Energieversorgung Sohn von US-Vizepräsident Biden steigt bei ukrainischem Gaskonzern ein

Dank guter Kontakte zur abgesetzten Regierung von Präsident Janukowitsch konnte die ukrainische Gasfirma Burisma florieren. Nach dessen Sturz setzt das Unternehmen nun auf hochkarätige Neubesetzungen aus dem Ausland - mit besten Beziehungen zur US-Regierung.

Von Cathrin Kahlweit, Kiew

Die Nachricht, dass der Sohn von US-Vizepräsident Joe Biden, Hunter, Direktoriumsmitglied des ukrainischen Gaskonzerns Burisma werden soll, hat in Kiew einige Irritation ausgelöst. In dem Unternehmen, das seinen Sitz offiziell in Zypern hat, soll Hunter Biden für Rechtsfragen und die Anwerbung internationaler Investoren zuständig sein.

Die Burisma Holding Ltd gilt in der Ukraine als eine jener Firmen, die in der Ära des mittlerweile abgesetzten Präsidenten Viktor Janukowitsch vor allem durch Korruption ihr Portfolio ausweiten konnte. Der ehemalige Umweltminister Nikolai Slotschewski, der das Unternehmen nach Informationen ukrainischer Medien bis heute kontrolliert, hatte gemäß Recherchen der Ukrainskaja Prawda aus dem Jahr 2012 in der Amtszeit von Janukowitsch die zweitmeisten Genehmigungen für Unternehmenszukäufe und die zweitmeisten Fördergenehmigungen erhalten. Auf dem ersten Platz stand der mittlerweile in den USA wegen krimineller Aktivitäten gesuchte Oligarch Dmitrij Firtasch.

Die Burisma Holding habe sich, so das Blatt, frühzeitig auf die Ausbeutung einheimischer Energievorkommen konzentriert und sei dabei von der Regierung unterstützt worden, in welcher auch der Umweltminister und spätere Chef des nationalen Sicherheitsrates Slotschewski gesessen habe. Auch staatliche Kontrollbehörden wie das Antikorruptionsamt hätten die Zukäufe damals gebilligt, obwohl der Selbstbedienungscharakter durch die Personalunion von Minister und Firmeneigentümer offensichtlich gewesen sei.

Die Zeitung verwies schon 2012 darauf, dass die erteilten Genehmigungen erst in 30 Jahren ausliefen, "wenn die Genehmigungsbehörden selbst womöglich gar nicht mehr existieren".

Wie "Exxon in seinen frühen Jahren"

Hunter Biden, der bei der New Yorker Anwaltskanzlei Boies, Schiller & Flexner arbeitet, solle nun offenbar neben anderen Ausländern dazu beitragen, dass das Unternehmen eine weißere Weste bekomme, lästerte ein Mitglied der Übergangsregierung am Donnerstag in Kiew.

Neben Biden sitzt auch ein Freund des Stiefsohns von Außenminister John Kerry, der Investor Devon Archer, in dem Direktorium. Archer sagte laut der International Business Times, Burisma erinnere ihn an "Exxon in seinen frühen Jahren". Auch der polnische Ex-Präsident Alexander Kwasniewski räumte jetzt ein, seit Januar bei Burisma als Direktor zu arbeiten; er berate die Firma und sehe darin nichts Unethisches.

Die Burisma Holding, die sich selbst als größter nicht staatlicher Gasversorger der Ukraine bezeichnet, ist seit 2002 auf dem Markt, hatte aber erst in den vergangenen Jahren ihre jetzige Größe erreicht. Nach eigenen Angaben produziert das Unternehmen täglich 450 Millionen Kubikmeter Gas, kann seine Produktion aber innerhalb der kommenden Jahre stark ausbauen. Gas und Öl werden an Industriekunden in der Ukraine verkauft. Schätzungen zufolge macht die Holding derzeit nicht mehr als 200 Millionen Dollar Gewinn. Etwa 90 Prozent der ukrainischen Energieproduktion liegen nach wie vor in den Händen von Staatsfirmen.