Von Von Matthias Drobinski

Der neue Papst muss kein Supermann des Glaubens sein - nur nahe muss er sein bei den Menschen, ihren Freuden, Hoffnungen, Verzweiflungen.

Ein neuer Papst, Benedikt XVI., ist gewählt, und eine Kirche feiert sich selbst. Es ist also doch einer als Papst ins Konklave gegangen und als Papst wieder heraus gekommen: Joseph Ratzinger.

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Er steht für Kontinuität, dafür, dass die katholische Kirche das theologische Erbe Papst Johannes Pauls II. weiterführt - viele Enzykliken des verstorbenen Papstes tragen die Handschrift Ratzingers.

Er steht für eine Kirche des klaren Profils, die ihre Identität wahrt, daran hat er mit seiner Predigt unmittelbar vor Beginn des Konklaves keinen Zweifel gelassen: Gegen die "Diktatur des Relativismus" hilft ein starker Glaube, den der Widerstreit der Meinungen nicht anficht. Ein pessimistisches Programm.

Der Name Benedikt spricht dagegen eine andere Sprache: Benedikt XV. (1914 bis 1922) war ein Friedenspapst, der in einer zerrissenen Welt Einheit zu stiften versuchte.

Was wird das Programm des neuen Papstes sein? Die Mehrheit der deutschen Katholiken, einschließlich vieler Bischöfe, haben einen Papst Ratzinger gefürchtet, eine Minderheit dagegen auf diesen Papst gehofft.

Das Verhältnis der Deutschen zu ihrem berühmtesten Vertreter im Vatikan war schon immer wie der Zustand in einer streitlustigen Familie: Man kennt sich so gut, dass man um die Schwächen weiß, und doch wieder zu wenig, um die Stärken des anderen zu schätzen.

Dabei ist Joseph Ratzinger zwar ein Konservativer, an dem man sich reiben kann und muss, aber er ist kein reaktionärer Universalbösewicht. Immer wieder hat er überrascht und das Bild vom "Panzerkardinal" zerbrochen: mit tiefen Glaubensgesprächen, im Dialog mit dem politischen Theologen Johann Baptist Metz, mit dem Philosophen Jürgen Habermas.

Und bei der Beerdigung von Papst Johannes Paul II., als er gerührt und anrührend vor die Weltkirche trat.

Er hat das Amt nicht angestrebt, er ist nicht machtbesessen; eher ein scharfsinniger Intellektueller, der nicht verstehen kann, dass die anderen auch Argumente haben.

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