Enthüllungen über Geheimdienste Russland und China sollen Snowden-Dokumente abgefischt haben

  • Russland und China sollen sich Einblick in die von Edward Snowden entwendeten Geheimdienst-Datensätze verschafft haben.
  • Der britische Dienst MI6 zieht aus Sicherheitsgründen Agenten aus Einsätzen ab.

Russland und China sollen Zugang zu Snowden-Dokumente haben

Russland und China haben Medienberichten zufolge als streng geheim eingestufte Dokumente des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden entschlüsselt. Wie die britische Zeitung Sunday Times und der Rundfunksender BBC, hat Russland sich Zugang zu mehr als einer Million Dokumenten verschafft. Der britische Geheimdienst MI6 habe sich daher gezwungen gesehen, einige Agenten abzuziehen - aus Sorge, dass sie enttarnt werden könnten.

Die Zeitung berief sich auf hochrangige Regierungs- und Geheimdienstvertreter, unter anderm auch Mitarbeiter des Premierministers David Cameron. Dem Bericht zufolge hat auch die chinesische Regierung Zugang zu Dokumenten aus dem Fundus von Snowden, in denen es um die Arbeitsweisen der Geheimdienste in Großbritannien und den USA geht. Russland und China hätten nun "das Wissen, wie wir arbeiten". Sie würden die Dokumente nun jahrelang durcharbeiten und dabei nach "Hinweisen suchen, um mögliche Ziele zu identifizieren".

Wahrscheinlichkeit bei "null Prozent"

Snowden hat eine der größten Geheimdienstaffären der vergangenen Jahre ans Licht gebracht. Der Computerspezialist hatte zunächst für den US-Geheimdienst CIA gearbeitet und war unter anderem in Genf stationiert. Später wechselte er zu der Vertragsfirma Booz Allen Hamilton. Für Booz arbeitete er als externer Mitarbeiter bei der National Security Agency (NSA). Als Systemadministrator hatte er Zugriff auf viele Dokumente - und kopierte etwa 1,7 Millionen Dokumente, die er anschließend an Journalisten übergab.

Snowdens Enthüllungen hatten seit dem Frühsommer 2013 nach und nach das Ausmaß des US-Überwachungsapparats ans Tageslicht gebracht. Der 31-Jährige lebt in Russland im Exil, von den USA wird er weiterhin wegen Spionage gesucht.

Im Oktober 2013 hatte Snowden der New York Times in einem Interview gesagt, dass "kein Geheimdienst" seine Dokumente knacken könne. Er habe keine geheimen Dokumente mit nach Russland genommen, sondern vor seiner Abreise in Hongkong, wo er sich nach seiner Flucht aus den USA aufhielt, sämtliche Unterlagen an Journalisten übergeben. "Die Wahrscheinlichkeit, dass Russen oder Chinesen irgendwelche Dokumente bekommen haben, liegt bei null Prozent", betonte Snowden in dem Interview.