Hunderte Ausländer sind seit dem offiziellen Kriegsende im Frühjahr 2003 verschleppt worden. Kriminelle und Extremisten verdienen mit Geiseln viel Geld - erzielen aber kaum politische Erfolge.
Im Sommer schrieb der französische Botschafter in Bagdad an eine der wenigen Reporterinnen, die dort noch ausharrten: "Nichts kann Ihren Verbleib im Irak rechtfertigen". Eine weitere Geiselnahme hätte für Frankreich "schwer wiegende Konsequenzen".
Vermummter Islamist: Welche Gruppe hinter der Entführung der Deutschen steckt, ist noch unklar. (© Foto: AFP)
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Kurz zuvor war die Journalistin Florence Aubenas nach 157 Tagen in Geiselhaft freigekommen. Schon Anfang des Jahres hatte Präsident Jacques Chirac die Medien aufgefordert, keine Reporter mehr in den Irak zu schicken; damals war Frankreich noch beseelt vom glücklichen Ende einer anderen Entführung - die der Journalisten Christian Chesnot und Georges Malbrunot.
"Erfolg der Diplomatie"
Die Regierung in Paris erklärte das glückliche Ende zu einem Erfolg der französischen Diplomatie, die traditionell enge Kontakte zum Nahen Osten pflegt.
Doch die Appelle Chiracs und des Bagdader Botschafters wurden allgemein als Hinweis darauf verstanden, dass der Staat trotz guter Geheimdienstarbeit teuer für die Geiseln zahlen musste.
Ein politisches Motiv der Entführer war nicht zu erkennen, weil Frankreich ein eindeutiger Gegner des US-Feldzugs im Irak war, doch sollen die Franzosen im Ruf stehen, besonders gut zu zahlen.
Keine europäische Regierung hat je bestätigt, dass sie ihre Landsleute freigekauft hat. Dennoch gilt dies als offenes Geheimnis.
Hunderte Ausländer sind seit dem offiziellen Kriegsende im Frühjahr 2003 entführt worden. Einige Terrorgruppen haben damit viel Geld verdient.
Gemischte Bilanz
Bei den politischen Konsequenzen dieser Terrorakte fällt die Bilanz sehr gemischt aus. Zweifellos haben die Extremisten mit ihren Entführungen das Klima der Angst verstärkt, welches das Land destabilisiert und den Aufbau behindert.
Sorgfältig wurde gefilmt, wie Geiseln ermordet wurden, und die Botschaft lautete, dass es jeden treffen kann: die türkischen Lastwagenfahrer, die Waren durch das Land fahren, ebenso wie die britische Care-Helferin Margaret Hassan, die so vielen Irakern geholfen hatte. Sie wurde erschossen.
Mit konkreten politischen Forderungen - wie dem Abzug ausländischer Truppen - sind die Terroristen aber bislang gescheitert. Die italienischen Geiseln Simona Pari und Simona Torretta lösten zwar nach ihrer Rückkehr im Oktober 2004 eine Debatte darüber aus, ob Italien seine Soldaten abziehen solle.
Langfristig hatte dies aber keine Folgen. Bei der Freilassung der italienischen Journalistin Giuliana Sgrena erschossen US-Soldaten irrtümlich einen italienischen Geheimdienstagenten. Das führte kurzfristig zu diplomatischen Verwerfungen, die allerdings die Partnerschaft Washington-Rom nicht langfristig trüben konnten.
Kontraproduktive Aktionen
Mehrere Aktionen der Terroristen haben sich für deren Sache sogar als kontraproduktiv erwiesen. Im Gegenzug für die Freilassung der Reporter Chesnot und Malbrunot forderten sie 2004 ein Ende des Kopftuchverbotes in Frankreich - doch damit stießen sie selbst bei den französischen Muslimen auf empörte Ablehnung.
Der Schleier, lautete die Antwort, dürfe nicht mit Blut befleckt sein. Als Extremisten kürzlich damit drohten, zwei marokkanische Diplomaten im Irak zu ermorden, protestierten in Casablanca mehr als 100.000 Menschen.
Solche Geiselnahmen erzielen offenbar die gleiche Wirkung wie Terroranschläge der al-Qaida in arabischen Ländern. Immer öfter überspannen die Extremisten den Bogen und bringen genau jene gegen sich auf, die sie eigentlich gewinnen wollen.
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(SZ vom 30.11.2005)
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