weil sie sind die nächsten!! Stattdessen werden oben drauf die Hilfsbedürftigen noch mit unsäglichen Missbrachsdebatten stigmatisiert.
Als Kind der 70er fällt es mir oft schwer, den aktiv in Richtung Ungleichheit betriebenen Wandel unserer Gesellschaft nachzuvollziehen. So vieles von dem, was wir heute erschrocken bestaunen, war doch schon seit Anfang der Ära Schröder absehbar. Die bürgerbezahlte Subventionierung des Niedriglohnsektors musste selbstverständlich zu all den Auswüchsen führen, über die sich heute so viele scheinbar wundern. Nur: Die logischen Konsequenzen, also die Abschaffung der Subventionierung in diesen Bereichen, zieht natürlich keiner aus unseren Eliten in Betracht. Wieso auch, müsste er oder sie sich doch handfest mit jenen anlegen, die von den neuen Zuständen in Wahrheit profitieren. Geliebt hat man die Deutschen im Ausland nie, wohl aber bewundert. Ich fürchte, auch das ist bald nicht mehr der Fall.
Viele Infos und Hintergründe auch hier: www.demokratie-ist-wichtig.de
Banker aller Länder vereinigt Euch ! Ihr habt nichts weiter zu verlieren als Eure dettes ( franz. für Schulden)
Wem's nicht gefällt, der mache bitte eine roten Balken.
Was mich z.Z. total verunsichert ist, dass in publizistischen Beiträgen der Linken zur aktuellen Krise , natürlich nicht von den Sozialisten, ständig unser Karl Marx zitiert wird, wo sie ihn doch bisher gerne in irgendeiner Schublade versteckt haben, um nicht aufzufallen.
Sollten wir nicht Urheberrechte verlangen oder sind wir grosszügig ?
Grüsse aus Sakozzi-land;
Paging