Tschechiens Noch-Ministerpräsident Topolanek geht auf die USA los: Im EU-Parlament nennt er Obamas Konjunkturpolitik "einen Weg zur Hölle".
Mirek Topolanek wollte eigentlich über den Brüsseler EU-Gipfel in der zurückliegenden Woche berichten. Stattdessen sorgte der gestürzte Prager Regierungschef im Europaparlament für einen Eklat. Er nannte die milliardenschweren US-Konjunkturhilfen einen "Weg in die Hölle". Die Versicherung des EU-Ratspräsidenten, er wolle alles tun, damit der Lissabon-Reformvertrag der EU in seinem Heimatland doch noch ratifiziert werde, ging am Mittwoch in der Polemik um seine Äußerungen über die USA fast unter.
Topolanek am Mittag im EU-Parlament. (© Foto: AFP)
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Topolanek stellte sich der europäischen Volksvertretung, obwohl seine Regierung am Dienstag an einem Misstrauensvotum im Prager Parlament gescheitert war. Derzeit ist er also nur interimistisch im Amt.
Schulz: "Sie repräsentieren sich selbst"
Die EU-Abgeordneten waren sehr erstaunt, weil der Gastgeber des Weltfinanzgipfels in der kommenden Woche in London, Großbritanniens Premier Gordon Brown, am Vortag voll des Lobes für die neue Regierung von Präsident Barack Obama gewesen war. "In den vergangenen Jahren haben wir nie eine US-Führung gehabt, die so darum bemüht war, auf allen Ebenen mit Europa zur Finanzstabilität zusammenzuarbeiten...", hatte der Londoner Regierungschef gesagt.
Der kantige Zwei-Meter-Mann Topolanek hat hingegen ein sehr negatives Bild der Washingtoner Krisenpolitik. Die US-Konjunkturhilfen würden die Stabilität der globalen Finanzmärkte untergraben. Das nötige Geld solle auch durch Waffenverkäufe verdient werden. Delikat daran ist, dass sich Topolaneks Land weiter als Radar-Stützpunkt für die umstrittene US-Raketenabwehr in Europa anbietet. Nach nur drei Monaten als EU-"Vorsitzender" bekam der 52-jährige Prager Noch-Regierungschef kräftigen Gegenwind aus dem Parlament.
"Das ist nicht die Ebene, auf der die Europäische Union mit den USA zusammenarbeiten kann", empörte sich der streitbare Vorsitzende der Sozialisten, Martin Schulz. Zu Topolanek gewandt, ging der deutsche Sozialdemokrat zum persönlichen Angriff über: "Sie repräsentieren nicht den Rat der Europäischen Union, Sie repräsentieren sich selbst."
Der konservative Topolanek, der im kleinen Kreis nicht das offene Wort scheut und unkonventionell auftritt, vermied vor den Abgeordneten eine Antwort. "Ich will nicht den Fehler von Herrn Berlusconi wiederholen." Vor sechs Jahren hatte Silvio Berlusconi, auch damals schon Regierungschef in Rom, Schulz witzelnd als Idealbesetzung für den Kapo in einem KZ-Film bezeichnet und damit erhebliches Aufsehen ausgelöst.
"Das haben Sie wohl falsch verstanden"
Topolanek, der gelernte Maschinenbauer, konnte den Abgeordneten indes nicht erläutern, wie es mit seiner EU-Ratspräsidentschaft weitergehen wird. Es hängt jetzt vor allem von dem europaskeptischen tschechischen Präsidenten Vaclav Klaus ab, wie lange er die Mitte-Rechts-Koalition von Topolanek noch im Amt lässt. Ganz neu ist die Situation eines Regierungssturzes während einer EU-Präsidentschaft nicht; dies passierte schon mehrmals, so 1993 in Dänemark und 1996 in Italien.
Der tschechische Vizepremier Alexandr Vondra hat die kritische Äußerung von Ministerpräsident Mirek Topolanek über die US-amerikanischen Antikrisen-Maßnahmen als "Weg in die Hölle" als "Übersetzungsfehler" bezeichnet. "Ich saß neben ihm, das hat er nie gesagt", sagte Vondra am Mittwoch auf einer Pressekonferenz im Europaparlament in Straßburg auf die Frage eines tschechischen Journalisten. "Das haben Sie wohl falsch verstanden". Es habe Probleme mit der englischen Übersetzung gegeben. Topolanek hatte Tschechisch gesprochen. Sein Zitat vom "Weg in die Hölle" hatte auch die tschechische Nachrichtenagentur CTK im tschechischen Original verbreitet.
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(dpa, Christian Böhmer/AP/ihe/gba)
Protest gegen dritte Startbahn
selbstredent soll ein politiker im eu-parlament in seiner landessprache reden. es ist nicht hinnehmbar, dass zb ein franzose (deutscher, usw) einen dolmetscher braucht um seinen eingenen staatschef/in zu verstehen. auch gehört die vielfalt der sprachen zum europäischem charakter.
zu m-präsident topolanek ist anzumerken, dass selbst ein eu befürworter aus der tschechei nicht begriffen hat wie die eu funtioniert. ich bleibe bei meiner ansicht: die tschechei und polen gehören in die eu (wenn sie wollen) aber der beitritt kam 5 jahre zu früh. die demokratie ist einfach zu jung in diesen staatenund das mentale umdenken ist bei weiten teilen der bevölkerung nicht angekommen und ein großer teil der politiker kommen aus dem kommunistischem systhem. das trifft auch auf bulgarien und rumänien zu.
"was mich seit jahren irritiert ist, dass viele führende politiker nicht in der lage sind, fließend englisch zu sprechen..."
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Einspruch und zwar vehement. Der Auffassung zu seien englisch gut sprechen zu können und dies tatsächlich zu beherrschen sind schon mal zweierlei.
Grundsätzlich bin ich der Auffassung, dass die europäischen Vertreter in ihren Landessprachen vor dem Parlament parlieren sollen. Die Nationalsprachen sind ein unabdingbarer Teil unserer europäischen Identität.
Persönlich ist mir die zunehmende und ausschließliche Fixierung auf das englische ein Gräuel. Vor ein paar Jahren war Michael Schumacher in einer französischen Talksendung zu Gast und obwohl der Moderator ihn nicht auf englisch sondern auf französische befragte, antwortete Herr Schumacher auf Englisch, was die wenigsten Anwesenden verstanden und simultan übersetzt wurde!
Gerade Deutsche meinen oft ihre vermeintliche Weltläufigkeit zur Schau stellen zu müssen, in dem sie bei jeder Gelegenheit mehr oder weniger gut auf Englisch radebrechen.
Nein, es gibt durchaus internationale Anlässe bei denen es angebracht ist, seine Muttersprache anzuwenden. Zumal es wenige Mitmenschen gibt die in einer Fremdsprache das Niveau (oder Level?) ihrer Muttersprache erreichen können.
Wenn schon deutsche Politiker oder anderer exponierte Persönlichkeiten im Ausland kein deutsch mehr anwenden, warum sollte diese Sprache dann noch von Schülern im Ausland (Frankreich, Russland, etc.) gelernt werden? Dies gilt auch für andere Nationalsprachen.
Ihnen mag das egal sein, mir jedoch entschieden nicht!
Die USA und ihre Gang bombardierten schon etliche Staaten und Völker in die Steinzeit. Nun der Schicksalsschlag. Diese werden selbst in die Steinzeit obamaiert.
Hölle? Eine unipolare Weltanschauung. Des einen Leid, des anderen Freud. Es gibt da auch den Spruch: Geteiltes Leid ist halbes Leid. So teilt man das Leid (externe Staatsverschuldung) durch die 50 Gangmitglieder (Anzahl der Staaten, die die südserbische Provinz Kosovo anerkannten, allesamt USA abhängig und hochverschuldet), muss jeder Staat nur ne Billion Dollar blechen.
Nach dieser überraschenden Wende wird wohl der Präsident Klaus den Zeitpunkt der Entlassung der Regierung an politische Forderungen knüpfen. Was bedeuten könnte: Raketenschildverträge rückgängig machen, Ratifizierung des diktatorisch aufgezwängten Lissabonvertrags fallenlassen, evtl. Anerkennung der Unabhängigkeit des südserbischen Kosovo zurücknehmen. Alles der Hammer. Erdbebengleich eine Revidierung. Eine Katastrophe für die Unionisten und Anglofalken. Nur die Revidierung der Entscheidung eines einzigen Punktes ist katastrophal für die geplante und jetzt in Verzug geratene militärische Expansion gen Osten.
PS: Ein weiterer EU-Staat dessen regierung zerbricht. Ab 2010 werden mit Ausscheiden der Schotten aus dem Großbritannien zunehmend Staaten zerbröseln.
Sind Sie fachlich etwa nicht in der Lage dazu?
Wir stehen heute nun mal vor der Tatsache, daß das angelsächsische Empire System nicht nur Kriege gegen unschuldige Völker ausgelöst hat, sondern in erstaunlicher Arroganz auch jede Warnung vor ihren Hedgefonds zurückgewisen hat und heute ihre Völker zugunsten ihrer Bankenelite ausbluten und verarmen läßt.
Nichts davon ist lobenswert. Die Menschen in diesen Ländern sind wegen dieser Elite zu bedauern.
Ihr dümmliches anti-angelsächsisches Ressentiment wird auch nicht wertvoller durch 100-fache Wdh. innerhalb eines Tages. Ihre Bündnispartner, bunt und völlig irrsinnig zusammengewürfelt, vom Papst über Haider bis hin zu allen möglichen beliebigen Autokraten spiegelt nur die vollkommene Verwirrung in Ihrem Weltbild wider.
Paging