Elterngeld Plus Mama kann bald früher arbeiten

Bislang nimmt das Gros der Väter, nämlich fast 80 Prozent, nur die zwei Monate Elternzeit in Anspruch, die notwendig sind, damit Eltern die Leistung für die vollen 14 Monate erhalten. Das soll sich nun ändern.

(Foto: dpa)

Teilzeit arbeiten ohne Einbußen beim Elterngeld - das soll Eltern künftig möglich sein. Mit dem Elterngeld Plus will das Kabinett zudem Vätern mehr Zeit mit der Familie ermöglichen. Familienministerin Schwesig bringt noch eine weitere Lieblingsidee wieder ins Spiel.

Von Barbara Galaktionow

Elterngeld bekommen und gleichzeitig Teilzeit arbeiten - das lohnt sich bislang für Eltern kaum. Denn das Einkommen wird mit dem Elterngeld verrechnet, Mütter und Väter verlieren also einen Teil ihres Elterngeldanspruchs. Das bedeutet faktisch, dass vor allem Mütter für ein Jahr ganz vom Arbeitsmarkt ferngehalten werden, wenn sie nicht Einbußen hinnehmen wollen.

Dieses Dilemma soll nun behoben und zugleich eine gleichmäßigere Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit zwischen Frauen und Männern gefördert werden. Das Kabinett brachte am Vormittag das sogenannte Elterngeld Plus auf den Weg. Es ermöglich künftig, Teilzeit zu arbeiten, ohne finanzielle Einbußen beim Elterngeld hinnehmen zu müssen. Eltern, die sich die Betreuung ihres Kindes teilen, erhalten zudem einen Partnerschaftsbonus.

Die Neuerungen im Überblick:

  • Teilzeit arbeiten wird nicht mehr bestraft: Bislang erhielten Eltern maximal 14 Monate Elterngeld. Dieser Zeitraum kann mit dem Elterngeld Plus verdoppelt werden. Teilzeit arbeitende Mütter und Väter erhalten dann das Elterngeld in voller Höhe - nur eben gestreckt auf einen Zeitraum von 28 Monaten. Faktisch können so vor allem Mütter nach der Geburt eines Kindes wieder früher in den Beruf einsteigen, ohne finanzielle Einbußen beim Elterngeld hinnehmen zu müssen. Mehr als 90 Prozent der Frauen bleiben bislang zehn bis zwölf Monate zu Hause, wie vor Kurzem eine Anfrage der Linke-Bundestagsfraktion ergab.
  • Partnerschaftliche Aufteilung wird belohnt: Wenn Eltern sich die Betreuung ihres Kindes teilen, erhalten sie mehr Elterngeld. Arbeiten Mütter und Väter während des Elternzeitbezugs zeitgleich für mindestens vier Monate zwischen 25 und 30 Wochenstunden, erhalten sie jeweils zusätzlich für vier Monate Elterngeld Plus. Damit wird der Tatsache entgegengesteuert, dass das Gros der Väter, nämlich fast 80 Prozent, bislang nur die zwei Monate Elternzeit in Anspruch nimmt, die notwendig sind, damit Eltern die Leistung für die vollen 14 Monate erhalten. Wie die Linke-Anfrage zeigte, nehmen gerade einmal 1,5 Prozent der Eltern die Elterngeldzeit gleichermaßen in Anspruch, nämlich jeder für sieben Monate.
  • Mehr Zeit für Kinder, wenn es notwendig ist: Die Elternzeit wird künftig außerdem flexibler. Schon bisher können Eltern bis zum 3. Geburtstag eines Kindes eine unbezahlte Auszeit vom Job nehmen - das bleibt. Bald haben sie zudem das Recht, zwischen dem 3. und dem 8. Geburtstag ihres Kindes 24 statt wie bislang zwölf Monate zu pausieren, und zwar ohne Zustimmung ihres Arbeitgebers.
  • Eindeutigkeit bei Mehrlingen: Die bislang unklare Regelung bei Mehrlingsgeburten wird nun deutlich bestimmt. Demnach haben Eltern von Zwillingen, Drillingen und Co. nur Anspruch auf einmal Elterngeld, erhalten aber für jedes weitere Mehrlingskind einen Zuschlag in Höhe von 300 Euro pro Monat. Diese Regelung tritt bereits zum 1. Januar 2015 in Kraft, alle anderen zum 1. Juli 2015.

Das Ziel der Neuregelungen ist klar: Man setze mit dem Elterngeld Plus auf einen gesellschaftlichen Trend, teilt Familienministerin Manuela Schwesig mit: "Viele Mütter möchten früher wieder in ihren Beruf einsteigen - viele Väter möchten sich gern mehr um ihre Kinder kümmern."

Tatsächlich hatten verschiedene Umfragen in jüngster Zeit ergeben, dass sich viele Eltern eine gleichmäßige Aufteilung von Broterwerb und der Sorge um Familie und Haushalt wünschen, doch nur die wenigsten danach leben. Sie zeigten zudem, dass auch viele Väter gerne mehr Zeit für ihre Familie hätten, sich aber immer noch in ihrer Rolle als Ernährer gefangen sehen und zudem berufliche Nachteile befürchten, wenn sie weniger arbeiten. Die Erweiterung der bisherigen Elterngeldregelung könnte Familien also helfen, in der Gesellschaft insgesamt, aber auch beim Arbeitgeber mehr Akzeptanz für eine neue Verteilung der Aufgaben zwischen Müttern und Vätern zu schaffen.

Ministerin Schwesig bringt außerdem noch eine andere Idee erneut ins Spiel, bei der sie Anfang des Jahres von Regierungschefin Angela Merkel zurückgepfiffen wurde: die Familienarbeitszeit. Diese sieht vor, dass Eltern kleiner Kinder nur 32 Stunden pro Woche mit vollem Lohnausgleich arbeiten sollen. "Das Elterngeld Plus ist der erste Schritt auf dem Weg zu einer Familienarbeitszeit", so Schwesig.

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Sie arbeiten fast immer Vollzeit und wollen doch super Papis sein: Die gesellschaftlichen Erwartungen an Väter sind groß. Doch bringen Männer tatsächlich auch ihre Kinder ins Bett - oder doch nur das Geld heim? Und was erwarten sie von der Politik? Einige Väter haben uns Auskunft gegeben. Protokolle: Barbara Galaktionow mehr ...

Linktipp: Alles Wissenswerte zur bisherigen Elterngeld-Regelung finden Sie im SZ.de-Ratgeber Elterngeld.