Energieversorgung im Kosovo Der Kosovo - bei Google Earth ein schwarzes Loch
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Doch sogar an den niedrigen Standards sein Nachbarn auf dem Balkan gemessen ist die Lage des Kosovo äußerst trostlos. Zlatko Popovski von der EVN Mazedonien meint, dass es in Mazedonien nie landesweite Stromausfälle gäbe, auch wenn das Land etwa 30 Prozent des Stroms aus dem Ausland importiert.
Der Autor und Sieger des Journalisten-Wettbewerbes: Lavdim Hamidi.
(Foto: Foto: oh)Roland Matous vom Energie-Sekretariat in Wien, einer Regulierungsbehörde, ist ebenfalls der Meinung, dass der Kosovo am schlimmsten von allen Balkanländern betroffen sei: "Kosovo und Albanien stehen am schlechtesten da", sagt er, "aber Albanien ist von den beiden in der besseren Position."
Geldgeber auf der Hut vor Korruption
Internationale Geldgeber sahen ihre Aufgabe darin, in die Produktionsanlagen von KEK zu investieren, um sie funktionsfähig zu machen. Die Instandhaltung, meinen sie, liege bei KEK. Die meisten Experten sind ebenfalls der Meinung, dass es dem Unternehmen nicht gelungen sei, seine Anlagen ordnungsgemäß zu managen und es dadurch potenzielle Investoren abgeschreckt habe.
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Wie etwa die deutsche Regierung: Ganimete Huruglica, stellvertretende Leiterin des Priština-Büros der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), über die Deutschland 67,3 Millionen Euro in Kosovos Energiesektor investierte, erzählt, dass Berlin seine Unterstützung von 2003 bis 2005 zurückzog, nachdem die Verantwortlichen es nicht geschafft hätten, die erneuerten Generatoren instand zu halten.
"Es war nicht vertretbar, mit dem Geld deutscher Steuerzahler in den Energiesektor zu investieren, wenn die Instandhaltung offensichtlich nicht gewährleistet sein würde", so Huruglica. Deutschland begann jedoch nach 2005 wieder in KEK zu investieren, hauptsächlich, weil das Unternehmen inzwischen Maßnahmen ergriffen hat, um seine Schulden abzubauen, indem man mehr zahlungssäumige Kunden zwang, ihre Rechnungen zu begleichen.
Der amtierende Vorstand von KEK, Arben Gjukaj, findet es falsch, allein KEK die Schuld am Energieproblem des Kosovo zu geben. Ausländische Investitionen wären oft nicht dorthin geflossen, wo sie gebraucht wurden, behauptet er, sondern dorthin, wo das Interesse der Geldgeber lag, was nicht immer das gleiche sei. Gjukaj gesteht ein, dass im Energiesektor des Kosovo nach 1990 zehn Jahre lang Misswirtschaft betrieben wurde, als Serbien den Autonomiestatus des Kosovo aufhob. Das Unternehmen hatte außerdem mit der schlechten Zahlungsmoral der Konsumenten zu kämpfen. Zwischen 1999 und 2007 gelang es KEK, nur etwa 50 bis 60 Prozent der Stromrechnungen einzutreiben, wodurch Schulden in der Höhe von 340 Millionen Euro entstanden.
In betrügerischer Absicht
Die jährlichen Mindereinnahmen machten KEK die Instandhaltung der Anlagen, in die ausländische Geldgeber investiert hatten, unmöglich. "Was wir von unseren Kunden einnehmen, ist immer noch nicht genug, um die Instandhaltung der KEK-Anlagen zu decken", so Gjukaj.
Die Medien im Kosovo machen jedoch andere Faktoren für die finanziellen Verluste der Firma verantwortlich, allen voran das korrupte Management. Das wird in Kreisen internationaler Organisationen im Kosovo, die mit KEK zutun haben, bestätigt. Einige behaupten, die Korruption in dem staatlichen Unternehmen beginne unten bei den Inkassobeamten und reiche bis nach ganz oben. "Deshalb ist das Unternehmen bankrott - und deshalb bezahlen die Verbraucher den Strom auch nur unwillig", erklärt ein Vertreter einer ausländischen Organisation.
Im Unternehmen selbst werden die Korruptionsvorwürfe nicht abgestritten, da eine Reihe von Inkassobeamten KEK finanziell geschadet hätten, indem sie von den Kunden Schmiergeld annahmen, um deren Schulden zu tilgen, oder indem sie die Energiezähler manipulierten, um den tatsächlichen Energieverbrauch zu vertuschen.
Ein Bericht der US-Agentur für Internationale Entwicklung (USAID) aus dem Jahr 2006 beschreibt detailliert die illegalen Methoden des Kundendienstes von KEK. Der Bericht mit dem Titel Qualitative Assessment of Preparation for Transition to Local Management within KEK (qualitative Beurteilung der Vorbereitung für den Wechsel auf ein lokales Management innerhalb KEK), wurde nie veröffentlicht. Darin heißt es, Mitarbeiter von KEK hätten rechtswidrig zahlreiche Kunden als "passive" Kunden klassifiziert.
Damit sind Verbraucher gemeint, die jedes Jahr nur während kurzer Zeiträume Strom beziehen, in der Regel während der Heimatferien, die sie im Kosovo verbringen. Wenn sie den Kosovo wieder verlassen, haben sie das Recht von KEK als "passive" Kunden eingestuft zu werden und erhalten so auch keine Rechnungen mehr. Dem USAID-Bericht zufolge ist die Anzahl dieser so genannten passiven Verbraucher in den letzten Jahren von 27.000 auf mehr als 100.000 gestiegen. "Man nimmt an, dass über 70.000 Kunden von KEK in betrügerischer Absicht als passiv eingestuft wurden", heißt es im Bericht.