Affäre um Ex-Bundespräsident Wulff, ein ganz normaler Zeuge

In der Affäre um Ex-Bundespräsident Wulff gab es mehr als genug Aufgeregtheit. Dass sich sein ehemaliger Sprecher Glaeseker irritiert über angebliche Aussagen Wulffs zeigt, ist ein Widerspruch, der den Staatsanwalt interessieren wird. Aber dem sollte es überlassen bleiben.

Ein Kommentar von Jens Schneider

Als die Affäre um den früheren Bundespräsidenten Christian Wulff zu Jahresbeginn hohe Wellen schlug, gab es von seinem früheren Sprecher nichts zu hören. Olaf Glaeseker war abgetaucht, man konnte ihn verstehen: Wulff hatte ihn rausgeworfen, die Staatsanwaltschaft ermittelte, sein Haus wurde durchsucht. Was sollten da noch Statements helfen?

Nun scheint die Zeit des Schweigens für Glaeseker vorbei zu sein. Über seinen Anwalt bezieht er erstmals seit der Entlassung durch Wulff kurz vor Weihnachten Stellung, ausgerechnet zu Aussagen, die der Ex-Bundespräsident gemacht haben soll. Man sei in hohem Maße irritiert, heißt es von Glaesekers Anwalt. Was Wulff erklärt haben soll, entspreche nicht dem Kenntnisstand von Glaesekers Verteidigung. Das mag so sein, der Widerspruch zwischen den einst so Vertrauten wird den Staatsanwalt interessieren. Aber dem sollte es überlassen bleiben.

In der Affäre um Wulff hat es mehr als genug Aufgeregtheit gegeben. Schon deshalb konnte das Land erleichtert sein, als ein für seine Gründlichkeit bekannter Staatsanwalt die so komplexen Vorgänge zu prüfen begann. Dass nun Wulff als Zeuge im Fall Glaeseker ausgesagt hat, ist eine ganz normale Sache. Bis zum Herbst wollen die Ermittler sich Zeit nehmen. Diese Zeit sollte die Öffentlichkeit den Beteiligten, dem Staatsanwalt und seinem Team und vor allem sich selbst gönnen.