Interview: Wolfgang Jaschensky

Ein Jahr nachdem Katina Schubert mit dem Satz "Damit ist die Partei Die Linke gegründet!" die deutsche Parteienlandschaft verändert hat, zieht sie Bilanz - und fordert im Gespräch mit sueddeutsche.de von ihrer Partei mehr konstruktive Politik.

Vor genau einem Jahr hat Katina Schubert mit den Worten "Damit ist die Partei Die Linke gegründet!" das Signal für eine einschneidende Veränderung der deutschen Parteienlandschaft gegeben. Im Interview mit sueddeutsche.de zieht sie nach einem Jahr Bilanz, erklärt warum die Partei noch ohne Programm ist und plädiert dafür, dass die Linke zu einer Partei wird, die "für etwas steht".

Delegierte und Medienvertreter auf dem Parteitag der Linken im Mai dieses Jahres. (© Foto: dpa)

Anzeige

sueddeutsche.de: Frau Schubert, Sie haben vor einem Jahr im Berliner Estrel-Hotel die Sitzung geleitet, auf der die Linke gegründet worden ist. Wenn Sie mit einem Jahr Abstand darauf zurückblicken: Ist aus dem Projekt das geworden, was Sie sich damals erhofft haben?

Katina Schubert: Meine Erwartungen wurden übertroffen. Wir sind mittlerweile in insgesamt zehn Landtagen vertreten, haben jede Wahl seit Gründung der neuen Partei gewonnen, haben gute Aussichten, bei der Bundestagswahl im kommenden Jahr drittstärkste Kraft zu werden und der Mitgliederzuwachs ist hoch. Was die Annahme der Partei in der Bevölkerung betrifft, ist das doch eine positive Bilanz.

sueddeutsche.de: Das hört sich fast so an, als seien Sie mit der inhaltlichen Entwicklung nicht zufrieden. Auf ein Parteiprogramm warten Ihre Wähler bislang auch vergeblich.

Schubert: Wir haben unsere programmatischen Eckpunkte und die beschreiben sehr genau, wofür wir stehen und was wir wollen. Aber: Eine einjährige Partei ist eben auch eine einjährige Partei. Die Diskussionsprozesse sind noch nicht so weit wie in älteren Parteien mit langer Tradition. Insofern stehen uns noch viele Debatten bevor, und das finde ich richtig.

sueddeutsche.de: Für eine Partei, die gerne gegen alles Mögliche ist, ist es doch ganz angenehm, kein Parteiprogramm zu haben. Will die Linke überhaupt ein richtiges Parteiprogramm?

Schubert: Aber selbstverständlich. Der Parteivorstand hat ja auch eine Programmkommission berufen. Wir haben uns aber für einen längeren Prozess entschieden, um zu einem Programm zu gelangen, das auch in und mit der Partei diskutiert ist. Ich denke, wir werden innerhalb der nächsten eineinhalb Jahre zu einem Ergebnis kommen, wahrscheinlich aber erst nach der Bundestagswahl.

sueddeutsche.de: Das heißt, dass Sie in den Bundestagswahlkampf ziehen, ohne dem Wähler genau zu verraten, wofür die Partei steht.

Schubert: Nein, das stimmt nicht. Erstens haben wir unsere programmatischen Eckpunkte festgelegt. Zweitens werden wir ein Wahlprogramm vorlegen, das sehr genau beschreiben wird, was wir innerhalb der nächsten Legislaturperiode erreichen wollen.

Lesen Sie auf der Seite zwei, was sich Katina Schubert für die Linkspartei wünscht.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 3 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt "Wir allein gegen alle, das funktioniert nicht"
  2. "Wir allein gegen alle, das funktioniert nicht"
  3. "Wir allein gegen alle, das funktioniert nicht"
Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Richter gegen Richter

Zoff im Bundesgerichtshof: Eine Personalie führt zu heftigen Verwerfungen – die Akte Karlsruhe. Seite Drei Jetzt lesen ...