Er soll an der Grenze genauso gelten wie im Internet - der neue elektronische Personalausweis. Doch kurz vor dem Start warnen Kritiker vor Datenmissbrauch.
Wenige Monate vor dem Start des elektronischen Personalausweises werden zunehmend Bedenken laut. "Der neue Ausweis suggeriert den Verbrauchern eine trügerische Sicherheit", sagt Cornelia Tausch, Datenschutz-Expertin beim Bundesverband der Verbraucherzentralen in Berlin. "Bevor er eingeführt wird, muss die Bundesregierung unbedingt eine breit angelegte Informationskampagne starten, damit Bürger und Verbraucher über die damit verbundenen Chancen und Risiken umfassend aufgeklärt werden." Der Innenexperte der Grünen, Wolfgang Wieland, kritisiert: "Es entsteht eine teure, unsichere Datenhalde mit biometrischem Zusatzrisiko - ohne erkennbare Notwendigkeit."
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Der neue Personalausweis hat viele Kritiker. (© Foto: AP)
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Zuvor hatten bereits FDP-Politiker Zweifel erkennen lassen. Die Bundestagsabgeordneten Christian Ahrendt und Gisela Piltz brachten eine Verschiebung um zehn Jahre ins Gespräch, die sie allerdings ausschließlich mit den Kosten des Projekts begründeten. "Der E-Personalausweis wird für den Bürger immer teurer", hatten die beiden am Wochenende mitgeteilt. Obwohl der Sinn des Ausweises von Experten angezweifelt werde, sollten weitere sieben Millionen Euro für Werbung ausgegeben werden. Schon im Rahmen des Konjunkturpakets seien 80 Millionen Euro "verpulvert" worden, "um der Wirtschaft das Projekt schmackhaft zu machen, obwohl es keinen Bedarf dafür gibt". Wegen der angespannten Haushaltslage sollte deshalb ernsthaft eine Verschiebung erwogen werden, schrieben Piltz und Ahrendt.
Das Bundesinnenministerium wies die Kritik zurück. "Die Einführung des elektronischen Personalausweises wird auf breiter Ebene in Wissenschaft und Wirtschaft unterstützt", sagte eine Sprecherin am Montag. Verschiedene europäische Länder, wie die Niederlande, Spanien, Portugal oder Estland, hätten ihn bereits eingeführt.
Ausweis auch für das Internet
Geplant ist, dass der neue Ausweis im November an den Start geht. Anders als die bisherigen Personalausweise soll er gleich zwei Funktionen erfüllen: Zum einen dient er als amtliches Ausweisdokument, zum anderen ermöglicht er mit Hilfe eines Lesegeräts die Identifikation im Internet. Das soll die Kommunikation mit Behörden und Dienstleistern aus der privaten Wirtschaft deutlich erleichtern. Beispielsweise beim Online-Shopping oder Internet-Banking könnte er zum Einsatz kommen. Einige Ämter und Unternehmen testen den Ausweis bereits.
Der neue Ausweis ist nur noch so groß wie eine EC-Karte. Statt auf einem Magnetstreifen sind die Daten auf einem RFID-Chip gespeichert, und zwar verschlüsselt. Die Daten werden zudem verschlüsselt übertragen. Jeder Ausweis enthält Informationen zur Identitätsfeststellung sowie ein digitales Foto. Zusätzlich kann der Inhaber auf freiwilliger Basis zwei Fingerabdrücke speichern lassen und eine digitale Signatur beantragen. Mit dieser kann er bei Bedarf online rechtsgültige Unterschriften leisten.
Datenschützer zweifeln
Auch wenn die Bundesregierung betont, dass sie Wert auf größtmögliche Sicherheit gelegt habe, haben Datenschützer doch erhebliche Zweifel. Beispielsweise kritisieren sie, dass die auf dem Chip gespeicherten Daten per Funk ausgelesen werden. Damit sei es denkbar, dass Kriminelle eines Tages unbemerkt Ausweise im Vorbeigehen auslesen oder sogar die Daten verändern.
Beim Einsatz im Internet allerdings muss der Ausweisinhaber seine Daten erst über eine sechsstellige PIN freigeben. Das soll Missbrauch verhindern. Trotzdem verbleibt beim Nutzer zunächst die Ungewissheit, ob sein Gegenüber tatsächlich die gewünschte Behörde oder Firma ist. Um dem abzuhelfen, müssen Ämter und Unternehmen, die Daten aus dem Ausweis abfragen wollen, erst ein sogenanntes Berechtigungszertifikat beantragen. Es zeigt dem Nutzer, dass sie befugt sind, seine Daten abzufragen.
Trotz dieser Vorkehrungen hat Verbraucherschützerin Tausch Bedenken. Zwar könne der Ausweis Geschäfte im Internet sicherer machen, doch "Erfahrungen in anderen Ländern zeigen, dass immer mehr Firmen den Einsatz des elektronischen Ausweises verlangen", sagt sie. "Das führt schnell zu einer Datensammelwut." Zudem befürchtet Tausch, dass Verbraucher das Berechtigungszertifikat mit einem Seriositätssiegel verwechseln. "Dabei sagt es nichts darüber aus, ob ein Unternehmen gute Qualität oder verbraucherfreundliche Geschäftsbedingungen hat." Ähnliche Kritik äußert auch Grünen-Politiker Wieland und rät deshalb: "Am meisten wird gespart, wenn man das Projekt jetzt beerdigt."
Zoff im Bundesgerichtshof: Eine Personalie führt zu heftigen Verwerfungen – die Akte Karlsruhe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(SZ vom 2.2.2010/wolf)
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...Alu einpacken =)
blog.fefe.de/?ts=b596cac4
den weiterführenden link sollte man auch lesen.....
Als elektronischer Personalausweis verkauft er sich einfach besser, als unter der Bezeichnung elektronische Fußfessel.
Wem gehört er? Dem Staat oder dem Bürger der einen Haufen Geld bezahlt hat- ist da Garantie oder Gewährleistung drauf?
Bewiesen ist, dass man die Funksignale aus relativ großer Entfernung lesen kann, alles andere ist Software... kennt jemand Software die noch nicht gehackt wurde?
@carpaccio: danke für den BSI-Link. Dann bitte aber auch das Dokument richtig lesen. Die 2.5m theoretischer Lesedistanz dort gelten unter Laborbedingungen für ungesicherte Daten auf einer unverschlüsselten Verbindung ohne Authentisierungsverfahren. Das Lesen einer "ahnungslosen" Karte durch ein "bösen" Lesegerät ist sehr viel schwieriger.
Wie man es auch dreht und wendet: der neue Personalausweis ist kein Werkzeug zur Herstellung eines Polizeistaats. Der gläserne Bürger dagegen ist bei Facebook, Google und Ebay, sowie bei den gängigen Adressenhändlern längst in den Datenbanken vorhanden.
Sorry, das Zusammensuchen und Testen der Links hat ein paar Minuten gedauert. Leider sind nicht alle Dokumente, die ich zum Lesen empfehlen würde, öffentlich verfügbar.
Zum Thema eID in anderen EU-Ländern siehe die IDABC-Studie:
http://ec.europa.eu/idabc/en/document/6484/5644 (leider keine leichte Lektüre... dafür aber in allen EU-Amtssprachen erhältlich...)
Zum Thema Sicherheit vor unbefugtem Auslesen :
https://www.bsi.bund.de/cln_156/ContentBSI/Themen/elekausweise/rfid/RFIDStudie/rfidstudie.html
Gruß,
Kuchen.
Paging