Duisburg: Loveparade-Katastrophe OB Sauerland bleibt unbehelligt

Die Verdächtigen bleiben weiter namenlos: Es wird keine Ermittlungen gegen Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland wegen des Loveparade-Unglücks geben.

Von Bernd Dörries, Düsseldorf

Gegen den Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) wird wegen der Katastrophe auf der Loveparade vorerst kein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Dies war aus Justizkreisen in Nordrhein-Westfalen zu erfahren. Die Staatsanwaltschaft Duisburg prüft nach Informationen der Süddeutschen Zeitung derzeit intensiv, in welchen Fällen das Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen unbekannt zu einem namentlichen wird. Vermutlich bereits um die Jahreswende herum soll mit Ermittlungen gegen eine Reihe von Mitarbeitern von Veranstalter, Polizei und Stadt begonnen werden.

Bei der Katastrophe auf der Loveparade waren am 24. Juli 21 Menschen ums Leben gekommen. Sauerland hatte in den vergangenen Monaten jede persönliche und politische Verantwortung von sich gewiesen. In der Stadt ist er äußerst umstritten. Bis heute kritisieren ihn Demonstranten bei öffentlichen Auftritten; auf einer Personalversammlung im Rathaus vor wenigen Wochen wurde das Stadtoberhaupt von den eigenen Mitarbeitern ausgepfiffen.

Monatelang sagte Sauerland viele öffentliche Termine ab. Der Personalrat fordert seinen Rücktritt, weil Sauerland unabhängig von persönlicher Schuld nicht mehr in der Lage sei, die Stadt zu führen. Josef Krings, einer seiner Amtsvorgänger, hält ihn nach der Katastrophe für traumatisiert. Mitarbeiter der Stadt berichten von einer gelähmten und führungslosen Verwaltung, die nicht einmal mehr in der Lage sei, Fristen für Förderanträge einzuhalten.

Die Staatsanwaltschaft geht derzeit davon aus, dass Veranstalter, Stadt und Polizei beim Genehmigungsverfahren, bei der Vorbereitung und schließlich bei der Durchführung der Loveparade gravierende Fehler gemacht haben. In Justizkreisen wird aber trotz der bevorstehenden Ermittlungen gegen konkrete Personen auf die Schwierigkeiten im weiteren Verfahren hingewiesen. Ob es schließlich zu einer Verurteilung vor einem Gericht komme, sei nicht abzusehen.

Im Fall des Brandes auf dem Düsseldorfer Flughafen im Jahre 1996 mit 17Toten verhandelte das Landgericht mehr als fünf Jahre lang gegen verschiedene Beschuldigte. Doch trotz zahlreicher Baumängel und missachteter Vorschriften wurden alle Verfahren schließlich eingestellt. Bis heute versuchen viele Geschädigte, mit Zivilklagen Schadenersatzzahlungen zu erreichen.