Pöbelnder Premier: Silvio Berlusconi wittert überall "linke" Feinde, nachdem Italiens Verfassungsrichter den Weg für seine Strafverfolgung frei gemacht haben. Ungeniert brüskiert der Regierungschef auch Staatspräsident Napolitano - und nennt eine politische Gegnerin "schöner als intelligent".
Nach der Entscheidung des italienischen Verfassungsgerichts, die Immunität von Ministerpräsident Silvio Berlusconi aufzuheben, hat sich der Regierungschef empört gezeigt - und setzte rundum verbale Angriffe.
Gibt sich als Opfer linker Juristen: Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi. Diese Aufnahme entstand im Frühjahr. (© Foto: dpa)
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Die Justiz, politische Gegner, die Medien und sogar Staatspräsident Giorgio Napolitano - alle bedachte Berlusconi mit markigen Worten.
Bei einem Telefoninterview in der TV-Show "Porta a Porta" sagte der schwerreiche Premier am späten Mittwochabend zunächst zu einer Oppositionspolitikerin: "Sie sind hübscher als intelligent." Gemeint war die Abgeordnete Rosy Bindi von der linken PD.
Berlusconi war sichtlich aufgebracht und meinte, das ganze Land sei "links" und "kommunistisch".
Das Verfassungsgericht bezeichnete der Medienmogul und Ministerpräsident als "rot" und "kommunistisch durchsetzt". Die oberste Rechtsinstanz des Landes sei ein "politisches Organ", das von den Linken beherrscht werde.
Wörtlich sagte der Chef der Mitte-rechts-Koalition: "Ich habe nie daran geglaubt, dass die Norm bestätigt würde bei elf linken Richtern." Auch die Medien favorisierten die Linken, erklärte der Milliardär, der selbst über ein Medienimperium verfügt.
Staatsoberhaupt Napolitano bezeichnete Berlusconi als parteiisch. Der Präsident hatte zuvor erklärt, er respektiere die Entscheidung der Verfassungsrichter. Berlusconi erklärte daraufhin, ihn interessiere die Meinung des Präsidenten nicht. "Man weiß doch, auf welcher Seite er steht", sagte ein sichtlich gestresst wirkender Berlusconi am Mittwochabend vor seiner Residenz.
Aus dem Präsidentenpalast kam auf diesen Vorwurf umgehend eine scharfe Reaktion: "Jeder weiß, auf welcher Seite der Präsident steht. Auf der Seite der Verfassung, und er übt seine Funktionen mit absoluter Unparteilichkeit aus."
Berlusconis wenig staatsmännische Erwiderung, es interessiere ihn nicht, was der Staatschef erkläre, sorgte bei der Opposition für Proteste. Solche Äußerungen seien in anderen Ländern unmöglich, "und waren es bis vor einigen Jahren auch in Italien", sagte der Generalsekretär der Demokratischen Partei, Dario Franceschini. Berlusconis Verhalten sei vollkommen "unverantwortlich".
Das Verhältnis des rechten Regierungschefs zu Napolitano ist seit jeher äußerst schwierig gewesen. Der 84-Jährige kämpfte einst gegen die Faschisten und trug maßgeblich dazu bei, dass die italienischen Kommunisten sich zu einer sozialdemokratischen Partei wandelten.
Trotzige Sprüche mit geballter Faust
Das Verfassungsgericht hatte am Mittwoch eine bisher geltende Immunitätsregelung für verfassungswidrig erklärt, die von Berlusconis Regierung im Juli 2008 verabschiedet worden war. Berlusconi muss nach dem Urteil mit der umgehenden Wiederaufnahme von zwei Korruptionsverfahren rechnen.
Berlusconi hatte noch vor kurzem erklärt, er werde unabhängig von der Entscheidung des Gerichts dem Wählerauftrag treubleiben und "auf jeden Fall bis zum Ende der Legislaturperiode weiterregieren". Und der Chef der ausländerfeindlichen, rechtspopulistischen Regierungspartei Lega Nord, Umberto Bossi, hatte noch kurz vor der Urteilsverkündung gedroht, das Gericht wolle doch wohl kaum "den Zorn des Volkes heraufbeschwören".
Trotz des Urteils werde er an der Spitze der Regierung bleiben, betonte Berlusconi. Die Gerichtsverhandlungen gegen ihn seien eine Farce. "Es lebe Italien und es lebe Berlusconi" rief der Ministerpräsident mit geballter Faust nach der Urteilsverkündung.
Zoff im Bundesgerichtshof: Eine Personalie führt zu heftigen Verwerfungen – die Akte Karlsruhe. Seite Drei Jetzt lesen ...
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(dpa/Reuters/AFP/odg)
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Italien kommunistisch unterwandert? Mag sein. Aber was ist das gegen die schlimmste aller bekannten europäischen Demokratie.Malaisen - den Berlusconismus?
Die schlimmste aller denkbaren Krankheiten; der Hyperlativ demokratisch-pathologischen Verfalls. Silvio als "Primus super Pares". Oder, ums ein bischen populärer zu formulieren: Der Mann hat einen Hau, einen Super-Hau.
"Berlusconi: Italien ist kommunistisch unterwandert"
Das ist wohl Pate McCarthy's Auftritt in dieser operettenhaften Realsatire der Berlusconi-Regie.
"Berlusconi war sichtlich aufgebracht und meinte, das ganze Land sei "links" und "kommunistisch"."
Klingt irgendwie nach einem Beitrag von ..., was er sagt.
Aber im Ernst, fuer mich ist das eine Knalltuete und es spricht nicht fuer die Konkurrenz, dass so einer (wiederholt!) gewaehlt wird.
Wenn ich schon hoere "huebscher als intelligent" - da kann man nur auf einen Uebersetzungsmangel hoffen.
Italien ist nicht Rumänien oder Deutschland, die haben schon Präsidenten gestürzt als bei uns noch Zeitungspapier als Klopapier benutzt wurde!
Seit 1946 waren es genau 43. Wenn in Italien der Präsident das Volk belügt oder eine Verfassung in Gefahr bringt, dann steht dieser bald im Exil. Das war bei König Viktor Emanuel schon so und Berlusconis Freund Craxi erging es ebenso, nach dem man ihn mit Geld beworfen hatte und ins Exil schickte. Die wissen, wie man ihre Politiker erzieht. Die Italiener haben eine Unmenge an Freiheiten, traurig ist, dass so viele mit dieser Freiheit nicht umgehen können und damit laufen sie Gefahr, dass es ihnen irgend wann genau so ergeht wie uns: Überwachung, überall Radarkontrollen, Verfassungsverstümmelung, Hausbesuche aus Präventivmaßnahmen etc.
In Italien ist die Justiz tatsächlich unabhängig von der Politik. In Deutschland dagegen ist die Politik bzw. das Justizministerium weisungsbefugt. Deshalb können viele Skandale einfach unter den Teppich gekehrt werden. Wenn ein mutiger Staatsbediensteter sich nicht an die Weisungen hält wird er mundtot gemacht und nach Hinterhuglhapfingdorf versetzt.
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