Der Veranstalter der Loveparade ist nicht "unbekannt", der Duisburger Bürgermeister ist nicht "unbekannt". Die Staatsanwaltschaft muss jetzt Namen nennen - und so endlich die Verantwortungslosigkeit in der Stadt beenden.
Man mag schon fast Mitleid haben mit Adolf Sauerland. Er ist ein Bild des Jammers. Der Oberbürgermeister der Stadt Duisburg muss sich am Tag der Trauerfeier verstecken. Er hat Angst vor seinen Bürgern, die um die toten Bürger trauern. Ein verdienter, bisher ordentlicher Oberbürgermeister hat auf entsetzliche Weise versagt. Aus einer rustikalen Autorität ist eine traurige, klägliche Figur geworden.
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Eine Stadt sucht nach den Verantwortlichen: Duisburger auf einem Trauermarsch durch ihre Stadt am Mittwoch. (© dpa)
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Sauerland, der seine Abwahl nun wohl akzeptieren will, hat womöglich eine Mitschuld am tödlichen Unglück; das muss noch genau geprüft werden. Aber an seinem eigenen Desaster nach der Katastrophe ist ganz allein er selbst schuld: Er hat die Worte nicht gefunden, die Gesten nicht und die Taten nicht, die notwendig gewesen wären. Er hat sich verstrickt in seinen eigenen Ängsten: den Ängsten vor den Folgen der Massenveranstaltung, für die er zumindest die politische und die organisatorische Verantwortung trägt; und der Angst vor dem Sturz in Hartz IV, den er befürchtet, wenn er zurücktritt. Sauerland ist ein Gefangener der Katastrophe, obwohl die Staatsanwaltschaft noch nicht einmal gegen ihn ermittelt.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Unbekannt. Unbekannt? Der Oberbürgermeister ist nicht "unbekannt". Und der Veranstalter der Loveparade heißt Rainer Schaller; er ist auch nicht "unbekannt". Beide geben fast täglich Exkulpationserklärungen ab, aber das ist kein Grund, nur Ermittlungen gegen Unbekannt zu führen. Bekannt sind auch der Chef des städtischen Ordnungsamtes, der Chef des Bauamtes, der polizeiliche Einsatzleiter. Bekannt sind die Chefs der privaten Ordnungsdienste. Es ist unlogisch, die Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt zu führen.
Diese Aktenführung passt zu der Duisburger Verantwortungsdiffusion nach dem Unglück. Niemand will Verantwortung tragen, jeder zeigt auf den anderen. Das UJs-Aktenzeichen, das Ermittlungen gegen unbekannte Täter kennzeichnet, ist ein Symbol dafür.
Es gilt, den Vorwurf zu personalisieren
Dabei sind die Vorschriften sehr klar: Sind bestimmte Personen zureichend verdächtig, so ist das Ermittlungsverfahren gegen sie zu führen. Sie müssen zu Beschuldigten gemacht werden - nicht weil das in der Öffentlichkeit ohnehin geschieht, sondern weil objektiv ein Anfangsverdacht besteht. Der Vorwurf lautet: fahrlässige Tötung.
Es gilt, diesen Vorwurf zu personalisieren. Womöglich zerlegt sich ja die Fahrlässigkeitsschuld in viele kleine Teile, die ganz vielen verschiedenen Personen zuzuordnen sind. Das aber ist erst eine Frage von Schuld und Strafe; die stellt sich vor Gericht. Erst einmal sind die vielen fahrlässigen Verantwortlichen Beschuldigte. Die Einleitung von strafrechtlichen Ermittlungen gegen den Oberbürgermeister könnte diesem sogar aus seinen Verstrickungen heraushelfen. Dann könnte er, dieser Ermittlungen wegen, sofort sein Amt ruhen lassen und die Wahrnehmung der Geschäfte auf seinen Stellvertreter übertragen. Kein Verwaltungsgericht würde etwas dagegen haben.
Sinti und Roma als Nachbarn? Bloß nicht, sagen zwei von drei Deutschen. Über Menschen, die im eigenen Land Fremde sind. Seite Drei. Jetzt lesen ...
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(SZ vom 31.07.2010/jab)
Neue Forschungen zu Stalin und Shoah
Für den Beitrag von ruunner sehe ich keine Begündung, er ist völlig wirr. Herr Prantl spricht hier genau den Kern an, nämlich dass hier keine Natur"katastrophe" passiert ist sondern einige Personen wissentlich oder unwissentlich ihren Job nicht gemacht haben und das straflässig relevant ist. Der polizeiliche Einsatzleiter ist im Kommentar genannt. Sicherlich kommt der Polizei in dieser Situation die meiste Verantwortung zu und dem Bürgermeister recht wenig, darüber wird ja auch ein wenig berichtet.
Herrn Prantl schließlich Staatspopulismus vorzuwerfen, ist der Gipfel. Er ist einer der wenigen einflussreichen Beobachter, die regelmäßig den Schutz des Bürgers vor dem Staat im Auge haben. Wenn ich nur von der gesamten Zeitung so sprechen könnte, stünde unser Land um einiges besser da.
Sehr gegehrter Herr Prantl,
es ist unfassbar wie Sie eine eventuelle Mitschuld der Polizei völlig unerwähnt lassen. Immerhin gab es mehrere Artikel in der SZ, die ein einwandfreies Verhalten der Polizei stark in Abrede stellen. Setzen Sie doch bitte die Leserschaft in ihren Kommentaren darüber in Kenntnis, dass Sie ein ehemaliger Staatsanwalt sind und ihre Kommentare daher eine Art "Lobbyarbeit" darstellen können. Schon bei ihren Kommmentaren zum Fall Brunner haben Sie der Staatsanwaltschaft einen Freifahrtsschein ausgestellt, obwohl in der ganzen Republik, das Informationsgebaren der Staatsanwaltschaft stark kritisiert wurde. Wenn es ihnen nicht möglich ist bei Fällen in denen es um Vorgänge geht, die sehr wahrscheinlich vor Gericht verhandelt werden müssen, objektiv und unabhängig zu berichten, dann sollten Sie es einfach lassen und Kollegen die Kommentierung überlassen. Die Opfer von Duisburg haben es nicht verdient sich hier verhöhnen zulassen, in dem man vorab mögliche Schuldfaktoren ausschliesst. Und für einen aufgeschlossen SZ-Leser sind ihre einseitigen Artikel, besonders wenn es um die Stellung des Staates geht oder staatliche Institutionen wie Polizei oder Gerichte Fehler machen, zum Teil so einseitig, dass es eigentlich gut intelektuell getarnter Staatspopulismus ist.
Ich fürchte, die Ermittlungen werden bald ergebnislos eingestellt werden. Begründung: Verantwortlichkeit kann nicht eindeutig geklärt werden oder ähnliches. Man kennt sich halt irgendwie und da tut man sich doch nichts Böses an...
Es kann nicht sein, dass die Verursacher dieser fahrlässigen Tötungen sich aus Angst um ihre Pension oder aus Furcht vor wie auch immer gearteter Strafe aus der Verantwortung stehlen.
Es sind mindestens 21 Familien zerstört und viele hundert Menschen verletzt und traumatisiert.
Der Staatsanwalt muss umgehend ermitteln und zwar nicht gegen unbekannt!