Der Kampf für Krümmel und Kernkraft ist eine Schlacht der Vergangenheit. Dennoch klammert sich die Union krampfhaft daran. Doch die Gegenwart könnte die Partei überholen.
Zukunft ist ein großes Wort. Insgesamt 107-mal taucht es in der einen oder anderen Zusammensetzung im Wahlprogramm der CDU auf. Zukunft ist, was Wähler erwarten, für sich und für ihr Land. Doch bei einem der großen Zukunftsthemen überhaupt, der Versorgung mit klimafreundlicher und bezahlbarer Energie, klammert sich die Union krampfhaft an eine Technologie von gestern: die Kernkraft.
Kernkraftwerke in der Kritik: Nach Pannenserie im AKW Krümmel ist auch Biblis als ältestes deutsches Atomkraftwerk wieder in die Diskussion geraten. (© Foto: dpa)
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Wie eh und je fordert sie ein möglichst langes Leben für die deutschen Atomkraftwerke, unbeeindruckt von immer neuen Pannen beim Atomkonzern Vattenfall. Und den ersten Unionsstrategen schwant: Die Gegenwart könnte die Partei überholen.
Die Gründe dafür sind gesellschaftlicher, aber mittlerweile auch technischer Natur. Die Mehrheit der Deutschen hat ihren Frieden mit der Kernkraft nie geschlossen. Im besten Fall war die Form der Stromerzeugung den Deutschen egal, solange sie funktionierte. Doch Gleichgültigkeit ist auch nur eine Form geborgten Vertrauens. Bei keiner anderen Technologie legen so viele Menschen gleichzeitig ihr Schicksal in die Hände weniger anderer wie bei der Atomkraft.
Konflikt zwischen erneuerbarer und konventioneller Elektrizität
Der Aufschrei, den der Zwischenfall im Vattenfall-Meiler Krümmel ausgelöst hat, ist Zeugnis enttäuschten Vertrauens bei den einen, tiefen Argwohns bei den anderen. Noch einmal eine Mehrheit für die Kernkraft in Deutschland zu organisieren, ist nahezu unmöglich - schon angesichts der Alternativen.
Denn der Strommix verändert sich schneller, als die meisten Experten erwartet hätten. Im Jahr 2000, als Rot-Grün den schrittweisen Ausstieg aus der Kernkraft besiegelte, speisten Windräder und Wasserkraftwerke gut sieben Prozent des deutschen Stroms ein. Neun Jahre später ist es doppelt so viel. Bis 2022, wenn das letzte Kernkraftwerk vom Netz gehen soll, dürfte es fünfmal so viel sein, vorsichtig geschätzt. Längst wächst im Stromnetz ein ernsthafter Konflikt heran: der zwischen erneuerbarer und konventioneller Elektrizität.
Konventioneller Strom ist sturer Strom. Atom-, aber auch Kohlekraftwerke erzeugen mit hohen Temperaturen Dampf und betreiben damit Turbinen. Diese Turbinen liefern stetig und wenig flexibel ihren Strom. Nur passt das so gar nicht zum Strom aus Wind und Sonne, der mit Tages- und Nachtzeiten, mit Wind und Wetter schwankt. Immer stärker drängt er in das deutsche Netz: sauberer Strom, ohne teure Brennstoffe hergestellt, massenhaft verfügbar.
Soll er tatsächlich zum Rückgrat der deutschen Stromversorgung werden, dann braucht niemand mehr die Kernkraft. Dann braucht es vor allem flexible, dezentrale Kraftwerke, die immer dann ans Netz gehen, wenn kein Ökostrom zur Verfügung steht. Die auch die Heizwärme einspeisen und so die Energie effizienter nutzen. Clevere Unternehmen investieren in solche Gaskraftwerke. Deutschlands Stromkonzerne dagegen hoffen auf eine Zukunft für Atommeiler.
Entzauberte Wunderwaffe
Doch diese Zukunft ist 30, 40 Jahre alt. Einst versprach sie eine unabhängige, verlässliche Stromversorgung. Die Kernkraft galt als allzeit beherrschbar, als Wunderwaffe mit Exportpotential. Heute ist sie entzaubert durch Störfälle, der Traum von der günstigen Entsorgung nuklearen Mülls lagert in den einsturzgefährdeten Kammern des Salzstocks Asse II. Der Exporterfolg der Kernkraft findet vor allem in Verlautbarungen der Industrie statt, die eine Atom-Renaissance glauben machen will, die es nicht gibt. Wo in der westlichen Welt tatsächlich neue Kernkraftwerke gebaut werden, da nur zum Preis immenser Garantien seitens der Hersteller oder ihrer Heimatstaaten. Von Zukunft keine Spur.
Sie findet woanders statt. Etwa bei jenen deutschen Unternehmen, die mit dem Wüstenstrom-Projekt Desertec massenhaft Solarstrom aus der Sahara nach Europa bringen wollen - und ihre Partnerschaft an diesem Montag eingingen. Oder auch bei jenen Staaten, die gleichzeitig Verträge über den Bau einer neuen Pipeline schlossen, um Erdgas aus dem kaspischen Raum direkt und verlässlich nach Europa zu bringen.
Industriepolitisch haben Ökoenergien und effiziente Kraftwerke der Kerntechnik längst den Rang abgelaufen. Es gibt unter den großen Industrienationen keine einzige, die einer sauberen und zugleich risikoarmen Stromerzeugung so nahe ist wie Deutschland. Als Koalitionspartner hat die Union dies mitgetragen. Sollte sie sich aber durchsetzen, sollte sie Atom-Laufzeiten pauschal verlängern, würde sie diesen Wandel unterminieren.
Den "breiten Energiemix", von dem die Union seit Jahren träumt, wird sie nicht mehr bekommen. Denn diese Harmonie zwischen Kohle, Atom und erneuerbaren Energien funktioniert nur, solange letztere schwach sind. Das aber ist bald vorbei. Rasant fallende Preise, technischer Fortschritt, mehr Anstrengungen für den Klimaschutz: Vieles spricht für Erneuerbare, wenig für Atom und Kohle - übrigens auch von einem ethischen Standpunkt aus. Eine Stromversorgung, die gegenwärtige Generationen und deren Wohlstand begünstigt, künftige aber belastet mit Kohlendioxid und Atommüll, kann effizienten, erneuerbaren Energieformen nur unterlegen sein. Der Kampf für Krümmel und Kernkraft - er ist eine Schlacht der Vergangenheit.
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(SZ vom 14.07.2009/af)
daß auch für den bereits längst vorhanden "Atommüll" eine Lagerung
notwendig ist, unabhängig von einem Ausstiegsbeschluß oder nicht.
Und solange auch die Kernkraftgegner sich dieser Einsicht noch
verweigern und mit ihren (Klamauk-) Aktionen auf sich aufmerksam machen
und die Castortransporte weiter behindern und verteuern wollen mit ihren
Blockaden, solange wird auch am bestehenden Zustand sich wenig ändern.
Auch die weitere Erkundung von anderen Standorten liegt dann auf Eis.
Man muß den "Atommüll" natürlich immer weiter kontrollieren können in
jedem Lager und die Strahlung abklingen lassen.
Auch für eine eventuelle weitere Nutzung mit anderer und
besserer Technologie in der Zukunft darf man sich die Optionen nicht
verbauen, und daran ist bei jeder Lagerung zu denken und darum auch
keine wissenschaftlich und technisch unrealistischen Unsinns-Forderungen
stellen wie der Umweltminister oder das BfS kürzlich mit deren Ideen dazu, die ebenfalls doch nur eine weitere Blockade in Wirklichkeit sind.
Wir brauchen auch keine angedachten Millionen-Jahre Fristen, denn das
gibt es nirgends, auch eine Transmutation liegt ja im Bereich des Machbaren.
Alles, was technisch vor einhundert Jahren nur uns damals sicher
erschien, das ist heute ja auch fast immer noch verbesserungsfähig, und daran ist ebenfalls immer zu denken.
Sicherheit in der Technik ist immer ein variabler Begriff, der sich
auch ändernden Ansprüchen anpassen muß und Risiken stehen immer dem
Nutzen auch gegenüber, wobei die Kostenfrage ebenfalls für alle Menschen eine Rolle spielt, da jeder einzelne auch nicht sich gegen alle denkbaren Risiken absichern kann.
Um eine numerische Analyse des Nutzen-Kosten-Risiken-Verhältnisses kommt man nicht umhin, aber basierend auf den neuesten Erkenntnissen einschließlich auch des drohenden Klimawandels durch weitern CO2-Austoß anderer Energie-Formen pro erzeugter kWh, aber gesamtwirtschaftlich und global betrachtet, denn ohne alle schädliche Emissionen wird auch keine einzige kWh Solar- oder Windstrom erzeugt, auch wenn das die bunten Prospekte vorgaukeln.
selbstaendig
Gucken Sie mal nach, wo Tschechien sein Endlager platziert und vergleichen Sie die dortige Geologie mit der Bayrischen. Kleiner Tipp: das Lager liegt dann näher an Bayern als das Deutsche. Das Schweizer Endlager übrigens auch.
Hat Bayern hat ausschließlich Geologen konsultiert, die anders ausgebildet sind, als die unserer Nachbarn? Oder versucht einfach jeder, den eigenen Dreck so weit wie möglich vom eigenen Wohnzimmer zu verscharren? Dabei wird immer die nationale Bevölkerung berücksichtigt, die jenseits der Grenze wird weniger oft befragt, die stellt ja auch keine Wähler. Unser Gorleben lag seinerzeit übrigens an der DDR-Grenze - keiner ahnte damals, dass das heute mitten im Land sein würde.
In Bayern wird ja Gott sei dank nur Dreck produziert, aber, dank der gloriösen Versprechen unserer CSU niemals nicht ein Endlager errichtet werden.
Vielen Dank für Ihren Buchtipp, schau gleich mal nach :)
Und immer dran denken... Es geht immer noch dümmer.
Dann war die Idee von Albrecht, dem Vater von Gorleben (und von uns Uschi "ich hab 7 Kinder) ja doch nicht so daneben, der wöllte den Müll nach Grönland bringen (oder auf eine Nordseeinsel)
.
Empfehle ein Buch von Thomad Wieczorek:
- Die verblödete Republik -
Untertitel:
Wie uns Medien, Wirtschaft und Politik für dumm verkaufen.
Ich bin keine Befürworterin von Gewalt, aber offen gesagt muss man mildernde Umstände walten lassen, wenn einem Staatsbürger angesichts dieses unsäglichen politischen Personals die Hand ausrutscht und der Watschenbaum mit Getöse umfällt....
Liebe Grüsse
Sandra
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