Der Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit hat den tschechischen Präsidenten Vaclav Klaus durch sein Begrüßungsgeschenk in Rage versetzt.
Bei einem Treffen zwischen dem europaskeptischen Präsidenten Tschechiens, Vaclav Klaus, und Abgeordneten des Europaparlaments in Prag ist es am Freitag offenbar zu einem Eklat gekommen.
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Tschechiens Präsident Vaclav Klaus, selbsternannter "EU-Dissident". (© Foto: dpa)
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Der deutsch-französische Europaabgeordnete Daniel Cohn-Bendit (Grüne) habe den Staatschef stark provoziert, sagte der Bürochef von Klaus, Jiri Weigl, der tschechischen Nachrichtenagentur CTK: "Ich muss wirklich sagen, dass ein derartiger Gesprächston und -stil mit unserem Staatschef in diesen Räumen seit Jahrzehnten nicht erklungen ist." Welche Aussagen genau den Staatschef erzürnten, teilte Weigl nicht mit.
Nach Berichten der tschechischen Medien befragte Cohn-Bendit Klaus zu seinen Beziehungen zu der irischen Bewegung Libertas, die vor dem Referendum zum Lissabon-Vertrag erfolgreich eine "Nein"-Kampagne in ihrem Land angeführt hatte. Klaus hatte sich während einer dreitägigen Irland-Reise im November mit dem Libertas-Chef und Milliardär Declan Ganley getroffen.
Zusätzlichen Zorn des tschechischen Staatschefs zogen sich die EU-Abgeordneten laut Medienberichten durch ihr Begrüßungsgeschenk zu. Cohn-Bendit hatte dem Präsidenten eine EU-Flagge mitgebracht. Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering (CDU) übergab Klaus die Flagge mit der Bitte, sie über seinem Amtssitz zu hissen.
Daraufhin habe Klaus, der sich selbst als "EU-Dissident" bezeichnet, Fragen nicht mehr beantworten und das Treffen abbrechen wollen, sagte Cohn-Bendit der Internetzeitung "Aktualne.cz". Erst EU-Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering sei es gelungen, das aufgebrachte Staatsoberhaupt zu beruhigen. Klaus hatte jüngst angekündigt, während der tschechischen EU-Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr 2009 nicht dauerhaft die blaue Flagge mit den gelben Sternen hissen zu wollen.
Jiri Weigl, Leiter der Präsidialverwaltung, sprach von einer "großen Provokation".
Cohn-Bendit sprach von einem "verrückten Treffen", bei dem sich Klaus "paranoid" verhalten habe. Klaus hatte die Spitzen der EU-Parlamentsfraktionen im Vorfeld der zum Jahreswechsel beginnenden tschechischen EU-Ratspräsidentschaft empfangen.
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(sueddeutsche.de/AFP/dpa/jkr)
daß Tschechen u. vor allen Dingen Polen in die EU aufgenommen werden, aber Claus ist die Bor.iert.heit in Person. Ich lebe meist in der Tschechei u. das schon fast seit 10 Jahren u. was ich in dieser Zeit an Äußerungen von diesem Politiker, der sich für einen sehr guten Ökonomen hält (wahrscheinlich, weil seine Schwester in den USA lebt), ist wahrlich nicht der "wahre Jakob"! Trotzdem ist er bei vielen Tschechen beliebt. Er ist der Abklatsch der hiesigen Mentalität : das Geld der EU ja; die EU nein (früher war's die DM u. die Deutschen ).
danke watra, endlich jemand mit mut. ich selber bin pole und habe mit entsetzen die hetzjagd auf kaczynski in deutschen medien mitverfolgt. und jetzt das hier in prag! was läuft eigentlich in diesem europa für ein film ab?!
herzliche grüsse
... oder einfach unkritische Übernahme der Presseaussendungen: inzwischen sind die Stenogramme dieses Treffens publiziert und in einige Sprachen übersetzt worden. Als Erstes entsetzt der Ausmaß der Arroganz von Cohn-Bendit ("Ihre Meinung interessiert mich nicht", "Sie können denken, was Sie wollen") und Pöttering ("Nein, wir haben alle Zeit der Welt und meine Kollegen werden so viel und das sagen, was sie wollen").
An welcher Stelle ist Klaus "ausgeflippt" ??? ("Ich muß zugeben, dass seit 19 Jahren niemand mehr in diesem Ton mit tschechischen Präsidenten gesprochen hat", "Ich badanke mich für diese neue Erfahrung - ich dachte nicht, dass so etwas möglich ist").
Sind das nicht die gleichen zynischen, propagandistischen Methoden, die viele deutschsprachige Medien während der Diskussion um die Stimmenrechnung in der EU gegen den polnischen Staatspräsidenten angewandt haben? Nur damals war "Die Welt" eine der wenigen, die Mut hatte, eine objektive Stellung einzunehmen.