Der Zentralrat der Juden verteidigt sein Fernbleiben von der Bundestags-Gedenkstunde - und erhebt schwere Vorwürfe gegen Parlamentspräsident Lammert.

Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, hat das Fernbleiben vom Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus im Bundestag verteidigt - und Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) scharf angegriffen.

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Bundestagspräsident Norbert Lammert wird vom Zentralrat der Juden scharf angegriffen. (© Foto: AP)

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Der Zentralrat hatte aus Verärgerung darüber, dass seine Vertreter in der Vergangenheit bei der Veranstaltung kein einziges Mal offiziell begrüßt worden waren, nicht an der Veranstaltung teilgenommen.

Kramer verwahrte sich gegen die Erklärung, Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) habe den Vorgang erst aus der Presse erfahren. "Das ist eine glatte Lüge", sagte Kramer der in Potsdam erscheinenden Märkischen Allgemeinen. Lammert wisse seit ungefähr zehn Tagen durch sein eigenes Protokoll von den Absagen.

Es habe eine Sitzung des Präsidiums des Bundestages gegeben, in der diese Frage diskutiert worden sei. Daraufhin habe die Protokollchefin mit ihm Kontakt aufgenommen, sagte Kramer. Er habe ihr seine Beweggründe für das Fernbleiben erklärt.

Die Protokollchefin habe ihm dann vergangene Woche die Antwort von Herrn Lammert mitgeteilt: "Das könne man ja nun für die bevorstehende Feierstunde nicht mehr ändern, aber es wäre schön, wenn Frau Knobloch oder Herr Kramer ihn doch mal anrufen würden. Und da muss ich sagen, irgendwann reicht's", empörte sich Kramer.

Der Generalsekretär des Zentralrats griff Lammert auch direkt an. Auf den Einwand, dass dieser sich doch für die Aufarbeitung der Vergangenheit immer sehr engagiert habe, sagte der Generalsekretär der Märkischen Allgemeinen: "Da täuschen Sie sich. Das wird an den Zwischentönen deutlich."

Fehlende emotionale Nähe

Lammert habe es auch abgelehnt, eine Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht im Bundestag durchzuführen, mit der Begründung, dass andere sonst auch Gedenkveranstaltungen machen wollen würden. "Da hat sich in der Tat eine Menge angesammelt", sagte Kramer.

Kramer betonte zudem, dass das Fernbleiben von der Gedenkveranstaltung kein Alleingang von ihm sei, sondern eine gemeinsame Entscheidung des Zentralrats. In einem Beitrag für die Welt betonte er zudem, dass die Absage keine Reaktion sei, "die der Eitelkeit einiger jüdischer Repräsentanten geschuldet" sei.

Es sei vielmehr eine Reaktion darauf, "dass es in Deutschland über 60 Jahre nach dem Holocaust integrales Selbstverständnis sein sollte, seine Solidarität mit den Überlebenden sowie seine Loyalität zu den Nachgeborenen nicht nur protokollarisch, sondern auch emotional zu dokumentieren".

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