Von Daniel Brössler

Die Linke wird ein Jahr alt und ist bereits die drittstärkste Kraft im Land - doch die Debatte über Gysi und die Stasi stört die Euphorie.

Von Menschen unterscheiden sich Parteien unter anderem dadurch, dass sich schon am ersten Geburtstag absehen lässt, was einmal aus ihnen werden wird. Die Linkspartei feiert an diesem Wochenende ihr Einjähriges, und selbst jene, die zu Glückwünschen nicht aufgelegt sind, können kaum leugnen, dass es wohl ein Jubilar mit Zukunft ist.

Lafontaine, Bisky; dpa

Lafontaine und Bisky: Zu wessen Gunsten wird sich die Doppelspitze in Zukunft lösen? (© Foto: dpa)

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Am 16. Juni 2007 ist die Linke in Berlin gegründet worden und im Verlaufe dieses einen Jahres ist bereits etwas aus ihr geworden, was sich aus den neuesten Umfragen leicht ablesen lässt. Elf Prozent erhält die Linkspartei in der Sonntagsfrage; sie hat sich als dritte Kraft im Lande stabilisiert. "Wir haben eine Erfolgsgeschichte, wie sie niemand für möglich gehalten hätte, hingelegt", jubiliert Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch in der Einladung zu einem Geburtstagsfest an diesem Wochenende in der Kulturbrauerei im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg, vor langer Zeit einmal als bürgerrechtliche Hochburg gegen den SED-Staat bekannt.

Die eigentliche Sensation drückt sich indes nicht in den aktuellen Umfragen zur nächsten Bundestagswahl aus. Vielmehr ist es der Erfolg in den westlichen Bundesländern, der die Fusion aus Ex-PDS-Ex-SED sowie WASG mit ihren Ex-SPDlern zu einer von den anderen Parteien gefürchteten Melange macht.

Gysi als stilisiertes Opfer

Der Einzug in die Länderparlamente in Bremen, Hamburg, Hessen und Niedersachsen ist der Triumph, den in der Tat niemand, auch nicht die Spitze der Linkspartei, so für möglich gehalten hätte.

Die Erfolge im ersten Jahr ihres Bestehens überstrahlten freilich auf gnädige Weise alles, was die Linken lieber nicht sehen wollten. Dass dies nur ein vorübergehender Effekt sein konnte, ist spätestens seit dem Parteitag vor wenigen Wochen in Cottbus klar. Die neu entfachte Debatte um die angebliche Betätigung des DDR-Anwalts Gregor Gysi als freier Mitarbeiter der Staatssicherheit, ist aus Sicht der Linken dabei nur ein kleineres Malheur.

In dem ihm wohlgesonnen Teil der Bevölkerung kann Gysi sich zum Opfer stilisieren, wenngleich seine Beteuerung, "souverän" mit dem ZK der SED parliert zu haben, eine Mehrheit eher abstoßen dürfte. Zum Problem für die Partei würde der Fall Gysi erst durch Gysis Fall. Würde der nicht eben kerngesunde Fraktionsvorsitzende hinschmeißen, verlöre sie eine wichtige Galionsfigur.Noch bedeutsamer aber wäre, dass im Machtgefüge der Linken ein wesentliches Gegengewicht zu Partei-und Fraktionschef Oskar Lafontaine abhanden käme.

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