Entführter Putin-Gegner Behörden verweigern Ermittlungen wegen Foltervorwürfen

Der Oppositionelle Leonid Raswosschajew bezichtigt den russischen Geheimdienst, ihn entführt und gefoltert zu haben. Doch die Ermittlungsbehörden wollen den Vorwürfen nicht weiter nachgehen. Stattdessen legen sie dem Kreml-Kritiker auch noch einen Raubüberfall zur Last.

Die russischen Ermittlungsbehörden werden die Vorwürfe des Kreml-Kritikers Leonid Raswosschajew nicht weiter verfolgen. Der Oppositionelle behauptet, vom russischen Geheimdienst aus der Ukraine entführt und gefoltert worden zu sein.

Zeugenaussagen hätten ergeben, dass diese Anschuldigungen unglaubwürdig seien, sagte der Sprecher des zuständigen Ermittlungskomitees, Wladimir Markin. Auch einen Lügendetektor-Test habe Raswosschajew verweigert. Dessen Anwalt Dmitri Agranowski widerspricht: Sein Mandat und er hätten sich vor dem Test lediglich beraten wollen.

Raswosschajew wirft dem Geheimdienst vor, ihn im Oktober aus Kiew nach Russland verschleppt und anschließend tagelang misshandelt zu haben. Man habe ihn außerdem zu einem Geständnis gezwungen. Der 39-Jährige wird beschuldigt, an der Planung von Massenunruhen beteiligt gewesen zu sein, um einen Umsturz in Russland anzuzetteln. Er sitzt deswegen in Untersuchungshaft.

Die russischen Behörden behaupten, Raswosschajew habe sich selbst gestellt und freiwillig gestanden. Das Geständnis hat er mittlerweile wiederrufen.

"Die Ermittlungsbehörde hat gegen sich selbst ermittelt, also überrascht es nicht, dass sie eine Anklage ablehnt", sagte der Kreml-kritische Parlamentsabgeordnete Ilja Ponomarjow der Nachrichtenagentur Ria Nowosti. Raswosschajew arbeitet als Referent des Parlamentariers.

Erst gestern hatten die Ermittlungsbehörden bekannt gegeben, dass Raswosschajew nicht nur die Vorbereitung von Massenunruhen, sondern auch ein bewaffneter Raubüberfall zur Last gelegt wird. Zusammen mit Komplizen soll er 1997 im sibirischen Angarsk einen Händler überfallen und 500 Pelzmützen sowie eine Videokamera erbeutet haben.

Die Ehefrau des Opfers habe sich bei den Behörden beschwert, dass die Täter noch nicht gefasst seien, deshalb habe man die Ermittlungen in dem alten Fall jetzt wieder aufgenommen, teilte Wladimir Markin am Mittwoch mit. Raswosschajew bestreitet die Tat. Sollte er schuldig gesprochen werden, drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft.