Ende des Spanischen Bürgerkriegs Der Kampf ist vorbei, der Terror dauert an

General mit klarem Feindbild: Francisco Franco (Mitte)

(Foto: Sueddeutsche Zeitung Photo)

Eine brutal geführte Auseinandersetzung, die Zahl ihrer Opfer war enorm: Am 1. April 1939 endet der Spanische Bürgerkrieg mit dem Sieg der Nationalisten. Das Datum markiert zugleich den Beginn der Franco-Diktatur. In der setzt sich die Verfolgung des "inneren Feindes" fort.

Von Barbara Galaktionow

"Am heutigen Tag haben die nationalen Truppen ihre letzten militärischen Ziele erreicht. Die rote Armee ist entwaffnet und besiegt. Der Krieg ist beendet." Am 1. April 1939 unterzeichnete General Francisco Franco den letzten Heeresbericht des Spanischen Bürgerkrieges. Damit endeten die fast drei Jahre währenden Kämpfe zwischen dem republikanischen Lager und den Putschisten um Franco.

Es war ein grausam geführter Krieg und die Zahl seiner Opfer war immens. Etwa eine halbe Million Menschen wurden in dem Konflikt getötet - und zwar nicht nur in direkten Kampfhandlungen zwischen Soldaten, sondern auch bei Luftangriffen auf Zivilisten, politischen "Säuberungen" und in Folge von Kriegsgerichtsurteilen. Zahllose Menschen wurden verwundet. Zu Kriegsende sind zudem etwa eine halbe Million Spanier ins Ausland geflohen - aus Furcht vor Repressalien der siegreichen Faschisten. 200 000 von ihnen sollten dauerhaft im Exil bleiben.

Als im Juli 1936 nationalistische Militärs gegen die Zweite Republik putschten, war der Ausgang des Bürgerkrieges nicht abzusehen. Im Grunde war nicht einmal klar, dass der Aufstand sich tatsächlich zu einem ausgewachsenen Bürgerkrieg entwickeln würde. "Wenn es ein innerspanischer Konflikt geblieben wäre, wäre der wahrscheinlich innerhalb weniger Tage oder Wochen zum Erliegen gekommen - allein schon aus Munitionsmangel", sagt der deutsch-spanische Historiker Carlos Collado Seidel. Er erforscht seit Jahren Aspekte des Bürgerkriegs und der Franco-Dikatur.

Ein bisschen Beteiligung von Nazi-Deutschland

Auch eine schnelle Niederschlagung des Konflikts wäre möglich gewesen, wenn Frankreich dem unmittelbar erfolgten Hilfeersuchen der demokratisch gewählten Madrider Regierung nach Waffenlieferungen gefolgt wäre, so Collado Seidel. Doch die schwache Volksfront-Regierung in Paris hörte nicht auf den Ruf der südlichen Nachbarn, sondern orientierte sich an Großbritannien. Und das konservative London zeigte kein Interesse an der Unterstützung einer irgendwie linksgerichteten Republik.

Entscheidend für den Verlauf des Krieges wurde daher das Engagement der späteren Achsenmächte Deutschland und Italiens. Die unterstützten das nationalistische Lager massiv mit Truppen und Kriegsgerät. Wie wirksam und zugleich brutal der Einsatz der deutschen Legion Condor in Spanien war, zeigte sich beim völkerrechtswidrigen Angriff auf Guernica: Gemeinsam mit italienischen Verbänden legte die deutsche Luftwaffe die baskische Stadt am 26. April 1937 in Schutt und Asche.

Doch was bewog die NS-Diktatur unter Adolf Hitler zum Einsatz im relativ fernen Spanien? "Wir beteiligen uns so ein bißchen in Spanien. Nicht sichtbar. Wer weiß, wozu es gut ist." Was Hitlers Propagandaminister Joseph Goebbels in sein Tagebuch notierte, klingt nicht gerade nach einer dezidierten Strategie. Im Gegensatz zur Mittelmeermacht Italien, der eine klare Absicht unterstellt wird, ihren Einflussbereich zu erweitern, wurde über die deutschen Motive in der Forschung lange heftig debattiert.

Halbherziges Engagement der Sowjets

Dabei hat sich weitgehend die Überzeugung durchgesetzt, dass es eine etwas diffuse Mischung aus ideologischen und geostrategischen Überlegungen war, die hier eine Rolle spielten: So trieb Hitler die Angst vor einer "Bolschewisierung" in Spanien und womöglich auch Frankreich um. Er wollte nicht von kommunistischen Staaten eingekeilt sein, sondern hoffte auf ein "dem 'Dritten Reich' dankbar verbundenes, nationales Spanien, das dazu beiträgt, den 'Erbfeind' Frankreich von zwei Seiten unter Druck zu setzen", sagt Collado Seidel.

Überlegungen, den Spanischen Bürgerkrieg als "militärisches Experimentierfeld" (Luftwaffen-Oberbefehlshaber Hermann Göring) nutzen zu können, die häufig als Grund für die deutsche Kriegsbeteiligung genannt werden, gewannen demgegenüber erst im Laufe des Krieges an Bedeutung.

Deutscher Vernichtungsangriff: Die baskische Stadt Guernica nach dem Bombardement durch die deutsche Legion Condor

(Foto: dpa)

Im Gegensatz zu den Putschisten erhielt das republikanische Lager nur zögerlich Unterstützung aus dem Ausland. Die Sowjetunion sah sich erst durch die massive Militärhilfe Hitlers und Mussolinis dazu gezwungen, ebenfalls in den Konflikt in Spanien einzugreifen. "Moskau kam der Hilferuf aus Madrid zunächst überhaupt nicht gelegen", stellt Spanien-Experte Collado Seidel fest. Im Inneren waren Stalins Säuberungen in vollem Gange. Und außenpolitisch strebte der Sowjetführer eine gegen Hitler-Deutschland gerichtete Übereinkunft mit Großbritannien an.

Mit Blick auf die Westmächte beabsichtigte Stalin denn auch nicht die unmittelbare Errichtung eines sozialistischen oder gar kommunistischen Staates, wie von manchen Verteidigern der Zweiten Republik erhofft. Ihm ging es vor allem um die Abwehr des Faschismus. Die sowjetische Hilfe für die Verteidiger der spanischen Republik war zudem weniger kontinuierlich als die aus Berlin und Rom für die Franco-Truppen.