Einsatz in Großburgwedel Staatsanwaltschaft durchsucht Haus von Christian Wulff

Die Staatsanwaltschaft Hannover hat das Haus des zurückgetretenen Bundespräsidenten Wulff in Großburgwedel durchsucht - allerdings ohne richterlichen Durchsuchungsbeschluss: Wulff habe in die Aktion eingewilligt, teilte die Behörde mit.

Die Staatsanwaltschaft Hannover hat am Abend das Haus des zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff in Großburgwedel durchsucht. Die Aktion sei "auf freiwilliger Basis" verlaufen, teilte die Behörde mit. Es habe keinen Durchsuchungsbeschluss gegeben.

Ein Staatsanwalt und fünf Beamte des Landeskriminalamts hätten gegen 17.15 Uhr mit der Durchsuchung begonnen. "Herr Wulff war kooperativ", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die Bild-Zeitung berichtete, es seien Computer sichergestellt worden.

Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft Hannover bereits Büroräume und Wohnung des Filmproduzenten und Wulff-Freunds David Groenwold in Berlin durchsucht. Die Ermittler stellten nach Informationen der Bild umfangreiches Daten- und Aktenmaterial sicher. Auch bei dieser Durchsuchung habe es sich um eine einvernehmliche Aktion gehandelt.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit fast zwei Wochen gegen Wulff und Groenewold, die seit längerem eine enge Freundschaft verbindet, wegen des Verdachts der Vorteilsannahme und der Vorteilsgewährung. Groenewold ist Filmproduzent, er hat einige bekannte deutsche Filme finanziert. Mit Wulff steht er in Verbindung, seitdem seine Firma 2003 in Niedersachsen den Fernsehfilm "Das Wunder von Lengede" produzierte. Bei den Ermittlungen geht es nun um die Kontakte zwischen Groenewold und Wulff in dessen Amtszeit als niedersächsischer Ministerpräsident.

Das Land hat seinerzeit Bürgschaften für Projekte Groenewolds übernommen, die allerdings offenbar nicht in Anspruch genommen wurden. Zu Jahresbeginn wurde bekannt, dass der Unternehmer Urlaube für Wulff gebucht haben soll. Zudem hat Groenewold offenbar die Rechnung für einen Kurzurlaub von Wulff mit dessen heutiger Frau in einem Hotel auf Sylt beglichen. Wulff hat dazu erklärt, dass er Groenewold das Geld dafür in bar gegeben habe. Generell bestreitet Wulff die gegen ihn erhobenen Vorwürfe.

Weiteren Aufschluss könnten den Ermittlern Akten der niedersächsichen Staatskanzlei geben, die sie von der Landesregierung erhalten haben. Etwa 450 Seiten, die vor allem das Verhältnis von Wulff und Groenewold betreffen, seien am Mittwoch übergeben worden, teilte ein Sprecher der Staatskanzlei an diesem Freitag mit.

Wulff hatte sein Amt Mitte Februar niedergelegt, nachdem er monatelang wegen eines umstrittenen Hauskredits und seinen Kontakten zu Unternehmerfreunden in der Kritik stand.