Kurz vor Ablauf eines Ultimatums der Entführer ist das Schicksal der im Irak verschleppten Deutschen ungewiss - die Bundesregierung bemüht sich weiterhin fieberhaft um ihre Freilassung.

Über das Schicksal der vor rund sechs Wochen im Irak entführten 61-jährigen Hannelore Marianne K. und ihres 20 Jahre alten Sohnes gibt es weiter keine Klarheit.

Anzeige

Die Bundesregierung bemüht sich ungeachtet des ablaufenden Ultimatums der Geiselnehmer weiter fieberhaft um ihre Freilassung. "Der Krisenstab arbeitet unvermindert intensiv", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts am Abend. Zuvor hatte der irakische Vizepräsident Tarik al Haschimi an die Entführer appelliert.

Krause und ihr Sohn waren am 6. Februar im Irak verschleppt worden. Die Entführer, die sich selbst "Pfeile der Rechtschaffenheit" nannten, hatten von der Bundesregierung in einem am 10. März bekannt gewordenen Video verlangt, die deutschen Soldaten aus Afghanistan zurückzuziehen. Zur Erfüllung hatten sie eine Frist bis zum heutigen Dienstag gesetzt.

Sie hatten damit gedroht, die Verschleppten zu ermorden, falls nicht bis zu diesem Tag mit dem Abzug der Bundeswehrsoldaten aus Afghanistan begonnen werde. Da sich die Geiselnehmer zuerst an die Verwandten der Entführten gewandt hatten, wird vermutet, dass es diesen um Lösegeld geht, die politischen Forderungen also nur vorgeschoben sind.

"Wir können uns nicht erpressen lassen"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Montag nach einem Treffen mit dem italienischen Ministerpräsidenten Romano Prodi in Rom erklärt: "Wir können uns nicht erpressen lassen von Leuten, die so Schreckliches mit anderen Menschen machen." Sie äußerte "große Sorge" wegen des Verlaufs der seit dem 6. Februar andauernden Geiselnahme.

Bei ihrem Besuch in Rom drückte Merkel ihrem italienischen Gastgeber zugleich ihre Freude über die Freilassung des in Afghanistan entführten Journalisten Daniele Mastrogiacomo aus. Der Italiener war am Montag nach rund zwei Wochen in den Händen von Taliban-Kämpfern freigekommen.

Auch Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung bekräftigte am heutigen Nachmittag: "Wir sind nicht erpressbar. Wir werden uns weiter intensiv darum bemühen, dass die Geiseln freikommen."

Irakischer Vize appelliert an Geiselnehmer

Der irakische Vizepräsident Tarek al-Haschimi hatte die die Entführer kurz vor Ende des Ultimatums aufgefordert , die Verschleppten sobald als möglich freizulassen. In seiner Erklärung hieß es: Wenn die Iraker dagegen seien, dass die Amerikaner irakische Frauen unrechtmäßig festnähmen, "wie können wir da selbst ein derartiges Benehmen tolerieren?"

Zuvor hatten sich schon Bundespräsident Horst Köhler und islamische Gruppen in Deutschland für die Freilassung der Geiseln eingesetzt.

Ein Berliner Außenamtssprecher erneuerte heute die eindringliche Warnung vor Reisen in den Irak. Am Montag hatte das Auswärtige Amt besonders nachdrücklich die Sorge um die Geiseln betont und vor Reisen gewarnt. Die Entführung zeige überdeutlich, wie gefährlich es für Ausländer im Irak sei.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Pflicht zur Kür

Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...

(dpa/AP)