Arizona ist der von illegaler Einwanderung am härtesten betroffene Staat der USA. Der Wüstenstaat ist das Einfallstor in die Vereinigten Staaten, hier werden die meisten Festnahmen wegen gesetzwidriger Grenzüberschreitung und Drogenschmuggel gezählt. Fast eine halbe Million Illegale sollen sich Schätzungen zufolge dort aufhalten - bei einer Einwohnerzahl von ungefähr 6,5 Millionen.

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Die lokalen Fernsehnachrichten sind voller Berichte über Razzien in Flüchtlingshäusern, über Schießereien im Drogenmilieu, Vergewaltigungen und anderen Verbrechen. Oft sind die Täter Dunkelhäutige, häufig ohne Aufenthaltsberechtigung - insofern ist es kein Wunder, dass viele Bürger Arizonas bei dem Thema hysterisch reagieren. Dass Latinos (legale wie illegale) in Wirklichkeit nicht überdurchschnittlich kriminell sind, interessiert nur wenige.

Ein wenig erinnert die Situation an die achtziger Jahre, als der Staat sich weigerte, den Martin-Luther-King-Tag anzuerkennen. Erst ein Wirtschaftsboykott konnte den Gedenktag durchsetzen. Auch diesmal kommt die Kritik an dem Gesetz nur von außen.

Der Senator des Bundesstaats, John McCain, sagte der New York Times, er halte die neuen Bestimmungen für "ein gutes Instrument." Der ehemalige Präsidentschaftskandidat der Republikaner wird derzeit in den republikanischen Vorwahlen von einem Gegenkandidaten herausgefordert, der vor allem mit dem Thema Einwanderung Stimmung gegen McCain macht.

Umstrittener Initiator

Vater des umstrittenen Gesetzes ist der Republikaner Russell Pearce, der seine moderaten Parteifreunde immer wieder mit politisch inkorrekten Aktionen in Wallung bringt. Er beschreibt es als seine Mission, den Bundesstaat Arizona von illegalen Einwanderern zu befreien und weitere Zuwanderung zu verhindern.

Seine Anhänger scheint es nicht zu stören, dass Pearce öfter gefährlich nah White Supremacists-Gruppen heranrückt, jene Amerikaner, die an eine weiße Herrenrasse glauben. Zum Beispiel trat er 2007 mit einem bekannten Neonazi auf - er habe über dessen Verbindungen nichts gewusst, sagte er danach. Ein Jahr zuvor sprach er bewundernd von in den USA der fünfziger Jahre durchgeführten Massenabschiebungen von Mexikanern. Angeblich aus Versehen leitete er eine E-Mail weiter, die einen Anhang von einer rassistischen Vereinigung enthielt.

Möglicherweise erklärt sich sein Eifer gegen Immigranten auch aus seiner persönlichen Geschichte. Sein Sohn, ein Polizist, wurde 2004 von einem illegalen Einwanderer angeschossen. Auch Pearce selbst, früher als stellvertretender Sherriff tätig, erlitt vor 20 Jahren Schusswunden bei einem Gangstreit. Seit Jahren gewinnt der Senator seine Wahlen fast ausschließlich mit dem Thema Immigration. Vorwürfen, er sei ein Rassist, entgegnet er: "Hier geht es nicht um Ethnien, hier geht es im illegale Aktivitäten."

Anders als in Kalifornien, New Mexico und Texas sind die Latinos in Arizona zum großen Teil nicht eingebürgert, weswegen sie keine mächtige Wählergruppe darstellen. Wahlkampf wird hier nicht um sie, sondern gegen sie gemacht. Um Arizona dazu zu bringen, das scharfe Immigrationsgesetz zurückzudrehen, braucht es daher Druck von außen - entweder ein Bundesgesetz oder wirtschaftliche Reaktionen.

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  1. Heißes Pflaster für Latinos
  2. Sie lesen jetzt Wahlkampf gegen die Dunkelhäutigen
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(sueddeutsche.de/mati)