Der heutige Außenminister Frank-Walter Steinmeier war Ende 2002 persönlich in die Entscheidung eingebunden, die Rückkehr des Guantanamo-Gefangenen Murat Kurnaz nach Deutschland zu verhindern.
Das Auswärtige Amt bestätigte eine entsprechende Äußerung des SPD-Obmanns im Untersuchungsausschuss, Thomas Oppermann. Dieser hatte erklärt, er ,,gehe davon aus, dass Steinmeier an dieser Präsidentenrunde teilgenommen hat''. Steinmeier war damals Chef des Kanzleramts und oberster Aufseher der Geheimdienste.
Außenminister Frank-Walter Steinmeier gerät im Fall Kurnaz immer mehr in Bedrängnis. (© Foto: AP)
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Bislang war nicht bekannt, dass Steinmeier unmittelbar in diese Entscheidung zu Kurnaz eingebunden war. Nach Darstellung der Bundesregierung wurde bei der Besprechung am 29. Oktober 2002 im Kanzleramt über eine ,,Nachfrage'' der USA diskutiert, ob Kurnaz von Guantanamo nach Deutschland oder in die Türkei abgeschoben werden solle.
Keine Agentenspiele
Kurnaz ist Türke, aber in Bremen geboren und aufgewachsen. Die Runde entschied in Steinmeiers Anwesenheit, die Rückkehr nach Deutschland zu verhindern. Dies könnte die Freilassung des Bremers um Jahre verzögert haben. Denn in internen Vermerken der deutschen Geheimdienste vom Oktober 2002 ist davon die Rede, Kurnaz könne ,,damit rechnen, zur ersten Gruppe zu zählen, die freigelassen wird''. Dies könne bereits im November 2002 der Fall sein.
Steinmeier und Oppermann allerdings bestreiten, dass es damals ein Angebot der Amerikaner zur Freilassung gegeben habe. ,,Mir ist ein offizielles Angebot nicht bekannt'', sagte Steinmeier der Bild-Zeitung. ,,Auf Agentenspiele wie etwa die Einschleusung von Murat Kurnaz als Spitzel gegen islamistische Fundamentalisten durfte ich mich als Chef des Kanzleramts, der die politische Kontrolle über die Geheimdienste hat, nicht einlassen'', fügte er hinzu.
Er erweckt damit den Eindruck, als sei eine Spitzel-Tätigkeit von Kurnaz in der Bremer Islamistenszene eine Bedingung für dessen Freilassung gewesen. Für eine solche Bedingung der USA gibt es in den Akten aber keinerlei Hinweis. Es wird dort nur erörtert, ob eine Spitzeltätigkeit sinnvoll sei.
Warum plötzlich nicht möglich?
Der Grünen-Abgeordnete Hans-Christian Ströbele beantragte eine Sondersitzung des BND-Untersuchungsausschusses möglichst für die Woche ab dem 5. Februar. Damit solle vermieden werden, dass in den drei sitzungsfreien Wochen im Februar zu viel Zeit ungenutzt verstreiche. Normalerweise tagt der Ausschuss nur in den Sitzungswochen.
Eine Sondersitzung muss von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) genehmigt werden. Die FDP schließt sich dem Wunsch nach einer Sondersitzung an und möchte dabei, so ihr Obmann Max Stadler, auch Kanzleramtsminister Thomas de Maizière als Zeugen hören.
Er soll über die Verhandlungen mit den Amerikanern nach dem Amtsantritt der Regierung Merkel berichten. ,,Wir wollen wissen, warum 2006 möglich war, was 2002 nicht ging'', sagte Stadler auf Anfrage. Wenige Wochen nach ihrem Amtsantritt hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel am 13. Januar 2006 den Fall Kurnaz gegenüber US-Präsident George W. Bush angesprochen. Noch im selben Jahr wurde Kurnaz freigelassen.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(SZ vom 26.01.2007)
ICE-Strecke
Also es ist ganz einfach: gestern hat Oppermann im ARD Morgenmagazin vermutet, dass Steinmeier bei der entscheidenden Präsidentenrunde dabei war. Im Laufe des Tages hat ein Sprecher des AA bestätigt, dass er tatsächlich mit von der Partie war. In diesem Punkt enthält der Artikel also keinerlei Spekulationen. Allerdings ist er wohl etwas missverständlich formuliert. Trotzdem ist er noch erheblich über BILD-Niveau. ;-)
""Das Auswärtige Amt bestätigte eine entsprechende Äußerung des SPD-Obmanns im Untersuchungsausschuss, Thomas Oppermann. Dieser hatte erklärt, er ,,gehe davon aus, dass Steinmeier an dieser Präsidentenrunde teilgenommen hat‘‘. Steinmeier war damals Chef des Kanzleramts und oberster Aufseher der Geheimdienste.
Bislang war nicht bekannt, dass Steinmeier unmittelbar in diese Entscheidung zu Kurnaz eingebunden war:"" heißt es oben.
Also: Opperman sagte, dass er, Oppermann, davon ausgehen würde, dass Steinmeier an der PR teilgenommen habe. Er "geht davon aus". Das heißt im Klartext: Er, Oppermann, weiß es nicht genau. Die Möglichkeit der Teilnahme aber wird nicht ausgeschlossen, wird aber auch nicht bestätigt. Ich gehe davon aus, dass Sie, Ihr Herren Nicolas Richter und Peter Blechschmidt, Journalismus studiert habt. Habt ihr wirklich? Ich weiß es nich, aber ich gehe mal davon aus. Könnte ja sein, dass Ihr auch Deutsch gelernt habt. Ich gehe mal davon aus.
Und aus dieser "Kann-sein-Antwort machen Sie hier in ihrem Beitrag eine Fakt-Aussage: Steinmeier hat also teilgenommen.
Das nennt man schlicht Verdrehung der Tatsachen. Und die Tagesthemensprecherin, Frau Will, macht dann auch brav aus einer Kann-sein-Teilnahme eine Er-hat-teilgenommen-Tatsache und sagt noch dazu, so habe Opperman eingeräumt. Solches nennt man schlichtweg Verdrehung der Tatsachen oder auch, dem anderen die Worte im Munde rumdrehen. Mit seriösem Journalismus hat dies nichts mehr zu tun!!!
Ich bin zutiefst von der SZ enttäuscht und ärgere mich, dieses Zitat nicht schon früher unter die Lupe genommen zu haben.
Also: hört endlich mal zu, wenn andere etwas sagen. Hört auf mit euren Fantasien und Assoziationen andere fertig machen zu wollen! Werdet endlich seriös wie ihr es früher auch wart und recherchiert korrekt! Und lernt Konjunktiv von Indikativ zu unterscheiden!! Ich bin echt wütend über diese Art Journalismus, den man nur von der BILD her kennt. - Oder habe ich da etwas missverstanden???
wer wird denn gleich in die luft gehen?
erstmal richtig lesen, bevor man steinmeier verdammen will.
kurnaz ist immer noch türkischer (!!!) staatsbürger, und die türkische regierung hat nicht mal nen kleinen finger gerührt um den werten herrn rauszuholen. steinmeiers moral mag bedenklich sein, aber das ist doch nix neues mehr bei unseren politikern. liebe sd neues thema, und erst wieder nen abschlussartikel wenn alle fakten auf´m tisch sind.
und Beweisführungen der amerik. Admin. ernst nimmt, kann nur ein großer Fan Bushs sein. Die DESINFORMATIONSPOLITIK DER KRIEGSFüHRENDEN REGIERUNGEN ist uns allen hinlänglich bekannt. Amerik. Millitär, CIA und hohe amerik. Beamte sind nicht daran interessiert, die Wahrheit der Welt zu erklären. Nein! Sie wollen Guantanamo legitimieren, sie haben nie zugegeben, dass im Lager dort irgendein Unrecht geschieht, das nach allgemeinen Regeln der Menschnerechte, des Rechtsstaates verstieße und tuen alles, um Folter zu legitimieren. Im Antiterrorkrieg der Amerikaner herrschen andere Regeln. Es geht nicht dabei um irgendeinen unschuldigen Gefangenen, sondern es geht der Bush-Admin. darum, Europa für ihre Kriege zu gewinnen und kritische, linke oder grüne Politik zu diffamieren! Vor allem soll im Nachhinein die rot-grüne Politik in D. verunglimpft und die Demokraten des alten Europas gegeneinander aufgehetzt werden. ZUR KRIEGSFüHRUNGSTAKTIK DER AMERIKANER GEHöRT NEBEN DESINFORMATIONSPOLITIK AUCH PROVOKATIONSPOLITIK. Wer hier nicht klar sehen kann, der ist bereits eingelullt! Wer falsche von richtigen Dokumenten als Journalist erkennen kann, der sollte dem Untersuchungsausschuss Meldung machen. Ansonsten sollte man sich zurückhalten mit Spekulationen und Fantasien! Schluss auch mit Vorverurteilungen und persönlichen Diffamierungen, solange nichts rechtsstaatlicherseits BEWIESEN ist!
Menschenrechte ! -? Ja, was ist denn da los? Sollen wir, müssen wir, davon ausgehen das Kurnaz eine "Jugfrau" ist? Also unschuldig bis in die Haarspitzen? --- Mag sein. Natürlich, kein Zweifel, so lang in einem Gefängnis zu sitzen ist grauenhaft. Und natürlich: Der Unschuldsverdacht überwiegt hier alle Diskussionen.
Aber kann es nicht sein, dass der damalige Ausschuss der "Geheimdienste" Informationen hattte, die wir heute überhaupt nicht ahnen? Und nie erfahren werden? - Was Steinmeier heute -medial- in Bedrängnis bringt, kann das 2002 nicht richtig gewesen sein? (Bei Osthoff z. B. ist immer noch ein "Geschmäckle", wie der Schwabe sagt. Mit Recht? Na klar mit Recht. Weil diese Dame ist nicht koscher.) Und ich werde das dumpfe Gefühl nicht los, dass sich auch hier ein Geschmäckle einstellt. Nur entgegengesetzt. Denn Steinmeier scheint koscher zu sein. (Iim Gegensatz zu Osthoff.)
Kann es sein, dass auch hier, wie im "Fall" Joschka Fischer, von den Medien etwas aufgekocht wird, bis es blubbert (einer fängt an, die anderen steigen ein) und sich die "Herren" Politiker dadurch gezwungen sehen, "einzugreifen"? Die Empörung fängt an zu wuchern. Künstlich.
Liebe Leute, vielleicht sollten wir mal den Focus anders ausrichten. Die "süddeutsche" ist schon ok. Es gibt da ja auch noch die "RAF-Diskussion". Wenn man sie braucht.......
zum Nachdenken
Mulholland
Paging