Von Nico Fried und Judith Raupp

Im Golf von Aden gerät eine Familie mit Kind in die Hände von Verbrechern. Auch ein Franzose ist unter den Entführten.

Vor der Küste von Somalia haben Piraten nach Angaben lokaler Behörden drei Deutsche und einen Franzosen entführt. Die vier Europäer seien am Montag von einer Yacht im Golf von Aden verschleppt worden, sagte der Staatsminister für Sicherheit in der halbautonomen Region Puntland, Dschama Hirsi Farah der Nachrichtenagentur AP.

Entführung, Somalia, Deutsche, AP

Im April hatten Piraten schon die französische Luxusjacht "Le Ponant" gekapert - nun überfielen Piraten in der selben Region ein Segelboot, auf dem sich eine deutsche Familie und ein französischer Kapitän befanden. (© Foto: AP)

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Die Agentur Reuters berief sich auf Ahmed Jusuf Jasin, den Vize-Präsidenten der abtrünnigen Republik Somaliland im Norden Somalias. Yusuf Yasin zufolge hat die Suche nach den Entführten bereits begonnen. Der britische Nachrichtensender BBC zitierte einen Dorfältesten, der die Familie nach eigenen Angaben bereits in der Hand der Piraten besucht und Verhandlungen über die Freilassung aufgenommen hat.

"Die Ausländer sind in unsere Gewässer eingedrungen", soll einer der Piraten gesagt haben. Die Entführer fordern Lösegeld. Den entführten Deutschen gehe es gut.

Das Auswärtige Amt in Berlin konnte die Entführung bis zum Dienstagabend nicht bestätigen. Es sei auch noch niemand als vermisst gemeldet worden. Man nehme die Hinweise aber sehr ernst, sagte ein Sprecher. Bei den Deutschen soll es sich um ein Elternpaar mit seinem Kind handeln.

Den Angaben der lokalen Behörden zufolge wurden die vier Personen in eine Bergregion im Grenzgebiet zwischen Puntland und Somaliland verschleppt. Kämpfer aus der Region fanden das Schiff der Piraten am Dienstagmorgen leer vor, hieß es weiter.

Bei den Kidnappern soll es sich um Piraten und Fischer handeln, die die Yacht gemeinsam überfielen, als sie vor der Küste vor Anker lag. Während somalische Piraten sonst mit Schnellbooten Jagd auf Tankschiffe und große Frachter machen, hatten diesmal den Berichten zufolge Fischer das Boot mit den Touristen entdeckt und sich mit den Piraten verbündet.

Das gegenüber dem Jemen am Golf von Aden liegende Somaliland ist international nicht anerkannt. Entführer halten in der Region bereits vier ausländische Helfer und drei Somalier fest. Die Entführer können von dem Zerfall der staatlichen Strukturen Somalias profitieren. Die deutsche Botschaft in Somalia ist geschlossen, für das Land zuständig ist die Botschaft in Kenias Hauptstadt Nairobi.

Das Grenzgebiet zwischen Puntland und dem abtrünnigen Somaliland gilt als extrem gefährlich, der Grenzverlauf ist umstritten. In seiner Reisewarnung für Somalia weist das Auswärtige Amt auf kriegsähnliche Auseinandersetzungen in der Region hin. Vor der Küste Somalias nehmen Überfälle von Piraten auf Schiffe stark zu. Viele Frachter sind deshalb nur noch im Konvoi oder mit bewaffneter Eskorte unterwegs. Im vergangenen Jahr verzeichnete das Internationale Schifffahrtsbüro 31 Fälle.

In diesem Jahr sind bereits 21 Überfälle bekannt geworden. Darunter waren die Lehmann Timber der Lübecker Reederei Karl Lehmann und die französische Luxusyacht Le Ponant.

Auf Druck von Frankreich hat der UN-Sicherheitsrat Anfang Juni andere Staaten ermächtigt, Piraten in den Hoheitsgewässern von Somalia zu verfolgen. Die Seeräuber kapern angeblich auch Schiffe, die außerhalb der Sicherheitszone von 400 Kilometern kreuzen. Der Golf von Aden zwischen Somalia und Jemen ist eine der wichtigsten Seestraßen der Welt. Dort verkehren auch viele Frachter, die Erdöl transportieren, und Transporter des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen. In der Regel lassen die Piraten, die nicht gefasst werden, die Entführten wieder frei, nachdem sie Lösegeld erpresst haben. Ein Teil des Geldes fließt offenbar in den Waffenhandel.

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(SZ vom 25.06.2008/buma/sekr)