E-Mail an Jürgen Möllemann

Betreff: Fall Karsli

Von Von: Bernd Oswald

Sehr geehrter Herr Möllemann,

Möllemann mit Karsli_dpa

Jürgen Möllemann (r.) will weiter mit Jamal Karsli zusammenarbeiten, auch wenn der kein FDP-Mitglied werden darf.

(Foto: )

Der Ober sticht den Unter - diese Erfahrung haben Sie jetzt wieder machen müssen. Ihr Parteichef Guido Westerwelle brüstet sich damit, dass er "persönlich dafür gesorgt" hat, dass der Israel-Kritiker Jamal Karsli nun doch kein FDP-Mitglied wird.

Auch wenn es schwer fällt: Nach der riesigen Protestwelle - nicht nur in der FDP - hätten Sie sich zu 100 Prozent von Jamal Karsli distanzieren sollen. Damit hätten Sie Ihrer Parteispitze einen großen Gefallen getan. Aber Loyalität ist ja nicht die Eigenschaft, die Sie an vorderster Stelle auszeichnet.

Karsli wird jetzt zwar wieder aus der liberalen Herde vertrieben, dafür darf er aber in Ihrer nordrhein-westfälischen Landtagsfraktion mittrampeln und dort vielleicht weiteres Porzellan zerbrechen. Herr Möllemann, das riecht nach einem ganz faulen Kompromiss. Richtig gelöst ist der Fall Karsli so nicht.

Die Frage drängt sich auf: Hätten Sie sich auch so für Karsli ins Zeug gelegt, wenn er kein (grünes) Landtagsmandat mitgebracht hätte? Bei den knappen Mehrheitsverhältnissen in Düsseldorf? Wohl kaum.

Für Sie scheint zu gelten: Der Zweck heiligt die Mittel: Für einen Sitz mehr im Landtag kämpfen sie (v)erbittert und stur für ein neues Fraktionsmitglied, das Israel "Nazi-Methoden" vorwirft.

Diesen Kampf führen Sie auf Teufel komm raus und ohne Rücksicht auf Verluste: Jetzt haben Sie dem Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Michel Friedman, erneut vorgeworfen, für den Antisemitismus in Deutschland verantwortlich zu sein.

Wenn Sie so weitermachen, sind Sie nicht nur der Vater des Projekts 18, sondern auch Vater einer in dieser verletzenden Schärfe unnötigen Antisemitismus-Debatte in Deutschland. Den Palästinensern, denen Sie als Präsident der deutsch-arabischen Gesellschaft nahe stehen, erweisen Sie damit einen Bärendienst.