Als Vizepräsidentin könnte Sarah Palin auch für die US-Energiepolitik zuständig sein. Bislang setzt die Gouverneurin aus der polaren Provinz auf Öl und Gas - andere Energiequellen spielen kaum Rolle.
Amerikas republikanischer Präsidentschaftsbewerber John McCain sagte eingangs der Woche, er sei stolz auf die Kenntnisse seiner Vizekandidatin. "Sie weiß vermutlich mehr über Energie als irgend jemand sonst in den Vereinigten Staaten." Deshalb soll Sarah Palin in einer McCain-Administration die Zuständigkeit für die Energiepolitik erhalten.
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McCains Kandidatin für das Amt der Vize-Präsidentin: "Ich bin kein Al Gore, kein Weltuntergangs-Umweltschützer." (© Foto: AP)
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Das klang nicht nur arg übertrieben, sondern auch ein bisschen gönnerhaft. McCain-Experten sagen denn auch, einer wie er würde sich von seiner Vizepräsidentin aus der polaren Provinz nun wirklich nichts sagen lassen - wofür einiges spricht.
Dennoch hat die Job-Beschreibung bindende Wirkung. Palin könnte jederzeit auf McCains Zusage pochen. Ihre Zuständigkeit für Energie aber dürfte die Gewichte zu Ungunsten eines Politikfelds verschieben, das in den USA meist als Teil der Energiepolitik gesehen wird: Gemeint ist der Klimaschutz. Da war bisher von einer möglichen McCain-Administration einiges erwartet worden.
Öl-Förderung in Alaska geht kontinuierlich zurück
Palin begründet ihren Anspruch auf die Zuständigkeit für Energiepolitk mit ihrer Erfahrung als Gouverneurin von Alaska. "Mein Job war es, fast 20 Prozent der inländischen Energieversorgung mit Öl und Gas zu beaufsichtigen."
Das ist, gelinde gesagt, grob übertrieben und spricht nicht wirklich für Palins Kenntnisse der US-Energiepolitik. Zwar ist Alaska tatsächlich einer der führenden Öl-Produzenten unter den Bundesstaaten. Aber die Öl-Förderung geht seit Jahren kontinuierlich zurück. Texas und Louisiana liegen vor Alaska. Und Gas wird bisher in Alaska kaum gefördert.
Nach Statistiken der Energy Information Administration ist Alaska für 7,5 Prozent der amerikanischen Öl- und Gasproduktion gut. Wenn man andere Energiequellen dazu zählt, wie Kohle, Atomkraft und alternative Energien, liegt Alaska mit 3,5 Prozent gar nur auf dem neunten Platz unter den Bundesstaaten.
Andere Energiequellen aber haben im Denken Palins bisher offenkundig genauso wenig eine Rolle gespielt wie Überlegungen, dass der Klimaschutz eine der großen Herausforderungen der Zeit sein dürfte. In einem Interview im heimischen Fairbanks sagte sie im vergangenen Jahr: "Ich bin kein Al Gore, kein Weltuntergangs-Umweltschützer, der die Veränderungen in unserem Klima auf menschliche Aktivitäten zurückführt."
"Hungrige Märkte füttern"
Das kommt an in Alaska, dessen Wirtschaft zu einem Drittel von der Ölproduktion abhängig ist. Indes widerspricht eine solche Einschätzung den bisherigen Einlassungen McCains.
Stets kommt Palin nur auf die Förderung von Gas und Öl zurück. Im Gegensatz zu McCain fordert sie die Freigabe des "Arctic National Wildlife Refuge", des Nationalparks im Norden Alaskas, für die Ölförderung, und sie kündigte an, dass sie McCain drängen werde, seine Position zu überdenken.
Aus Gründen der nationalen Sicherheit müssten die USA von Energieimporten unabhängig werden. Deshalb sei die Förderung von Öl und Gas auch in küstennahen Gewässern ein richtiger Schritt. Und sie betonte ihre Rolle bei den Planungen für den Bau einer 40 Milliarden Dollar teueren Gaspipeline von Alaska nach Kanada, die "sehr hungrige Märkte füttern" werde.
Auch sonst ist ihre Öko-Bilanz als Gouverneurin bemerkenswert: Sie hat die Bush-Administration verklagt, als diese den Eisbären im Sommer auf die Liste der bedrohten Tierarten setzte. Und sie sprach sich gegen ein Referendum aus, das eine große Kupfer- und Goldmine in direkter Nähe der weltweit größten Lachs-Wanderroute verhindern wollte.
Doch eines muss man Palin lassen. Sie ist lernfähig. In einem ihrer bisher wenigen Interviews behauptete sie, sie habe nie gesagt, dass Industrie-Emissionen keinen Einfluss auf die Klimaveränderungen hätten. Und in einer Rede in Denver wies sie auf das National Renewable Energy Laboratory ganz in der Nähe hin - und versprach prompt, dass die McCain Administration erneuerbare Energie fördern werde.
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(SZ vom 20.09.2008/dmo)
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