Ehemaliger Wulff-Sprecher Glaeseker "Mephistopheles" flüstert nicht mehr

Jahrelang arbeitete Olaf Glaeseker an Christian Wulffs Image und machte aus dem chancenlosen Oppositionsführer den zeitweilig beliebtesten Politiker Deutschlands. Nun ist der Mann, der einst den Spitznamen Mephistopheles verliehen bekam, seit Wochen abgetaucht. Viele rätseln, was er macht. Aber überrascht von der Razzia in seinem Haus war die Politik in Hannover nicht.

Von Jens Schneider

Jeder Anruf war zwecklos, auch alle SMS gingen ins Leere. Selbst die Regierung in Hannover bekam keine Antwort von Olaf Glaeseker. Jahrelang galt der wichtigste Mann an der Seite von Christian Wulff als genialer Netzwerker. Er trat immer auf wie einer, der glaubte, alles gut erklären zu können, vor allem seinen Christian. Ob es nun um einen Affären-Verdacht ging, oder einfach um die Gedanken des früheren Ministerpräsidenten von Niedersachsen und heutigen Bundespräsidenten.

Doch vor gut vier Wochen tauchte der Journalist aus Niedersachsen komplett ab. Kurz vor Weihnachten entließ ihn der Präsident, ohne eine Begründung zu geben. Seither rätseln auch viele, die Glaeseker lange kennen, was er macht.

Kurz nach seiner Entlassung war gestreut worden, er sei auf eigenen Wunsch hin entlassen worden. Das war auch seine Version. Hintergrund seines Rückzugs seien Nachfragen von Journalisten zu seinem persönlichen Umfeld gewesen. Es ging um den Verdacht, er habe sich als Sprecher von Wulff in Niedersachsen Urlaube im Domizil des Event-Managers Manfred Schmidt schenken lassen. Eine Stellungnahme von ihm gab es nicht. Die Razzia in seinem Haus überrascht die Politik in Hannover nicht. Längst ging die Regierung von Wulffs Nachfolger David McAllister auf Distanz zu dessen einstigem Sprecher.

Früher wäre das unvorstellbar gewesen. Um den 50 Jahre alten Glaeseker rankte fast ein Mythos. Nicht alle in der CDU mochten ihn. Minister argwöhnten, sein Einfluss sei zu groß. Sie schätzten seine Methode nicht, vor allem inoffiziell, also im Hintergrund Informationen zu streuen. Der Spitzname "Mephistopheles" zeugte von Respekt für den bundesweit angesehenen Sprecher und Misstrauen zugleich.

Glaeseker hatte mit seinen Ratschlägen nach allgemeiner Einschätzung Wulff erst zu jenem weltgewandt auftretenden Mann gemacht, als der er sogar zeitweise zum beliebtesten Politiker Deutschlands aufstieg. Galt Wulff einst als chancenloser, allzu braver Oppositionsführer, so entwickelte er mit Glaesekers Hilfe viel Gespür für Wirkung. Er bekannte sich gern zu diesem besonderen Verhältnis.

"Wir leben halt sehr viel zusammen", wurde Wulff jetzt in alten Aufnahmen in einem NDR-Film über die Krise des Präsidenten zitiert. "Da ist sehr viel an Übereinstimmung, ohne dass man sich darüber unterhalten muss." Die weiteren Worte Wulffs passen zum Spitznamen "Präsidenten-Flüsterer", der Glaeseker von Journalisten verpasst wurde. "Man schätzt sich ähnlich gleich ein, und es ist natürlich für mich ein Glücksfall, dass Olaf Glaeseker unter Journalisten sehr geschätzt wird, weil er die Wahrheit sagt oder mal gar nichts sagt", sagte Wulff. "Das ist das Wichtigste für einen Pressesprecher, dass er verlässlich ist, berechenbar ist, und dadurch passt er ja auch gut zu mir."

Vor dem Wechsel zu Wulff arbeitete Glaeseker als Journalist. Er begleitete den Christdemokraten zunächst als Parteisprecher. Als Wulff 2003 Ministerpräsident wurde, kam Glaeseker als Regierungssprecher mit - bald im Rang eines Staatssekretärs. Er galt als kluger Krisen-Manager. Wulffs Trennung von seiner ersten Frau und den Beginn der Beziehung mit seiner jetzigen Frau Bettina lancierte er geschickt an die Boulevard-Presse.

Nach der Ankunft in Schloss Bellevue allerdings wirkte er in der neuen Rolle oft fremd. Auch gab es Anzeichen für eine wachsende Distanz zwischen ihm und dem Bundespräsidenten. Sein Management der Affäre um Wulff galt als unglücklich.