Von Von Rudolph Chimelli

Der Rückkehr-Appell von Israels Premier Ariel Scharon verärgert in Frankreich auch die Juden.

Frankreich ist das Land von Alfred Dreyfus, durch dessen Prozess Theodor Herzl einst die Grundidee des Zionismus fasste, nach der Juden auf Dauer niemals gefahrlos in einer nichtjüdischen Gesellschaft leben könnten. Wenn Israels Premierminister Ariel Scharon die französischen Juden aufruft, so schnell wie möglich nach Israel zu übersiedeln, weil in ihrer derzeitigen Heimat "der wildeste Antisemitismus tobt", so rührt er noch mehr als hundert Jahre später an eine wunde Stelle. Regierung, jüdische Organisationen und die Medien in Frankreich reagierten mit einhelliger Empörung.

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Das Außenministerium in Paris bezeichnet Scharons Worte als inakzeptabel. Jean-Louis Debré, der Präsident der Nationalversammlung, beschuldigt den Israeli einer "feindseligen Haltung", denn dies sei nicht seine erste Äußerung solcher Art gewesen.

"Scharon weiß, dass Frankreich nicht antisemitisch ist"

Nach den Worten des Ehrenvorsitzenden des Dachverbandes jüdischer Organisationen (CRIF), Théo Klein, soll Scharon der Judengemeinde Frankreichs ihre Probleme überlassen. "Es ist nicht seine Sache, für uns zu entscheiden." Mit etwa 600.000 Mitgliedern hat Frankreich die stärkste jüdische Gemeinschaft in Westeuropa. Aber, so wird ein Mitarbeiter von Großrabbiner Joseph Sitruk in den Medien zitiert: "Frankreichs Juden, das will nichts heißen. Es gibt französische Bürger, die Juden sind, so wie andere eine andere Religion haben. Wir sind Teil der Seele dieses Landes."

Verpflanzung des Palästina-Konfliktes

Den Angriff Scharons findet der Figaro in doppelter Hinsicht unwürdig: "Weil Frankreich nicht antisemitisch ist. Weil Scharon weiß, dass Frankreich nicht antisemitisch ist."

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