Anschlag in Manchester Polizei geht von Netzwerk um Manchester-Attentäter aus

  • Die britische Polizei hat in Zusammenhang mit dem Anschlag vom Montagabend bisher fünf Männer festgenommen, in Libyen wurde dazu von den Behörden ein weiterer Bruder des Attentäters festgesetzt.
  • Die Polizei geht mittlerweile davon aus, dass hinter dem Attentäter Abedi ein Netzwerk stand.
  • Als Reaktion auf den Anschlag wurde im Vereinigten Königreich die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen.
  • Abedi hat libysche Wurzeln, ist aber in Großbritannien geboren.

Die britische Polizei geht inzwischen eindeutig von einer Unterstützergruppe rund um den Attentäter von Manchester aus. Das sagte der Polizeichef von Manchester, Ian Hopkins, am Mittwochnachmittag auf einer Pressekonferenz. Unter den Opfern des Anschlags sei auch eine Polizistin gewesen, die privat auf dem Konzert war.

Am Mittwoch nahm die britische Polizei vier weitere Männer in Verbindung mit dem Attentat fest, außerdem wurden mehrere Wohnungen durchsucht. Damit steigt die Zahl der Festgenommenen in Großbritannien insgesamt auf fünf. Einer von ihnen ist der ältere Bruder des Attentäters, er wurde bereits am Dienstag in Manschester festgenommen.

Am Mittwochabend wurde bekannt, dass eine libysche Anti-Terror-Einheit auch den kleinen Bruder und den Vaters Abedis festgenommen hat. Beide hielten sich gerade in der libyschen Hauptstadt Tripolis auf. Inwiefern sie und die anderen Festgenommenen in den Anschlag verwickelt waren, ist noch unklar.

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Während die Ermittlungen weitergehen, kehren die politischen Parteien in Großbritannien allmählich in den Wahlkampfmodus zurück. Seit dem Anschlag waren alle Auftritte abgesagt worden. Am Mittwoch erklärten dann sowohl die Oppositionparteien Labour und Ukip als auch die regierenden Tories, dass sie ihre Kampagnen noch diese Woche wieder aufnehmen wollen.

Die Tat soll anspruchsvoller gewesen sein als frühere Anschläge

Innenministerin Amber Rudd hatte zuvor in britischen Medien gesagt, der 22-jährige Salman Abedi habe "wahrscheinlich nicht alleine" gehandelt. Die Ausführung des Anschlags sei "anspruchsvoller gewesen als einige der Anschläge, die wir davor erlebt haben". In Interviews mit dem Radiosender BBC und dem Nachrichtensender Sky News erklärte sie außerdem, Abedi sei den britischen Sicherheitsbehörden bereits vor der Tat bekannt gewesen.

Der 22-jährige Selbstmordattentäter Salman Abedi hatte am Montagabend auf einem Konzert der US-Sängerin Ariana Grande einen Sprengsatz gezündet und mindestens 22 Menschen mit sich in den Tod gerissen, darunter Kinder und Jugendliche. Es war die schwerste Terrorattacke in Großbritannien seit fast zwölf Jahren.

Etwa 60 weitere Menschen wurden bei dem Anschlag verletzt, 20 von ihnen seien immer noch in kritischem Zustand, erklärte Jon Rouse, Chef der örtlichen Gesundheitsbehörden, auf Sky News. Die Ärzte behandelten unter anderem Verletzungen an Armen und Beinen. "Das sind schwer traumatisierende Verletzungen", sagte Rouse, einige Opfer würden sehr lange brauchen, bis sie wieder ein einigermaßen normales Leben führen könnten.

Höchste Terrorwarnstufe ausgerufen

Als Reaktion auf den Anschlag hat das Vereinigte Königreich die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen. Die Terrorgefahr wird nun mit dem Status "kritisch" bewertet, was bedeutet, dass damit zu rechnen sei, dass ein weiterer Anschlag unmittelbar bevorstehe. Das sagte Regierungschefin May am späten Dienstagabend. Zuvor lag die Terrorwarnstufe bei "ernst", was bedeutet, dass ein Anschlag als wahrscheinlich gilt.

Mit der Anhebung der Terrorwarnstufe ist auch verbunden, dass Soldaten an strategischen Orten stationiert werden. Nach Angaben der Londoner Polizei Scotland Yard sollen Soldaten unter anderem am Buckingham-Palast, am Parlament und vor Botschaften eingesetzt werden. Auch bei Großveranstaltungen könnten sie in den nächsten Tagen eingesetzt werden, sagte Innenministerin Rudd. Offenbar sollen fast tausend Soldaten eingesetzt werden.

Abedi soll nach Syrien gereist sein

Über den Attentäter Samedi wird immer mehr bekannt. Er soll libysche Wurzeln haben, aber in Großbritannien geboren und aufgewachsen sein. Am Mittwoch wurde auf Umwegen über den französischen Innenminister Gérard Collomb bekannt, dass der 22-Jährige vor der Tat nach Syrien gereist sein und Verbindungen zur Terrormiliz Islamischer Staat gehabt haben soll. Aus US-amerikanischen Geheimdienstkreisen hieß es hingegen, Abedi habe Verbindungen zu al-Qaida gehabt. Beides wurde von der britischen Polizei bisher nicht bestätigt.

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Der Vater von Abedi, der sich derzeit in Libyen aufhält, hält seinen Sohn für unschuldig. "Wir glauben nicht daran, Unschuldige zu töten. Das sind wir nicht", sagte Ramadan Abedi, der US-amerikanischen Nachrichtenagentur AP per Telefon. Er habe noch vor fünf Tagen mit seinem Sohn Salman gesprochen, der sich darauf vorbereitet habe, nach Saudi-Arabien zu reisen. Von dort aus habe er nach Libyen fliegen wollen, um den Fastenmonat Ramadan mit seiner Familie zu verbringen. Er habe "normal" geklungen und sei bereits vor eineinhalb Monaten in Libyen gewesen.

Der Islamische Staat hatte den Anschlag am Dienstag für sich reklamiert.