Nach der Niederlage als Kanzlerkandidat der Union vor einem Jahr ist der historische Rekord der CSU ein persönlicher Triumph für den ehrgeizigen Ober-Bayern. Mit seinem Landtagswahlergebnis hat er selbst seinen politischen Ziehvater Franz Josef Strauß übertroffen.

Als Edmund Stoiber den Saal betritt, feiern ihn seine Anhänger wie einen Fußballstar. "We are the Champions", singen sie, rufen "Edmund, Edmund". Eine Woche vor seinem 62. Geburtstag feiert der CSU-Vorsitzende am Sonntagabend seinen größten politischen Triumph.

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Mit seinem Landtagswahlergebnis hat er selbst seinen politischen Ziehvater Franz Josef Strauß übertroffen, der es nie geschafft hatte, über die Marke von 60 Prozent hinaus zu kommen.

"Immer ganz oben an die Spitze - da gehören wir Bayern hin." Mit diesem Credo brachte Stoiber im Wahlkampf seine Anhänger stets zum Jubeln.

Bayerische Verhältnisse seien inzwischen ein Gütesiegel, nirgendwo in Deutschland seien in den letzten zehn Jahren so viele Arbeitsplätze entstanden, die Wirtschaft stärker gewachsen, die Neuverschuldung so entscheidend gesenkt worden. "Wir sind das starke Stück Deutschlands", betonte Stoiber und wertete dies als seinen persönlichen Erfolg: "Ich habe Bayern auf den ersten Platz geführt."

Abrechnung mit dem Bundeskanzler

Natürlich prägte seinen Wahlkampf auch die Abrechnung mit Bundeskanzler Gerhard Schröder, dem Stoiber bei der Bundestagswahl vor einem Jahr seine bislang einzige persönliche Wahlniederlage verdankt. Deutschland werde unter Niveau regiert, beklagte er und forderte von den Wählern "die gelb-rote Karte für Berlin".

Unter Stoibers Führung rückte die CSU weiter in die Mitte. Kaum zuvor hatten sich auf Parteitagen und Wahlkampfveranstaltungen so auffallend viele junge Menschen versammelt. Er sei der "Manager dieses Landes", betont der bayerische Ministerpräsident und verkörpert damit einen offenbar immer gewünschteren Politikertypus.

Im jüngsten ZDF-Politbarometer hängte er in der Kanzlerfrage mit 46 zu 45 Prozent erstmals Amtsinhaber Schröder ab.

In kleinen Verhältnissen aufgewachsen, hatte Stoiber mit 30 als frisch promovierter Jurist als Referent des damaligen Umweltministers Max Streibl angefangen. 1978 machte Parteichef Strauß den Abgeordneten zum CSU-Generalsekretär, wo sich Stoiber die Beinamen "blondes Fallbeil" und "Wadlbeißer" erwarb. Bis zu dessen Tod führt Stoiber die Staatskanzlei von Strauß. Als Innenminister beerbte er schließlich 1993 den in der Amigo-Affäre gestrauchelten Max Streibl als Ministerpräsident.

Stoibers größter Coup war zweifellos seine "Zukunftsoffensive": Weit mehr als vier Milliarden Euro brachten Privatisierungserlöse aus dem Verkauf von Anteilen Bayerns an Energiekonzernen und der Versicherungskammer. Das Geld wurde in Forschungsinstitute, Hochschulen, High-Tech- und Biotechnologiecentern gesteckt und half mit, Bayerns Rolle als entscheidender Hochtechnologie-Standort in Deutschland zu sichern.

"Staatsinterventionismus"

Liberale Kritiker kritisieren Stoibers Wirtschaftspolitik jedoch als "Staatsinterventionismus". Bereits Ziehvater Strauß hatte den wirtschaftlichen Aufstieg des einstigen Agrarlands zum großen Teil mit staatlichen Investitionen in die Rüstungs-, Raum- und Luftahrtindustrie begründet.

Doch bei den sich in jüngster Zeit in Bayern häufenden Großpleiten verlor der Freistaat viel Geld: Grundig, Schneider, Maxhütte, Fairchild-Dornier endeten in der Insolvenz, ohne dass die jahrelangen Versuche von Stoibers Regierung dies mit Beihilfen und Bürgschaften verhindern konnten. Bei der spektakulärsten Pleite, dem Zusammenbruch des Imperiums des Medienmoguls Leo Kirch, verlor die halbstaatliche bayerische Landesbank mehrere hundert Millionen Euro.

Ex-Bundesfinanzminister Theo Waigel prophezeite seinem Parteifreund Stoiber denn auch, die nächsten fünf Jahre versprächen angesichts der wachsenden Finanzprobleme auch im Freistaat "weniger schön" zu werden.

Nicht nur Stoibers triumphales Wahlergebnis, auch die wachsenden Probleme im Freistaat geben nun den Spekulationen über eine erneute Kandidatur Stoibers als Kanzlerkandidat oder gar Bundespräsident neue Nahrung.

Parteifreunde sind der Meinung, dass Stoiber insgeheim tatsächlich mit einer zweiten Chance als Kanzlerkandidat liebäugelt, auch wenn er selbst das schlicht "Unsinn" nennt. Bei der nächsten regulären Bundestagswahl im Jahr 2006 wäre er knapp 65 Jahre alt.

Schon einmal haben die Bayern Stoiber fast zum Kanzler gemacht: Allein dank des bayerischen CSU-Ergebnis von 58,6 Prozent trennten bei der Bundestagswahl Union und FDP nur 2145 Stimmen von Rot-Grün.

(sueddeutsche.de/AP/Michael Pohl/dpa)

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