Einbürgerung Özdemir wirft Merkel Scheinheiligkeit vor

Nach ihrem Aufruf an Ausländer, sich einbürgern zu lassen, ist Kanzlerin Merkel in die Kritik geraten. Streitpunkt bleibt der Einbürgerungstest.

Angela Merkels Aufruf an Zuwanderer, deutsche Staatsbürger zu werden, begegnen andere Parteien mit Skepsis. Grünen-Chef Cem Özdemir sagte der Berliner Zeitung, Merkels "Hohelied der Integration durch Einbürgerung und Bereicherung durch Zuwanderung" sei scheinheilig.

Ausländerin beim Einbürgerungstest: Für Grünen-Chef Cem Özdemir liegt es auch an den Tests, dass die Einbürgerungszahlen so weit zurückgegangen sind.

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Er warf der Union vor, für die Einbürgerung immer höhere Hürden aufgebaut zu haben. Vor allem den "unsinnigen Einbürgerungstest" und das Nein zur doppelten Staatsbürgerschaft kritisierte Özdemir. "Deshalb sind die Einbürgerungszahlen 2008 um 20 Prozent zurückgegangen."

Auch SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz sieht Nachbesserungsbedarf bei den bestehenden Regelungen: "Bei der Einbürgerung sollte das Optionsmodell beseitigt werden, das junge Menschen zwingt, sich zwischen ihrem bisherigen und dem deutschen Pass zu entscheiden."

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Wochenende in ihrem Video-Podcast an junge Zuwanderer appelliert, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen.

Es liege im Interesse der Bundesrepublik, dass sich möglichst viele Migranten zur Einbürgerung entschlössen. Zuwanderung sei schon seit Jahrhunderten eine Bereicherung für Deutschland gewesen, wie die Hugenotten oder die Entwicklung des Ruhrgebiets gezeigt hätten.

Die Kanzlerin will am kommenden Dienstag persönlich 16 Zuwanderern die Einbürgerungsurkunden überreichen. Sie wolle damit ein Zeichen setzen, sagte Merkel. Gerade in Zeiten der Globalisierung seien diejenigen Gesellschaften am erfolgreichsten, die in dieser Frage offen seien und die Chancen von Zuwanderung nutzten.

"Die Bundesrepublik Deutschland will dies tun unter der Voraussetzung natürlich, dass die Migrantinnen und Migranten unsere Rechtsordnung akzeptieren und in diesem Land auch mit uns gemeinsam leben wollen", sagte sie.

Gerade jungen Menschen solle die Chance eingeräumt werden, sich genauso erfolgreich entwickeln zu können wie diejenigen, die schon seit vielen Generationen in diesem Land lebten. Deutschland habe mit seiner Integrationspolitik das Klima dafür geschaffen. "Integration, das bedeutet das Aufeinanderzugehen von denen, die zu uns gekommen sind, genauso wie von denen, die schon lange hier in Deutschland leben", sagte die Kanzlerin. Sie sehe viele ermutigende Beispiele, dass dies auch geschehe.

Merkel verteidigte auch den umstrittenen Einbürgerungstest. Auf diese Weise machten sich die Antragsteller mit der Kultur, der Geschichte und der rechtlichen Situation der Bundesrepublik vertraut, sagte sie. Sie würden dadurch in die Lage versetzt, ihre Rechte und Pflichten als Neubürger auch wirklich wahrzunehmen. Dazu gehöre auch die Kenntnis der deutschen Sprache: "Sie ist das eigentliche Tor, um die Möglichkeiten der Bundesrepublik Deutschland bei der beruflichen und privaten Entwicklung auch wirklich voll ausschöpfen zu können", sagte Merkel.