Wie die Entführung der Deutschen im Irak weitergeht, hängt vor allem davon ab, ob es den Kidnappern um politische Ziele geht - oder um Geld.
Zehn Tage hatten die Entführer der deutschen Regierung Zeit gegeben, die Bundeswehr aus Afghanistan abzuziehen. Andernfalls würden die Geiseln, Hannelore Krause und ihr Sohn Sinan, umgebracht.
Seit dem 6. Februar entführt: Hannelore Krause und ihr Sohn Sinan in einer Videobotschaft, die ihre Entführer im Internet veröffentlichten. (© Screenshot: sueddeutsche.de)
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Am 20. März war die Zeit um - die Forderungen der Entführer blieben unerfüllt: Die Bundesregierung lehnt Zugeständnisse an die Entführer bis heute ab. Seitdem haben sich die Kidnapper nicht mehr gemeldet.
Was sind die Motive der Entführer?
Die zentrale Frage bleibt: Was wollen die Täter mit der Entführung der Krauses ereichen? Dass sie den Abzug aus Afghanistan forderten, ist kein sicherer Hinweis auf politische Beweggründe.
Auch bei Verschleppungen in den vergangenen Jahren wie der von Susanne Osthoff und den Ingenieuren René Bräunlich und Thomas Nitzschke, die mit Lösegeldzahlungen und der Freilassung der Geiseln endeten, wurden zuerst politische Forderungen gestellt.
Dass sich der deutsche Staat nicht erpressen lässt, wie die Bundeskanzlerin und andere Spitzenpolitiker betonen, bedeutet nicht, dass man keinen Handel mit den Entführern vereinbaren kann. So war es im Fall der deutschen Touristen, die 2003 in der Sahara entführt wurden, so war es im Fall Osthoff und auch bei den sächsischen Ingenieuren.
Es ist aber nicht auszuschließen, dass die Entführer ihre Geiseln an Dschihadisten "verkaufen", die an einem Propaganda-Video mit den gedemütigten Gefangenen interessiert sind. Oder dass sie eine Geisel töten, um den Preis für andere zu erhöhen.
Bei politischen Motiven weniger Verhandlungsspielraum
Sollte die Motivation der Entführer politischer Natur sein, gibt es sehr wenig Verhandlungsspielraum.
Die Möglichkeit, politische Zugeständnisse zu erzwingen, ist mehr wert als jede erpresste Lösegeld-Summe.
Aus diesem Grund sind deutsche Sicherheitsbeamte darüber bestürzt, welchen Preis die Taliban vor zwei Wochen für den La Republica-Journalisten Daniele Mastrogiacomo erzielen konnten. Wie die Regierungen Afghanistans und Italiens bestätigen, wurden fünf hochrangige Taliban aus dem Gefängnis freigelassen.
Unter den Freigelassenen befand sich angeblich auch der Bruder von Mullah Dadullah. Dieser soll Mastrogiacomos Entführung geleitet und auch die Verhandlungen geführt haben. Dadullah gilt als einer der höchsten Militärführer der Taliban und als Mitglied ihre Führungsrates.
Die Entführung Mastrogiacomo war die erste, bei der politische Forderungen der Islamisten erfüllt wurden, um eine westliche Geisel zu befreien.
Wer kann für die Entführer sprechen?
Eine Schwierigkeit für den Krisenstab des Auswärtigen Amtes in Berlin und die Beamten vor Ort ist, herauszufinden, wie sie mit den Enführern in Kotakt treten und bleiben können.
Es ist nicht so, dass sich niemand melden würde. Eher im Gegenteil: Trittbrettfahrer tauchen auf und behaupten, Kontakt zu Geiseln und Entführern herstellen zu können. Gegen Vorkasse natürlich.
Mögliche Boten werden geprüft. Die deutsche Seite stellt ihnen Fragen, die nur die Geiseln beantworten können. Oder sie müssen handschriftliche Nachrichten der Entführungsopfer bringen.
Doch auch wenn ein Mittelsmann danach als glaubwürdig gilt, ist noch nicht alles klar. Im Fall Bräunlich/Nitzschke konnten zwei weitere Männer, die sich als Vermittler andienten, die Prüffragen beantworten oder brachten Schriftproben.
Im Irak hat sich inzwischen eine regelrechte Entführungsindustrie entwickelt. Schätzungen zufolge werden jeden Tag etwa 50 Personen entführt, 20.000 pro Jahr. Die meisten sind Iraker, insgesamt 300 Ausländer befanden oder befinden sich in der Hand von Entführern. Neben den Deutschen derzeit auch ein Österreicher.
Für Ausländer können die Täter weit mehr Lösegeld fordern als für Iraker, bei denen zwischen 5000 und 100.000 Dollar verlangt werden. Viele der Einheimischen wurden trotz der Zahlung von Lösegeld ermordet, weil sie einer anderen islamischen Konfession angehörten als ihre Mörder.
Die meisten der ausländischen Geiseln kamen frei, mehr als 50 aber wurden getötet. Wie der Amerikaner Nicholas Berg, den der Terroristen-Führer Mussab al-Sarkawi im Mai 2004 vor laufender Kamera enthauptete.
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(sueddeutsche.de)