Griechenland-Rettung Zweites Paket soll 145 Milliarden Euro teuer werden

Geplant waren 130 Milliarden Euro, doch es werden wohl deutlich mehr. Einem Medienbericht zufolge rechnet die Troika beim zweiten Griechenland-Paket schon mit 145 Milliarden. Und ein weiteres Problem ist noch nicht gelöst: Griechenlands Regierung und Bankenvertreter verhandeln noch immer über einen Schuldenschnitt - er ist Voraussetzung für weitere Hilfszahlungen.

Das zweite Rettungspaket für Griechenland wird voraussichtlich teurer als zunächst geplant. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtet vorab, dass nach Einschätzung der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) das Land noch einmal zusätzlich etwa 15 Milliarden Euro benötigt.

Statt 130 Milliarden Euro, wie noch Ende Oktober beschlossen, würden etwa 145 Milliarden Euro fällig. Grund für die Lücke sei eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in Griechenland. "Wir gehen nicht davon aus, dass man das fehlende Geld allein bei den privaten Gläubigern einsammeln kann", zitiert das Magazin die Troika.

Der griechische Ministerpräsident Lucas Papademos, sein Finanzminister Evangelos Venizelos und der Geschäftsführer des Internationalen Bankenverbandes (IIF), Charles Dallara, hatten am Freitag erneut stundenlang über einen Schuldenschnitt für Griechenland gesprochen.

Danach sagte ein Sprecher des Finanzministeriums: "Wir haben heute große Fortschritte in technischen, juristischen und anderen Themen erzielt". Die Verhandlungen sollen diesen Samstagabend fortgesetzt werden.

Weniger zurückhaltend verlautete es am Samstagmorgen aus Bankenkreisen, die Verhandlungen seien trotz der "freundschaftlichen Atmosphäre" zäh verlaufen. Nach Informationen aus griechischen Bankquellen sei nun ein Zinssatz von 3,8 Prozent im Gespräch. Noch vor wenigen Tagen habe Dallara 4,0 Prozent im Durchschnitt vorgeschlagen. Die Zinsen sollten aber steigen, wenn die griechische Wirtschaft wieder wachse.

Zudem wollen die Banken, dass für die neuen Anleihen britisches Recht gilt, damit Griechenland eine Umschuldung künftig nicht mehr rechtlich erzwingen kann. Der angestrebte Forderungsverzicht der privaten Gläubiger soll Griechenlands Schulden um rund 100 Milliarden Euro drücken. Aber selbst wenn eine Absichtserklärung über einen Schuldenschnitt zustande kommt, bedeutet das noch keinen endgültigen Erfolg für die nötige Umschuldung.

Denn unklar ist nach wie vor, wie viele Investoren tatsächlich mitziehen würden - und um wie viel die Schulden tatsächlich reduziert würden. Als einer der größten Gläubiger will die EZB bislang nicht bei dem Schnitt mitmachen.

Griechenland soll Haushaltssouveränität abgeben

Unterdessen will Deutschland einem Bericht der Financial Times zufolge, dass die EU die Kontrolle über die griechische Finanzpolitik übernimmt. Demnach sollen die Finanzminister der Euro-Länder vor Zahlungen aus dem geplanten zweiten Hilfspaket einen Beauftragten ernennen, der ein Veto gegen finanzielle Entscheidungen der Regierung in Athen einlegen kann.

Weil Griechenland seine Zusagen bislang nicht zufriedenstellend eingehalten habe, müsse es akzeptieren, "für einen gewissen Zeitraum" die Souveränität über seinen Haushalt abzugeben, zitierte die Zeitung aus dem deutschen Antrag.